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Politik

Gemeinsamer Bundes­aus­schuss erkennt Nutzen der systemischen Therapie an

Donnerstag, 22. November 2018

/Chinnapong, stockadobecom

Berlin – Eine jahrelange Beratung im Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) ist beendet: Mit der Anerkennung des Nutzens und der medizinischen Notwendigkeit der systemischen Therapie bei Erwachsenen als Psychotherapieverfahren hat der G-BA heute ein langjähriges Verfahren der Nutzenbewertung abgeschlossen.

Damit ist die Grundlage gelegt, dass die systemische Therapie im nächsten Verfahrensschritt in die Psychotherapie-Richtlinie aufgenommen werden kann. Der Antrag darauf war bereits im Februar 2013 gestellt worden, der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie setzte sich bereits vor zehn Jahren für die Anerkennung ein. Dieses Verfahren rund um die Methodenbewertung in der Psychotherapie gehört zu den Beratungen im G-BA, das am deutlichsten die vorgeschriebene Dauer überschreitet.

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„Bevor Patientinnen und Patienten die systemische Therapie als GKV-Leistung in Anspruch nehmen können, müssen Einzelheiten zur praktischen Anwendung geregelt werden, beispielsweise auch zum Behandlungsumfang“, erklärte Monika Lelgemann, unparteiisches G-BA-Mitglied und Vorsitzende der beiden zuständigen Unterausschüsse Methodenbewertung und Psychotherapie, in einer Mitteilung im Anschluss an die Sitzung. „Wir gehen davon aus, dass dies innerhalb des nächsten Jahres abgeschlossen ist“, so Lelgemann.

Auch der unparteiische Vorsitzende Josef Hecken warnte, nun keine weiteren Zeitverzögerungen mehr zulassen zu wollen und zur Not von seinem gesetzlich zulässigen Steuerungsrecht Gebrauch zu machen. „Ich gebe ausdrücklich zu Protokoll, dass wir in den nächsten sechs Monaten große weitere Schritte gehen und in einer Frist von neun Monaten in die Nähe einer Finalisierung kommen. Das halte ich für machbar“, so Hecken nach der Plenumsentscheidung.

Damit wandte er sich vor allem an die Vertreter der Krankenkassen, die der Anerkennung des Nutzens und der medizinischen Notwendigkeit nicht zugestimmt hatten. Sie plädierten viel mehr für weitere Erprobungsstudien, die etwa drei bis vier Jahre dauern würden, um herauszufinden, welche Verfahren und Krankheitsbilder sich für eine systemische Therapie eignen.

„Wir haben es hier ja nicht mit seltenen Erkrankungen zu tun, sondern mit Krankheitsbildern, für die es bereits sehr viele differenzierte Behandlungsangebote gibt“, so Bernhard Egger vom GKV-Spitzenverband in seiner Argumentation. Während die Krankenkassen gegen die Anerkennung stimmten, votierten die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sowie die drei Unparteiischen des G-BA für eine Anerkennung. Auch die nicht stimmberechtigten Patientenvertreter sprachen sich für den Beschluss aus.

Vertreter von Patientenorganisationen sowie betroffenen Psychotherapeuten begrüßten die Entscheidung ausdrücklich. „Die Anerkennung der systemischen Therapie durch den G-BA ist eine gute Nachricht für die Patientinnen und Patienten in Deutschland. Das Angebot einer kassenfinanzierten systemischen Therapie bringt eine wichtige Verbesserung des psychotherapeutischen Behandlungsangebotes“, betonte Björn Enno Hermans, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF).

„Wir begrüßen es, dass erstmals nach 31 Jahren wieder ein hoch wirksames Psychotherapieverfahren vor der Aufnahme in den Leistungskatalog der Krankenkassen steht“, erklärte Ulrike Borst, Vorsitzende der Systemischen Gesellschaft.

Bei einer systemischen Therapie werden zusätzlich zu einem oder mehreren Patienten („Indexpatienten“) weitere Mitglieder des für den Patienten bedeutsamen sozialen Systems einbezogen. Die Therapie fokussiert auf die Interaktionen zwischen Mitgliedern der Familie oder des Systems und deren weitere soziale Umwelt.

Sie sieht wechselseitige intrapsychische (kognitiv-emotive) und biologisch-somatische Prozesse sowie interpersonelle Zusammenhänge von Individuen und Gruppen als wesentliche Aspekte von Systemen an. Die Elemente der jeweiligen Systeme und ihre wechselseitigen Beziehungen sind die Grundlage für die Diagnostik und Therapie von psychischen Erkrankungen.

Die systemische Therapie wird mit Aufnahme in die Psychotherapie-Richtlinie – zusammen mit der Verhaltenstherapie, der tiefenpsychologisch fundierten Therapie und der analytischen Psychotherapie – das vierte Psychotherapieverfahren sein, das im Rahmen der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung erbracht werden kann. © bee/aerzteblatt.de

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