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Bildung von Rettungsgassen klappt selten

Dienstag, 20. November 2018

/dpa

Berlin – Bei Stau bilden Fahrer laut einer Umfrage des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) selten reibungslos eine Rettungsgasse. Nur in knapp 16 Prozent von 96 betrachteten Fällen hätten die Menschen spontan Platz gemacht, teilte das DRK heute mit. In mehr als einem Drittel der Einsätze machten Fahrer den Weg für die Rettungskräfte nur nach Aufforderung frei, mehr als 20 Prozent der Fahrer reagierten gar nicht.

Für die Retter bedeuteten die Blockaden laut DRK im Schnitt geschätzt fünf Minuten Zeitverlust. „Für einen Patienten, der reanimiert werden muss, kann dann jede Hilfe zu spät sein“, sagte der DRK-Bundesarzt Peter Sefrin. Er fordert, dass mehr aufgeklärt wird und Verstöße strenger geahndet werden.

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Egoismus ist nach Sefrins Einschätzung ein Grund für das Phänomen. „Die Leute denken nicht daran, dass sie selbst betroffen sein könnten.“ Sie hätten das eigene schnelle Vorankommen im Sinn. So gebe es Fälle, in denen Fahrer die Rettungsgasse für sich selbst nutzen.

Für die Umfrage waren 96 Berichte über Einsatzfahrten im Juli und August 2018 ausgewertet worden. Es beteiligten sich Teams aus Baden-Württemberg, Bayern, Saarland, Niedersachsen, Berlin und Sachsen. Vergleichswerte aus Vorjahren gibt es nicht. „Wir haben das Gefühl, dass es auf jeden Fall nicht besser geworden ist“, sagte Sefrin.

Zur Abschreckung waren die Bußgelder im Herbst 2017 erhöht worden. Wer bei stockendem Verkehr etwa auf einer Autobahn keine Gasse bildet, muss inzwischen statt bisher 20 Euro mindestens 200 Euro bezahlen – und im schwersten Fall bis zu 320 Euro verbunden mit einem Monat Fahrverbot.

„Sollten wir feststellen, dass wir mit der jetzigen Höhe der Bußgelder nicht die erhoffte Wirkung erreichen, müssen wir über weitere Erhöhungen nachdenken“, sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) der NOZ.

Eine Rettungsgasse muss laut Straßenverkehrsordnung nicht nur auf Autobahnen gebildet werden. Die Regel gilt auch für andere Straßen außerhalb von Ortschaften mit mindestens zwei Streifen für eine Richtung. Man muss Platz für Einsatzfahrzeuge machen, bevor das Martinshorn zu hören oder Blaulicht zu sehen ist. Wer auf dem linken Streifen fährt, weicht ganz nach links aus, Fahrer auf den übrigen Streifen nach rechts. © dpa/may/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 22. November 2018, 22:17

Maximaltempo 130 in Österreich, Frankreich, Schweiz, Benelux, Italien ...

führt insgesamt zu einer besseren Disziplin bei Autofahrer/-innen, auch bei der Bildung einer Rettungsgasse. Davon kann in Deutschland ("Freie Bürger fordern freie Fahrt!") absolut keine Rede sein.

Bei linker Spur nach links und rechter Spur nach rechts bildet sich in Abhängigkeit von der individuellen Fahrtüchtigkeit und u.U. fehlerhaften Selbsteinschätzung der Auto-Lenkenden eine beidseitig sehr unregelmäßig begrenzte Rettungsgasse. Fahren alle Spuren nach rechts und lassen die linke Überholspur frei, kommen Einsatzfahrzeuge mit Sondersignal einfach besser durch. Nur darum ging es mir, Kollege "Practicus", was auch immer das bedeuten soll?

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #79783
Practicus
am Mittwoch, 21. November 2018, 22:57

Lieber Kollege Schätzler

Wie sich in Österreich gezeigt hat, kapieren und befolgen ALLE die Regeln für die Rettungsgasse, wenn der Verstoß 1000 € kostet!
Für ein paar Euro sorgt sich jeder um seinen Hochglanzlack - erst wenn es richtig teuer wird, schwinden diese Bedenken.
Einfach die Bußgelder erhöhen, dann klappt das!
Keine Rettungsgasse? Handy, Alkohol oder Drogen am Steuer - ab 1000 € klappt das!
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 21. November 2018, 22:36

Denkfehler beim Rettungsgassen-Prinzip?

Auf einspurigen Straßen inner- und außerorts ist noch alles klar: Bei herannahenden Einsatzfahrzeugen mit Sondersignal alle rechts ranfahren.

Auf der zweispurigen Autobahn/Schnellstraße/in Ortschaften soll plötzlich alles anders sein: Die linke Spur soll nach links, die rechte nach rechts fahren und eine beidseitig begrenzte Rettungsgasse bilden. Doch wie soll das gut gehen?

Etwa 10% der Bevölkerung haben eine mehr oder weniger ausgeprägte Rechts-Links-Schwäche. Etwa 50 Prozent der Edelkarossen-, SUV- oder Großraum-Limousinen-Fahrerinnen und Fahrer haben ausgeprägte Verschmutzungs- und Berührungsängste bei Kontakt mit Grasnarben und Leitplanken des Autobahn-Mittelstreifens, sofern diese überhaupt existieren: Baustellenbedingt oder platzmäßig begrenzen oft nur einfache Absperrungen den Mittelstreifen.

Es bleibt unerfindlich, warum nicht b e i d e Spuren rechts ranfahren sollen, um den größten Teil der Überholspur als Rettungsgasse freizuhalten, denn dieser Reflex wurde wohl doch bei einigen innerstädtischen Notfällen oder in der Fahrschule bereits auf einspurigen Fahrbahnen eingeübt.

Noch komplizierter wird es bei drei- und mehrspurigen Autobahnen: Die linke Spur nach links, die Mittelspur nach rechts und die rechte(n) Spur(en) nach rechts.

Was spricht dagegen, dass auf allen vorhandenen Spuren nach rechts ausgewichen und die linke Überholspur komplett als Rettungsgasse freigeben wird?

"Das bisherige Autobahn-Rettungsgassen-Prinzip beruht auf einem Denkfehler!" Bei diesem Gedanken wache ich in Panik schweißgebadet auf, denke dann aber ernüchtert über unsere typisch deutsche Gründlichkeit bzw. den Vorschriften- und Regelungs-Wust nach, mit dem alles Einfache äußerst praxisfern, kompliziert und unüberschaubar geregelt ist. Da wird sich an den schwierigen Rettungsgassen-Vorschriften wohl niemals mehr etwas abändern oder gar verbessern und vereinfachen lassen.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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