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Medizin

Hautscanner erkennt Risiko auf Typ-2-Diabetes und Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen

Freitag, 23. November 2018

/Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Groningen – Ein Scanner, der die vermehrte Ablagerung von Advanced Glycation Endproducts (AGE) in der Haut an einer veränderten Autofluoreszenz erkennt, hat in einer prospektiven Kohortenstudie in Diabetologia (2018: doi: 10.1007/s00125-018-4769-x) Menschen mit einem erhöhten Risiko auf Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erkannt.

AGE sind irreversible chemische Verbindungen zwischen Kohlenhydraten und Proteinen, die sich im Verlauf des Lebens in den meisten Geweben bilden, so auch in der Haut. Dort können sie nicht-invasiv mit einem kleinen Gerät nachgewiesen werden, das ein Hersteller aus den Niederlanden entwickelt hat. Der Scanner nutzt die Tatsache, dass die AGE die Autofluoreszenz der Haut verändern. Das Gerät sendet Lichtstrahlen und misst die dadurch in der Haut erzeugte Fluoreszenz. Die Untersuchung ist innerhalb von einer Minute abgeschlossen.

Forscher der Universität Groningen haben das Gerät im Rahmen der Dutch Lifelines Cohort Study eingesetzt. Die Studie begleitet 167.000 Menschen aus dem Norden der Niederlande, um Ursachen für die unterschiedliche Alterung von Menschen zu ermitteln.

Bei der ersten Untersuchungsserie zwischen 2007 und 2013 wurde auch die Hautautofluoreszenz gemessen. Ein Team um Bruce Wolffenbuttel hat die Ergebnisse von 72.880 Menschen ausgewertet, die zu Beginn der Studie noch frei von kardiometabolischen Erkrankungen waren.

AGE-Ablagerung dient auch als Prädiktor für das Sterberisiko

In einer Nachbeobachtungszeit von median 4 Jahren entwickelten 1.056 Teilnehmer (1,4 %) einen Typ 2-Diabetes. Insgesamt 1.258 Patienten (1,7 %) berichteten, dass sie einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder ein anderes Herz-Kreislauf-Ereignis erlitten hatten, weitere 928 Personen (1,3 %) waren gestorben.

Die Hautautofluoreszenz erwies sich als wichtiger Prädiktor dieser Ereignisse. Die Zunahme um eine Einheit war mit einem 2,7-fach erhöhten Risiko auf einen Typ-2-Diabetes verbunden (Odds Ratio 2,74; 95-%-Konfidenzintervall 2,44 bis 3,07). Das Risiko auf ein Herz-Kreislauf-Ereignis war mehr als 3-fach (Odds Ratio 3,25; 2,93-3,60) und das Sterberisiko sogar 5-fach (Odds Ratio 5,10; 4,56-5,70) erhöht.

Ein Teil des erhöhten Risikos ließ sich auf bekannte Risikofaktoren wie Adipositas, metabolisches Syndrom oder einen erhöhten Blutzucker (Glucose und HbA1c) zurückführen. Aber selbst nach Berücksichtigung dieser Faktoren war das Risiko auf Typ-2-Diabetes (Odds Ratio 1,26; 1,06-1,48) Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Odds Ratio 1,33; 1,16-1,54) und Tod (Odds Ratio 1,96; 1,69-2,28) noch erhöht. Die Ablagerung der AGE war damit ein unabhängiger Risikofaktor für kardiometabolische Erkrankungen.

Die Bestimmung der Hautautofluoreszenz ist einfach. Der Unterarm muss dafür nur kurzzeitig auf den AGE-Scanner gelegt werden. Ein Screening könnte nach Einschätzung von Wolffenbuttel auch in nicht-medizinischen Umgebungen wie Supermärkten, Apotheken oder Drogerien durchgeführt werden.

© rme/aerzteblatt.de

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