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Medizin

Chemoprävention: ASS und EPA verzögern Bildung von Darmpolypen

Mittwoch, 21. November 2018

/crevis, stockadobecom

Leeds – Die Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) oder Eicosapentaensäure (EPA) hat in einer randomisierten Studie bei Menschen mit erhöhtem Darmkrebsrisiko die Zahl der Polypen gesenkt, ihre Neubildung jedoch nicht komplett verhindern können. Dies zeigen die jetzt im Lancet (2018; doi: 10.1016/S0140-6736(18)31775-6) publizierten Ergebnisse.

Eine Darmspiegelung ist derzeit die beste Methode zur Darmkrebsvorsorge. Ärzte suchen und entfernen bei der Koloskopie Adenome, aus denen sich mit der Zeit ein Karzinom entwickeln könnte. Bei einer erhöhten Zahl von Adenomen wird den Patienten nach einem kürzeren Intervall zu einer erneuten Untersuchung geraten

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Die seAFOod-Studie („Systematic Evaluation of Aspirin and Fish Oil“) hat untersucht, ob die Einnahme von ASS und/oder EPA das Auftreten neuer Adenome verhindern kann. Für ASS ist eine präventive Wirkung bereits in früheren randomisierten Studien beo­bachtet worden. Die Einnahme von EPA hat in einer kleineren Studie an Patienten mit familiärer adenomatöser Polyposis (FAP) ebenfalls die Zahl und Größe der Polypen vermindert (Gut 2010; 59: 918-25).

An der seAFOod-Studie nahmen an 53 Zentren 709 Patienten teil, bei denen bei einer Vorsorgekoloskopie entweder fünf oder mehr kleinere Adenome oder mindestens drei Adenome von einem Durchmesser von mindestens 10 Millimetern gefunden wurden. Das Bowel Cancer Screening Programme des englischen National Health Service rät diesen Personen zu einer Kontrolluntersuchung nach einem Jahr.

In der Zwischenzeit sollten die Studienteilnehmer eine Chemoprävention mit ASS oder EPA betreiben. Sie wurden dafür auf 4 Gruppen randomisiert, in denen die Teilnehmer täglich 300 mg ASS oder 2 g EPA oder eine Kombination von ASS und EPA erhielten. An die vierte Gruppe wurden Placebos ausgeteilt.

Primärer Endpunkt war der Anteil der Patienten, bei denen neue Adenome auftraten. Wie Mark Hull von der Universität Leeds und Mitarbeiter berichten, wurden in der Placebo-Gruppe bei 100 von 163 Teilnehmern (61 %) neue Adenome gefunden. In der EPA-Gruppe waren es 97 von 153 (63 %), in der ASS-Gruppe 100 von 163 Teilnehmern (61 %) und in der EPA plus ASS-Gruppe 98 von 161 Patienten (61 %). Damit hat die Chemoprävention ihr Ziel, die Patienten vor neuen Adenomen zu schützen, verfehlt.

Dennoch ist Hull von der Effektivität der Chemoprävention überzeugt. Er führt dazu die Ergebnisse in einem sekundären Endpunkt an, der mittleren Anzahl der bei der Nachuntersuchung pro Patient entdeckten Polypen (MAP). Hier kam es tatsächlich zu einem Rückgang. ASS senkte die MAP um 22 % (Inzidenzrate IRR 0,78; 95-%-Konfidenzintervall 0,68–0,90). Am deutlichsten war der Rückgang im rechten Colon. Unter der Behandlung mit EPA kam es zu einem nicht signifikanten Rückgang der MAP um 9 % (IRR 0,91; 0,79-1,05), der im linken Kolorektum an deutlichsten ausgeprägt war.

Ob diese präventive Wirkung ausreicht, um langfristig das Darmkrebsrisiko zu senken, ist offen. Eine klinische Konsequenz werden die Ergebnisse vermutlich nicht haben. Solange der Anteil der Patienten, bei denen neue Adenome auftreten, nicht gesenkt wird, dürfte eine Verlängerung der Untersuchungsintervalle nicht vertretbar sein.

Evelien Dekker von der Universität Oslo wundert sich über den hohen Anteil von Patienten, bei denen bereits ein Jahr nach der ersten Koloskopie erneut Adenome gefunden wurden. Die Editorialistin vermutet, dass es sich nicht nur um neu gebildete Adenome handelt, sondern auch um Adenome, die bei der Erstuntersuchung übersehen wurden. Dann würde die Studie auf Qualitätsmängel in der Darmkrebsvorsorge in England hinweisen. © rme/aerzteblatt.de

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