NewsMedizinMobbing und Gewalt am Arbeitsplatz erhöhen Risiko auf Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Mobbing und Gewalt am Arbeitsplatz erhöhen Risiko auf Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen

Dienstag, 20. November 2018

/pictworks, stockadobecom

Kopenhagen – Menschen, die am Arbeitsplatz psychischer oder physischer Gewalt ausgesetzt sind, erkranken häufiger an Herzinfarkten oder Schlaganfällen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung von 3 Kohortenstudien im European Heart Journal (2018; doi: 10.1093/eurheartj/ehy683).

Mobbing, aber auch handfeste Gewalt scheinen am Arbeitsplatz häufiger vorzu­kommen, als allgemein angenommen. In 3 Umfragen aus Schweden (Swedish Work Environment Survey, Swedish Longitudinal Occupational Survey of Health) und Dänemark (Danish Work Environment Cohort Study) hatten 8 bis 12 % der 79.201 Beschäftigten angegeben, in den letzten 12 Monaten gemobbt worden zu sein, wobei die Angriffe in der Regel von Mitarbeitern ausgingen. Noch mehr Menschen, nämlich 7 bis 17 %, waren sogar offener Gewalt ausgesetzt, wobei die Attacken meist von außen kamen. Vor allem Sozialarbeiter, Sicherheitsdienste, aber auch medizinisches Personal und Lehrer sehen sich immer körperlichen Angriffen ausgesetzt.

Anzeige

Mobbing und Gewalt können Ängste und Depressionen auslösen. Zu den Bewälti­gungsstrategien („Coping“) gehört der Griff zu alkoholischen Getränken oder Zigaretten oder eine vermehrte Nahrungszufuhr. Alle diese Faktoren greifen Herz und Kreislauf an, und da Mobbing und Gewalt am Arbeitsplatz für viele Betroffene ein chronisches Problem sind, muss auf die Dauer mit einem Anstieg von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gerechnet werden.

Tianwei Xu von der Universität Kopenhagen und Mitarbeiter haben die Angaben der Beschäftigten in den 3 Umfragen mit späteren Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Beziehung gesetzt. Dies ist in Dänemark und Schweden leicht möglich, da alle Einwohner persönliche Identifikationsnummern haben, die in verschiedenen Registern verwendet werden. Die Forscher stellten fest, dass 3.229 Teilnehmer der Umfragen in den folgenden 12,4 Jahren wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Krankenhaus behandelt wurden.

Die Arbeiter und Angestellten, die sich gemobbt fühlten oder körperlichen Angriffen ausgesetzt waren, erkrankten signifikant häufiger. Für das Mobbing ermittelt Xu – nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Geburtsland, Familienstand und Bildungs­niveau – eine Hazard Ratio von 1,59, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,28 bis 1,98 signifikant war. Gewalt am Arbeitsplatz war mit einer Hazard Ratio von 1,25 (1,12-1,40) ebenfalls ein Auslöser von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, kann Xu den Zusammenhang letztlich nicht beweisen. Es könnte ja sein, dass die psychisch und körperlich schwachen Menschen eher zu den Opfern von Mobbing und Gewalt gehören. Für eine Kausalität spricht jedoch zum einen eine Dosis-Wirkungs-Beziehung: Beschäftigte, die häufiger gemobbt oder bedroht wurden, hatten ein höheres Erkrankungsrisiko als Beschäftigte, die seltener belästigt wurden. Der Zusammenhang erwies sich auch in einer Reihe von Sensitivitätsanalysen als robust, in denen andere Einflussfaktoren variiert wurden. Und last but not least lässt sich der Zusammenhang über hormonelle (Cortisol, Adrenalin) und neuronale (Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse) Mechanismen plausibel erklären.

Sollte der Zusammenhang kausal sein, dann könnte er aufgrund des im Alltag häufigen Auftretens von Mobbing und Gewalt von großer Bedeutung für die Gesundheit der Bevölkerung sein. Laut den Berechnungen von Liu könnte das Mobbing (in den beiden skandinavischen Ländern) für 5,0 % aller Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich sein. Bei der körperlichen Gewalt betrug das bevölkerungsbezogene attributable Risiko (PAF) 3,1 %. Mobbing und Gewalt am Arbeitsplatz wären demnach für ähnlich viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich wie Diabetes (PAF 4 %) oder ein riskanter Alkoholkonsum (PAF 3 bis 6 %). © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. Februar 2019
Heidelberg/Mannheim – Ein für die USA entwickelter Score sagt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse auch für die deutsche Bevölkerung am besten vorher. Zu diesem Schluss kommen Forscher der
Herz-Kreislauf-Erkrankungen: US-Risikoscore ist deutschen Risikorechnern überlegen
8. Februar 2019
Düsseldorf – Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels wird sich der Wettstreit der Krankenhäuser um qualifiziertes Personal, vor allem in der Pflege, in Zukunft weiter verschärfen. Um Mitarbeiter
Arbeitsplätze im Krankenhaus müssen attraktiver werden
8. Februar 2019
Hamburg – Das Hamburger Amt für Arbeitsschutz hat im vergangenen Jahr 2.601 Asbestanzeigen erhalten. Diese würden für die Sanierung auf die Einhaltung technischer Regeln für Gefahrstoffe (TRGS 519)
Tausende Asbestsanierungen in Hamburg
7. Februar 2019
Berlin – In Deutschland sterben immer weniger Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Erkrankungen bleiben aber weiterhin vor Krebs mit Abstand die Todesursache Nummer eins in Deutschland, wie
Immer mehr Patienten mit Herzerkrankungen in Deutschland
7. Februar 2019
Berlin – Künstliche Intelligenz (KI) erleichtert es, Gesundheitsrisiken bei erwachsenen Patienten mit angeborenen Herzfehlern früher zu erkennen und zu behandeln. Dieses Fazit zieht das Kompetenznetz
Künstliche Intelligenz soll Versorgung von Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern verbessern
31. Januar 2019
Albany/New York – Zu den Folgen der Klimaerwärmung könnte eine Zunahme von angeborenen Herzfehlern gehören, wie Umweltmediziner in JAHA: Journal of the American Heart Association (2019; 8: e010995)
Klimawandel könnte Zahl der angeborenen Herzfehler erhöhen
31. Januar 2019
Potsdam – Das Protein Chemerin könnte künftig dazu genutzt werden, das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere kardiovaskuläre Erkrankungen früher und präziser zu bestimmen. Das berichten
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER