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Medizin

Hantavirus: Antikörper von Überlebenden könnten vor Infektion schützen

Montag, 26. November 2018

Hantavirus unter dem Elektronenmikroskop/ dpa

Concepción/Chile – Ein internationales Forscherteam hat im Blut eines Überlebenden einer Hantavirus-Infektion 2 Antikörper entdeckt, die möglicherweise vor dem Aus­bruch der tödlichen Erkrankung schützen. Eine rekombinante Version der beiden Antikörper wurde laut einem Bericht in Science Translational Medicine (2018; doi: 10: eaat6420) erfolgreich an Hamstern getestet.

Hantaviren sind weltweit verbreitet. Die Erreger werden von infizierten Nagetieren über Speichel, Urin und Kot ausgeschieden und können auf den Menschen übertragen werden. Infektionen sind in Deutschland relativ selten – auch wenn im Jahr 2017 ein Anstieg auf 1.713 Meldungen zu verzeichnen war. Die Infektion mit den in Deutschland verbreiteten Viren der Dobrava- und der Puumala-Gruppe verläuft selten tödlich.

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Ganz anders ist die Situation in den Andenregionen Südamerikas. Das dort verbreitete Hantavirus kann ein schweres kardiopulmonales Syndrom auslösen, das bei 30 bis 40 % der Patienten tödlich endet. Das Anden-Hantavirus ist außerdem als einziges von Mensch zu Mensch übertragbar. Gefährdet sind vor allem Angehörige und das medizinische Personal.

Passiv-Immunisierung erscheint sinnvoller als aktive Impfung

Medikamente, die die Ausbreitung des Virus im Körper stoppen könnten, gibt es nicht. Ein Impfstoff wurde bisher nicht entwickelt. Sein Einsatz und Nutzen in größerern Bevölkerungskreisen wäre fraglich, da die Erkrankung insgesamt selten ist. Sinnvoller erscheint eine passive Immunisierung, die Patienten nach einer Infektion vor dem Ausbruch der Erkrankung schützt.

Ein Team um Maria Barria von der Universität in Concepción/Chile hat in einer Gruppe von 27 Erwachsenen, die eine Hantavirus-Erkrankung überstanden hatten, nach schützenden Antikörpern gesucht. Bei einem Patienten wurden 2 Antikörper gefunden, die in der Lage waren, die Viren zu neutralisieren. Die Forscher isolierten und klonierten die B-Zellen des Patienten, die diese Antikörper produzieren. Es gelang ihnen, das Gen für den Antikörper zu isolieren und in embryonale Nierenzellen (HEK-293) einzubauen. Damit wurde es möglich, den Antikörper in Zellkulturen in ausreichender Menge für erste tierexperimentelle Tests zu produzieren.

Eine Gruppe von Hamstern wurde mit dem Anden-Hantavirus infiziert. 3 bis 8 Tage später wurden die Tiere mit den beiden Antikörpern in verschiedenen Dosierungen behandelt. Alle Tiere überlebten die Infektion, während in einer Kontrollgruppe alle Tiere an der Infektion starben. Die spätere Untersuchung ergab, dass die beiden Antikörper tatsächlich die Vermehrung der Viren im Körper der Hamster gestoppt und so den Ausbruch der Erkrankung verhindert hatten.

Die Antikörper binden an Glykoproteinen auf der Oberfläche der Hanta-Viren. Diese Glykoproteine sind bei verschiedenen Vertretern der Hantaviren ähnlich. Es besteht deshalb die Möglichkeit, dass die Behandlung auch vor Infektionen mit anderen Hantaviren schützen könnte.

Im nächsten Schritt wollen die Forscher weitere Laborversuche und tierexperimentelle Studien durchführen. Eine klinische Erprobung am Menschen ist derzeit nicht geplant. © rme/aerzteblatt.de

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