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Medizin

Arme sterben in England fast zehn Jahre früher

Montag, 26. November 2018

Zwei Männer sitzen auf zwei unterschiedlich hohen Münzstapeln. /maccc, stock-adobe.com
/maccc, stock-adobe.com

London – Die Lücke in der Lebenserwartung zwischen den reichsten und den ärmsten Gegenden Englands hat seit Anfang des Jahrhunderts deutlich zugenommen. Männer aus den ärmsten Gegenden sterben laut einer Studie in Lancet Public Health (2018; doi: 10.1016/S2468-2667(18)30214-7) 9,7 Jahre früher als in wohlhabenden Orten. Bei den Frauen beträgt der Unterschied 7,9 Jahre.

England ist seit jeher eine stark segregierte Gesellschaft. Menschen mit geringem Einkommen leben geografisch strikt von Menschen getrennt, denen es finanziell besser geht. Die Statistikbehörde hat das Land in 32.844 LSOA („Lower Super Output Areas“) eingeteilt. Mit einem „Index of Multiple Deprivation“, der verschiedene Faktoren wie Einkommen, Beschäftigung, Gesundheit/Behinderung, Bildung, Bevölkerungsdichte, Kriminalität und Lebensumfeld bewertet, misst den sozioökonomischen Status der dortigen Bevölkerung. Ein Team um Majid Ezzati vom Imperial College London hat die Daten mit der Lebensdauer von 7,65 Millionen Einwohnern in Beziehung gesetzt, die zwischen 2001 und 2016 gestorben sind.

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Unterschiede zwischen Arm und Reich nehmen zu

Ergebnis: Die Differenz in der Lebenserwartung zwischen den wohlhabendsten und den am stärksten benachteiligten Regionen des Landes ist seit 2001 von 6,1 auf 7,9 Jahre für Frauen und von 9,0 auf 9,7 Jahre für Männer gestiegen.

In den ärmsten LSOA starben Frauen 2016 durchschnittlich im Alter von 78,8 Jahren gegenüber 86,7 Jahren in den reichsten Gegenden. Bei den Männern waren es 74,0 Jahre gegenüber 83,8 Jahren.

Die ärmere Bevölkerung hatte nicht nur einen geringeren Anteil am Anstieg der Lebenserwartung. Bei den Frauen ist die Lebenserwartung seit 2011 sogar um 0,24 Jahre gesunken.

In den deprivierten Regionen gehen durch eine höhere Kindersterblichkeit bei Frauen im Durchschnitt 0,3 Lebensjahre und bei Männern 0,4 Jahre verloren. Todesfälle an Krebserkrankungen der Lungen und der Verdauungsorgane führen zu einem Verlust von 1,2 beziehungsweise 1,4 Jahren. Atemwegserkrankungen schlagen mit 1,6 und 1,5 Jahre zu Buche. Auch ischämische Herzkrankheit (0,8 und 1,5 Jahre) und Demenz­erkrankungen (0,5 und 0,3 Jahre) verkürzen in ärmeren Gegenden die durchschnittliche Lebenserwartung.

Die Kluft ist erstaunlich, da England mit dem steuerfinanzierten National Health Service für alle Einwohner eine kostenlose Gesundheitsversorgung anbietet. Ezzati vermutet die Ursachen für die erhöhte Mortalität auf der Ebene der Krankheits­prävention und der Lebensführung. Risikofaktoren wie Tabakrauchen, Alkoholkonsum und eine ungesunde Ernährung seien in der ärmeren Bevölkerung häufiger. Beim Rauchen in der Schwangerschaft gebe es sogar einen zehnfachen Unterschied.

Der Lebensstil seien nicht immer eine freie Wahl, da die Kosten für gesunde Lebensmittel stark angestiegen seien. Auch Präventionsangebote würden seltener angenommen. So würden Krebserkrankungen bei ärmeren Menschen häufig in einem späteren Stadium diagnostiziert.

© rme/aerzteblatt.de

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