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Medizin

Neue Formulierung eines alten Antibiotikums verkürzt Reisediarrhö

Dienstag, 20. November 2018

/x4wiz, stockadobecom

Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat das Antibiotikum Rifamycin SV, das bereits Ende der 1950er-Jahre entdeckt wurde, zur Behandlung der Reisediarrhö zugelassen. Der Hersteller hat eine Formulierung entwickelt, die den Wirkstoff erst im Dickdarm freisetzt.

Rifamycin SV gehört zu den 1957 entdeckten Rifamycinen. Es ist damit eines der ältesten Antibiotika. Rifamycine wurden lange Zeit kaum eingesetzt, da sie oral nicht verfügbar sind. Dies änderte sich erst 1966 mit Rifampin, das vom Darm resorbiert wird. Es bildet noch heute die Basis der Tuberkulosetherapie.

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Die schlechte enterale Resorption, die früher als Nachteil der Rifamycine betrachtet wurde, könnte bei Darminfektionen von Vorteil sein. Vor zehn Jahren wurde Rifaximin, ein halbsynthetisches Derivat von Rifamycin, zur Behandlung der Reisediarrhö eingeführt.

Jetzt kommt, zunächst in den USA, mit Rifamycin SV ein weiterer Wirkstoff hinzu. Rifamycin SV gehört zu den 7 originalen Rifamycinen (neben A, B, C, D, E und S). Um es für die Behandlung  der Reisediarrhö besser verträglich zu machen, hat der Hersteller Cosmo Technologies aus Dublin es in eine spezielle Formulierung („Multi Matrix Technology“) verpackt, aus der der Wirkstoff erst nach Eintritt in den Blinddarm freigesetzt wird. So soll die empfindliche Darmflora im Dünndarm geschont und die Wirkung auf den Dickdarm beschränkt werden.

Die Wirksamkeit des neuen Medikaments wurde in einer randomisierten, placebo­kontrollierten Studie an 264 Erwachsenen mit Reisedurchfall in Guatemala und Mexiko untersucht. Die neue Formulierung verkürzte die Dauer der Reisediarrhö auf median 46,0 Stunden gegenüber 68,0 Stunden in der Placebogruppe. Für die Touristen bedeutet dies einen gewonnenen Urlaubstag, den sie dank einer guten Verträglichkeit des Antibiotikums in der Regel auch genießen können.

In der für die Zulassung maßgeblichen Studie, die bereits vor 4 Jahren im Journal of Travel Medicine (2014; 21: 369-376) veröffentlicht wurde, war die Nebenwirkungsrate nicht höher als in der Placebogruppe. Die FDA gibt als häufigste Nebenwirkungen Kopfschmerzen und Verstopfung an. Das Mittel wird nicht zum Einsatz von Durchfall­erkrankungen empfohlen, die mit Fieber und/oder mit blutigen Stühlen einhergehen oder bei Durchfällen, die durch andere Erreger als nichtinvasive E. coli ausgelöst werden, dem häufigsten Verursacher der Reisediarrhö. © rme/aerzteblatt.de

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