NewsPolitikGrüne schlagen Verknüpfung von Organspende mit Behördengängen vor
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Grüne schlagen Verknüpfung von Organspende mit Behördengängen vor

Montag, 26. November 2018

/Alexander Raths, stockadobecom

Berlin – Die Grünen wollen das Thema Organspende mit Behördengängen zu Passangelegenheiten verbinden. In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schrieb Parteichefin Annalena Baerbock, die Diskrepanz zwischen der Bereitschaft zur Organspende und den wenigen Spenden müsse verringert werden. Dabei wandte sie sich zugleich gegen den Vorschlag von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU), eine Widerspruchsregelung einzuführen.

„Bei solch einer persönlichen Entscheidung sollte die Politik nicht anmaßend sein“, schrieb Baerbock. Eine Widerspruchsregelung wäre „ein starker Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht jedes Einzelnen“. Sie plädierte stattdessen dafür, es sollte ein Gespräch über Organspende geben, wenn Bürger ihren neuen Ausweis oder Reisepass beantragen.

Anzeige

„Holt die Person den Ausweis ab, müsste sie sich dann entscheiden: Möchte sie alle oder einzelne Organe spenden, möchte sie dies explizit nicht oder aktuell darüber noch nicht entscheiden – und wer soll im Unglücksfall darüber entscheiden“, schrieb Baerbock. Sie schlug zudem vor, die Angaben in einem verbindlich einzurichtenden Organspendenregister zentral zu vermerken.

Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) hat unterdessen den Anstieg der Zahl der Organspenden in Deutschland als „gute Neuigkeiten“ bezeichnet. Unter anderem die wichtige Debatte um neue Organspende-Regeln brächten viele Menschen dazu, sich mehr mit dem Thema auseinander zu setzen.

Die Zahl der Spender ist nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation bis Mitte November auf 832 gestiegen. Das sind mehr als im gesamten Vorjahr, als es einen Tiefstand von 797 gab. Nach derzeitigem Stand zeichne sich für 2018 eine Rate von mehr als 11 Spendern pro eine Million Einwohner ab – nach 9,7 im vergangenen Jahr.

Um zu mehr Organspenden zu kommen, hat die Bundesregierung ein Gesetz für bessere Bedingungen in den Krankenhäusern auf den Weg gebracht. Kernpunkte sind höhere Vergütungen durch die Krankenkassen und mehr Freiraum für Transplantationsbeauftragte in den Kliniken. An Mittwoch will der Bundestag in einer offenen Debatte über mögliche Neuregelungen für Spenden diskutieren.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Spahn wirbt für eine Umstellung auf eine doppelte Widerspruchslösung. Das bedeutet, dass automatisch jeder als Spender gilt. Dazu soll man aber zu Lebzeiten ausdrücklich Nein sagen können, ansonsten sind – als doppelte Schranke – noch Angehörige zu fragen. Bisher gilt das umgekehrte Prinzip, wonach Organentnahmen nur bei ausdrücklich erklärter Zustimmung erlaubt sind. © dpa/afp/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

16. Mai 2019
Berlin – Über eine Reform der Organspende will das Parlament in der ersten Juniwoche beraten. Das kündigte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach heute vor der Presse an. Zur Debatte stehen zwei
Bundestag will Anfang Juni über Organspende beraten
15. Mai 2019
Berlin – Fast zwei Drittel der Deutschen wären Organspender, wenn sie diesen Status automatisch von Geburt an hätten. Aktuell besitzen gerade einmal 36 Prozent der Bundesbürger einen
Mehr als 60 Prozent der Deutschen wären bei Widerspruchslösung Organspender
13. Mai 2019
Passau – In der Debatte um eine Reform bei der Organspende spricht sich offenbar die relative Mehrheit der CSU-Mitglieder für den Vorschlag von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) aus. Nach der
Unterstützung in der CSU für Widerspruchslösung
9. Mai 2019
Berlin – Mit einer Kampagne wollen Politiker, Prominente und Mediziner für die Einführung der Widerspruchslösung bei der Organspende werben. Im Rahmen des Bündnisses „Leben spenden“ hat die ehemalige
Prominente werben für Widerspruchslösung bei Organspenden
8. Mai 2019
Essen – Der Direktor der Chirurgie an der Essener Universitätsklinik ist endgültig vom Vorwurf entlastet, für medizinisch nicht notwendige Lebertransplantationen und den Tod eines Patienten
Ermittlungen gegen Chirurgen der Uniklinik Essen eingestellt
7. Mai 2019
Passau – Das Modell einer Entscheidungslösung, das gestern eine Abgeordnetengruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock, vorgelegt hatte, stößt beim SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach auf Skepsis.
Lauterbach glaubt nicht an Erfolgschance von Entscheidungslösung
6. Mai 2019
Berlin – In der Debatte um eine Neuregelung der Organspende in Deutschland gibt es seit heute einen zweiten Gesetzentwurf. Eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten aus Union, SPD, FDP, Linken und Grünen
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER