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Medizin

Aufmerksamkeits­defizit-Hyperaktivitätsstörung hat genetische Verwandte

Dienstag, 27. November 2018

Während im Kindesalter vor allem Jungen wegen ADHS in Therapie sind, gleicht sich das Geschlechterverhältnis später aus.  /dpa

Boston – Eine internationale Forschergruppe hat erstmals genetische Varianten identifiziert, die das Risiko auf die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) erhöhen. Die gleichen Genvarianten waren laut der Publikation in Nature Genetics (2018; doi: 10.1038/s41588-018-0269-7) mit einer Reihe anderer Erkrankungen und Persönlichkeitsmerkmalen verbunden.

Etwa 5 % der Kinder und 2,5 % der Erwachsenen leiden an einer ADHS. Die Erkrankung wird nach den Ergebnissen aus mehr als 30 Zwillingsstudien zu 70 bis 80 % vererbt. In früheren Studien war es nicht gelungen, die dafür verantwortlichen Gene zu identi­fizieren. Ein internationales Forscherteam um Benjamin Neale vom Broad Institute in Boston war jetzt erfolgreicher. In einer genomweiten Assoziationsstudie hatten sie das Erbgut von mehr als 20.000 Menschen mit ADHS und 35.000 Personen ohne ADHS verglichen.

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Auf 12 Regionen des Erbguts wurden zahlreiche Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP) identifiziert. Sie fanden sich teilweise in der Nähe oder auf Genen, deren gestörte Funktion einige Symptome und Folgen der ADHS plausibel erklären könnten.

Beispiele neu entdeckter Genvarianten

Das bekannteste Gen ist FOXP2 auf dem Chromosom 7. Es kodiert einen Transkriptions­faktor, der die Bildung von Synapsen fördert. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass FOXP2 von entscheidender Bedeutung für den Spracherwerb ist. Der Sprach­erwerb bei Kleinkindern mit ADHS ist häufig verzögert.

Auf dem Chromosom 11 befindet sich das Gen SORCS3. Es enthält die Information für einen Rezeptor auf der Oberfläche von Nervenzellen, der für die Entwicklung des Gehirns und seine Plastizität von Bedeutung ist. Viele Forscher deuten die AHDS als eine Entwicklungsstörung des Gehirns.

Das Gen DUSP6 auf dem Chromosom 12 kodiert ein Enzym, das die Dopamin-Konzentration in den Synapsen beeinflusst. Dopamin ist ein wichtiger Ansatzpunkt in der Therapie. Das am häufigsten eingesetzte Medikament Methylphenidat ist ein Dopamin/Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer.

SEMA6D soll von Bedeutung für die embryonale Entwicklung und die neuronale Verdrahtung des Gehirns sein. ST3GAL3 auf dem Chromosom 1 könnte sich auf die intellektuelle Entwicklung auswirken. LINC00461 und MEF2C-AS1 auf dem Chromosom 5 sollen ebenfalls die schulischen Leistungen beeinflussen.

Die gefundenen Genvarianten könnten nach Berechnungen der Forscher 21 % der genetischen Prädisposition erklären.

SNPs könnten weitere Zusammenhänge erklären

Die gleichen Genvarianten, die das Risiko auf eine ADHS beeinflussen, waren mit mehr als 200 Erkrankungen und Charaktereigenschaften assoziiert. Dazu gehört eine erhöhte Neigung zu Depressionen oder zu neurotizistischen Persönlichkeitsmerkmalen. Die SNP, die eine Anorexie begünstigen, scheinen dagegen eher vor einem AHDS zu schützen. Menschen mit ADHS hatten häufiger Genvarianten, die in anderen Untersuchungen mit einem schlechten Abschneiden in Intelligenztests und geringen Leistungen in Schule und Studium verbunden waren.

Es scheint auch eine Verbindung mit Gewichtsproblemen und einem Typ 2-Diabetes zu geben. Menschen mit ADHS sind nach den Ergebnissen der Studie auch anfälliger für den Zigarettenkonsum. Auch das Familienleben wird durch die Erkrankung beeinflusst: Menschen mit ADHS bekommen früher Kinder und ihre Familien sind häufig kinderreich. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #749369
Ambush
am Mittwoch, 28. November 2018, 16:25

ADHS bei Essstörungen , auch gerade eben bei Anorexie

die häufigen Kommentare bitte ich zu entschuldigen, jedoch sollte der Verweis auf einen vermeintlich schützenden Effekt von ADHS gegen Anorexie nicht unbeantwortet und unwidersprochen belassen werden:

dort wird exakt das Gegenteil ausgeführt: https://www.youtube.com/watch?v=W27G1djHj4s

hier auch: https://steemit.com/adhs/@nightshadow1217/adhs-auf-der-intensivstation-eine-begegnung
und darin auch:

https://adhsspektrum.wordpress.com/tag/essstorungen/

http://www.spiegel.tv/videos/140142-leben-mit-adhs

in sehr hoher Anteil der Anorexie-Patientinnen hat primär ADHS
Avatar #749369
Ambush
am Mittwoch, 28. November 2018, 15:47

ADHS laut Kennern in der Versicherungsbranche die teuerste Krankheit bzw. Konstitution überhaupt

Allein schon wegen der hohen Quantität aber auch im Verbindung mit den hohen volkswirtschaftliche Kosten durch das jeweilige Individuum... so etwa der ungesunde Lebensstil: https://de-de.facebook.com/Aufmerksam.fuer.Menschen/posts/2051240818274665?__xts__%5B0%5D=68.ARB2VboKjFdP-Gk4C1fOKAzx8ig2xH83PItoHAT94gDm8PQgr66GOFOSJa5MPxK7nQhTxJ8WxfM_Q0dQskUVz2v5ktoLVw7fWj1GDbVHp1jBtvDAsIJYBVhDRmrVG7gs4Hjgt94rP3nw-_BTBkZmhGzobrq8X4azaepqQKjTBaxdYCXlteYwBnoO5hbhNYgRPOnI_-3Q2HjwrO2SSOkZxgFsOJmjvxQUWXuC15-gUCf4bTXq5A218QAlDXghN3oiltS4HtN2v_Kg3jpPiOD8Cvk7v5Xze2iiip5l-Z2LIsWlnyDVtIYWlTLETVLf9-kFnRXwAnBF0FRHBPkmGwOd4gyOeQ&__tn__=K-R aber auch die häufigen Unfälle im Kindes- aber auch Erwachsenenalter (dass ich selbst nicht vor dem 10. Lebensjahr gestorben bin bzw. schwerst verletzt wurde, war reines Glück) plus z.B. auch die hohe Raten an Teenager-Schwangerschaften bei ADHS : Häufig beobachtet ist ein früherer Beginn sexueller Aktivität im durchschnittlichen Alter von 15 bis 16 Jahren bei beiden betroffenen Geschlechtern. Studien von Barkley und Murphy weisen zudem auf dreimal häufiger wechselnde Sexualpartner (Promiskuität) hin.[10]
Eine auffallend hohe Rate an unerwünschten Schwangerschaften wurde unter den weiblichen ADHS-Betroffenen festgestellt (38 % versus 4 %). Da gemäß der Studie Verhütungsmaßnahmen gehäuft mangelhaft waren, leiten die Autoren für ADHS-Betroffene zudem ein viermal höheres Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten ab.[11] Aus einer Rostocker Untersuchung aus dem Jahr 2003 geht hervor, dass mehr als die Hälfte der Kinder unter 18-jähriger Mütter mit einer ADHS-Diagnose nach ICD-10 geführt wurden, von den Kindern der unter 20-jährigen Mütter etwa 50 %.[11] ausführlich nachlesbar hier: https://www.adhspedia.de/wiki/Sexualität und last but not least ADHS in der JVA : https://www.adhspedia.de/wiki/Kriminalität_und_ADHS dazu ein kurzer Auszug aus dem Link: "ADHS und Strafvollzug
Expertenschätzungen gehen von einer ADHS-Quote von 30 % - 50 % in deutschen Jugendstrafanstalten und bis zu 30 % unter den erwachsenen Inhaftierten aus.[11] Studien zeigen, dass sich inhaftierte mit ADHS im Vollzug häufig negativer entwickeln und häufiger rückfällig werden[12]. Eine Behandlung in Gefangenschaft gestaltet sich diffizil, eine abgesicherte Diagnostik ist schwierig durchzuführen. Im Strafvollzug fehlt zudem neben der Möglichkeit einer Durchführung evaluierter Behandlungsprogramme die Unterstützung des sozialen Umfelds. Insgesamt sind die Resozialisierungsmaßnahmen für ADHS-Betroffene in der Praxis momentan magelhaft, sodass die Entwicklungsprognose für die Betroffenen in der Regel negativ ist. "

Die Gesellschaft hat somit ein Interesse , sich der ADHS-Thematik bzw. eben auch -Problematik intensiver zu widmen, volkswirtschaftlich und kulturell bzw. was das Zusammenleben in Deutschland angeht...

Avatar #749369
Ambush
am Mittwoch, 28. November 2018, 12:25

Genetik und Evolutionäre Anthropologie von ADHS

und insgesamt noch ein paar Dinge zum Abschluss:

Man muss dazu noch sagen, dass bei einem Geschlechterverhältnis von in Wahrheit 1:1 und einer Persistenz von zumindest einer Restsymptomatik in in Wahrheit 100% der Fälle die Prävalenz von ADHS in Deutschland bis zu 10% der Bevölkerung beträgt.

Natürlich ist ADHS nicht Alles-oder-Nichts, sondern eine dimensionale wie auch eine kategoriale Angelegenheit, d.h. es gibt ganz leichte und ganz schwere Fälle und es gibt auch bei ca. gleichem Schweregrad Unterschiede auch in der Neurobiologie. Zudem KÖNNEN (nicht müssen) FAST alle anderen Störungen der Psychiatrie bei ADHS als Komorbidität vorkommen. Z.B. wird geschätzt, dass mehr als 1/3 der Patienten mit Schizoaffektiver Störung / Schizophrenie ebenfalls ADHS hat, bei Depression, “Burnout”, Borderline, Alkoholismus, Bipolare Störung ( Kurt Cobain hatte Bipolare Störung und parallel dazu ADHS ) etc. ist es ähnlich.

Der angeborene Part bei den multifaktoriellen Erklärungsmodellen zur Pathogenese Psychischer Erkrankungen geht auch mehr und mehr zu den Hirnentwicklungsstörungen und ADHS ist die mit Abstand häufigste Hirnentwicklungsstörung aufgrund der evolutionären Vorteile, die ADHS-Gene bzw. mitunter auch phänotypisch manifestes ADHS haben können.

Zur überlappenden Genetik der verschiedenen Hirnentwicklungsstörungen gab es aktuell eine vielbeachtete Publikation:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29930110

bzw. hier ein Teil der journalistischen Berichterstattung darüber:

https://www.spektrum.de/news/psychische-stoerungen-sind-teils-eng-verwandt/1572184

der quantitative Champion unter diesen Hirnentwicklungsstörungen ist jedoch ADHS , eben aufgrund der evolutionären Vorteile , die mit ADHS-Genen bzw. mit etwas weniger auch phänotypisch manifestem ADHS einhergehen.

Das Thema Evolution und ADHS fassen folgende Sätze des deutschlandweit führenden Genetikers (und auch einer der weltweit führenden Genetiker) zu ADHS Prof. Klaus-Peter Lesch von der Psychiatrie der Uniklinik Würzburg zusammen:”…Früher vermuteten die Forscher, einige wenige Gene würden ADHS auslösen; doch das trifft, wenn überhaupt, nur auf ganz wenige Familien zu. Für die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung gilt: Vermutlich sind es 500 bis 1000 Gene, die einen – jeweils minimalen – Einfluss auf das Temperament und die Konzentrationsfähigkeit des Menschen haben. Diese sind mithin auch keine Krankheitsgene, vielmehr gehören sie zur natürlichen Ausstattung des Menschen. “ADHS ist ein Extrem einer Persönlichkeitsvariante, das zunächst einmal gar keinen Krankheitswert besitzt”, bestätigt auch Klaus-Peter Lesch. Diese milden Ausprägungsformen von ADHS seien in einem Fünftel der Bevölkerung vorhanden und hätten sich im Laufe der Evolution des Homo sapiens immer wieder als vorteilhaft durchgesetzt. Lesch: “Der hohe Energiepegel, der Enthusiasmus, sich mit einer Sache auseinanderzusetzen, die große Kreativität, die Fähigkeit zum Querdenken und der Gerechtigkeitssinn – all das sind Ressourcen, die für unsere Gesellschaft wichtig sind.” zu finden in dem Artikel des ADHS-Gegners Jörg Blech im Spiegel: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-99311928.html

Der evolutive Vorteil von ADHS-Genen ist im Ausmaß abhängig von den Umweltbedingungen. So gibt es Länder, Ethnien und Kulturen, die ADHS-Gene und ADHS evolutiv begünstigen (während andere es entsprechend benachteiligen). So erklären sich auch die in Wahrheit weltweit deutlich unterschiedlichen Prävalenzen von ADHS, die macherorts wahrscheinlich ein Mehrfaches der bis zu 10% in Deutschland erreichen. Zusätzlich zum Faktor evolutive Selektion kommt dann bei den ADHS-Prävalenzen noch der Faktor geographische Isolation hinzu, so auch betrffend wahrscheinlich die Inseln bzw. Inselgruppen Island, Kreta und Japan .
Dass die Umweltbedingungen des 21. Jahrhunderts ADHS verstärkt von der Latenz in den sichtbaren Bereich rücken, versteht sich ebenfalls.
So viel zur Evolutionären Anthropologie der ADHS.
Was die Akzeptanz von ADHS erschwert, ist der sperrige Begriff aus 4 Großbuchstaben. Der Begriff “Autismus” (hier noch erwähnenswert: bis zu ca. 50% der Patienten mit Asperger sollen ebenfalls ADHS haben) z.B. ist viel weniger sperrig und flüssiger.
Es wird mitunter von ADHS-Gegnern diverser Couleur argumentiert, dass sich hinter ADHS diverse andere Psychische Störungen verbergen können und es ADHS somit quasi gar nicht gäbe. Die Wahrheit ist viel eher: Hinter FAST allen anderen Diagnosen in der Psychiatrie KANN sich ADHS als kausale oder komorbide Störung verbergen. So auch z.B. die Prognose von Russel Barkley , dem weltweit renommiertesten Wissenschaftler zu ADHS , dass sich das ADHS-Spektrum irgendwann einmal als das zentrale Thema in der Psychiatrie insgesamt herausstellen wird.

Wenn nun argumentiert wird: “Patient X kann gar kein ADHS haben, der will nur Stoff zum Hirndoping” , so sei auf die hiermit ausgeführte hohe Relevanz von ADHS auch gerade quantitativ verwiesen.

Ein Vorwurf, der sich in weiten Kreisen , darunter leider auch Ärzte , leider immer noch hält, ist, ADHS sei eine westliche Wohlstandskrankheit im verweichlichten 21. Jahrhundert, dazu empfehle ich diese BBC-Dokumentation über ADHS in Ägypten:

https://www.youtube.com/watch?v=W-avhR0Vohg

nebenbei ist ADHS im arabischen Raum alles andere als selten:
http://english.alarabiya.net/en/life-style/healthy-living/2015/01/03/Saudi-Arabia-15-of-children-have-ADHD-.html

in der Türkei genau so wenig:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26002410
( “…Our results confirmed a substantially higher ADHD prevalence rate (more than double) than the suggested pooled worldwide prevalence…”)

ADHS ist also keineswegs ein westliches Wohlstandsproblem…

oder Thailand: http://englishnews.thaipbs.or.th/1-million-thai-children-suffer-adhd/ etc. etc.

Und früher gab es keinen Elektrosmog, genau, da hat man die ungezogenen Kinder eben gezüchtigt, gebrochen und dadurch sind sie alle was Ordentliches geworden. Nebenbei war zu dieser Zeit die Selbstmordrate ca. 3 mal so hoch wie heute, die Psychiatrie erinnerte teilweise tatsächlich irgendwie an “Shutter Island” und früher war alles besser. ADHS gab es aber auch schon früher und zwar sehr viel früher:

Die bisher älteste bekannte kulturhistorische Schilderung von ADHS findet sich nicht erst im Struwwelpeter von 1844, sondern bereits um 250 v. Chr. in einer Ode von Herondas . Dort klagt eine Mutter über einen Jungen, der ihr den letzten Nerv raubt, nicht richtig lesen kann, die Tafel mehr verkratzt, als schön darauf zu schreiben, keine Hausaufgaben macht, mühsam Gelerntes schnell wieder vergisst, überall herumturnt, ständig irgendwelchen Blödsinn macht und falsche Freunde hat.

ADHS gibt und gab es seit Anbeginn der Menschheit, und auch schon zuvor, bei Tieren, gab und gibt es Äquivalente von ADHS – so z.B. den Zappelhund, der nur Gassi gehen kann, wenn er das Ritalin vom Herrchen frisst und spezielle “Persönlichkeiten” bzw. “Typen” bei Schimpansen . In der ADHS-Forschung wird auch sehr viel am Tier-Modell geforscht.

Das die komplexe Realität etwas simplifizierende Modell der Jäger und Sammler in einer Gesellschaft von sesshaften Bauern, auch damit wird ADHS beschrieben.



“Früher” gab es natürlich genau so viele Fälle von ADHS , wie heute. Das fiel aber zum einen in der Tat weniger auf oder entsprechende Person wurde als “einfach nur dumm” abgestempelt (was nicht heißt, das es nicht unzählige Personen gibt, die tatsächlich dumm sind, und es gibt sogar dumme Personen mit ADHS bei einer annähernd normalverteilten Intelligenz bei ADHS ) zum anderen ist die Sozialisation mit ADHS in einer Großstadt wie Berlin oder Seoul im 21. Jahrhundert mit Smartphone und Cybermobbing natürlich in der Tat bei ADHS eher suboptimal. Das bedeutet aber lediglich, das sich ADHS dadurch von der Latenz ins Pathologische und damit stärker Sichtbare verschiebt.

Ein Beispiel von ADHS , das als Kind übersehen wurde, weil das unbekannt war, ist Noah Gordon :

Und das ADHS eben nicht einfach mit dem 18. Lebensjahr verschwindet, sondern bis zum Lebensende besteht, sieht man z.B. am Medicus-Autor Noah Gordon, der erst im Alter von 70 Jahren mit ADHS diagnostiziert wurde: http://www.noz.de/deutschland-welt/kultur/artikel/803168/medicus-autor-noah-gordon-wird-90-jahre-alt “Nur wenige Fans der ab 1986 erschienenen „Medicus“-Trilogie, die die Medizinerdynastie der Familie Cole im Mittelalter beschreibt, werden von der Tortur wissen, der Gordon sich beim Schreiben unterziehen musste. Wegen einer erst im Alter von 70 Jahren diagnostizierten Aufmerksamkeitsdefizit-Störung (ADHS) quälte Gordon sich oft über Stunden, um klare Gedanken zu fassen und zu Papier zu bringen. „Eine Fülle, ein Überangebot schneller Gedanken“ sei ihm dabei durch den Kopf gerauscht, sodass er sich übermäßig stark konzentrieren musste, um gedanklich überhaupt bei einem Thema zu bleiben. “

Spätere Generationen von Ärzten werden sich fragen warum neue Erkenntnisse jahrzehntelang ignoriert werden konnten. Wie bei Semmelweiss. Siehe auch Semmelweissreflex. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Semmelweis-Reflex , ich habe das Gefühl , der nächste Fall oder das Pendant heute von Kindsbettfieber wie bei Semmelweis , das ist ADHS

ADHS ist zunächst mal keine Krankheit , sondern eine je nach Schweregrad Konstitution, Persönlichkeitsvariante oder eben doch Störung, die abhängig vom Umfeld, den Umweltbedingungen und der Sozialisation sowie etwaigen Primären Komorbiditäten ( Kurt Cobain hatte ADHS und parallele dazu als "primäre Komorbidität" Bipolare Störung , eine Freundin von mir hat Diagnose ADHS plus Diagnose Schizoaffektive Störung als "primäre Komorbidität" ) Krankheitswert erlangen KANN , aber nicht MUSS !

Mit gemischten Gefühlen muss man dagegen betrachten die Entwicklung des Attributs ADHS als Hipster- und Lifestyle-Thema. Die Dunkelziffer der Prominenten mit ADHS dürfte gigantisch sein, auch in Deutschland (zu Prominenten mit ADHS hier: https://www.adhspedia.de/wiki/Bekannte_Pers%C3%B6nlichkeiten_mit_ADHS )

ADHS wird mehr und mehr gebraucht eben als Hipster und Coolness-Attribut , das wird aber dem Leidensdruck und dem Krankheitswert von ADHS bei der Mehrheit der Fälle nicht gerecht , nichts desto trotz hat z.B. Hollywood in entsprechenden Kreisen schon den Beinamen ADHD City , auch der Faktor Neid ( und Hybris und Prahlerei von entsprechend Betroffenen ) erschwert die gesellschaftliche Akzeptanz von ADHS .
Avatar #749369
Ambush
am Mittwoch, 28. November 2018, 12:15

Arroganz , Ignoranz und offene Feindschaft vieler Psychiater gegenüber ADHS

Leider wird ADHS nach wie vor von weiten Teilen der Psychiater in Deutschland in der quantitativen Dimension nicht erfasst und akzeptiert, obwohl auch hier sich etwas tut, neulich gab es eine Studie zur Häufigkeit von ADHS in der Psychiatrie mit Prof. Arno Deister , immerhin Präsident der DGPPN , als Co-Autor , die, falls tatsächlich zutreffend, in den Auswirkungen weitreichend sein muss (!!!) bzw. von der Psychiater-Zunft ein Handeln erzwingt!... laut dieser Studie haben 59% der Psychiatrie-Patienten Auffälligkeiten im Sinne von ADHS , 59% !!! , die ADHS als Komorbidität oder kausale Erkrankung dort haben:

http://news.doccheck.com/de/blog/post/8424-59-prozent-von-patienten-der-allgemeinpsychiatrie-haben-adhs/ das Erbenis dieser Studie mit in dem Fall 59% ADHS in der Allgemeinpsychiatrie ist so brachial , dass die möglichen Konsequenzen vielleicht noch gar nicht durchgedrungen sind.
Mal angenommen, diese Studie mit 59% verkapptem ADHS in der Allgemeinpsychiatrie stimmt, das bedeutet, dass seit Anbeginn der modernen Geschichte der Psychiatrie die entsprechenden Patienten nur in ihren Begleit- und Folgeerkrankungen aber nicht ursächlich in ihrem ADHS therapiert wurden. Was das für die persönlichen Schicksale aber auch für die volkswirtschaftlichen Kosten bedeutet, dürfte ebenfalls in Quantität und Qualität brachial sein. Wie prognostiziert doch Russel Barkley , der weltweit renommierteste Wissenschaftler bezüglich ADHS, wonach ADHS sich irgendwann einmal als das “zentrale Thema in der Psychiatrie insgesamt herausstellen wird”.

Hier die Studie: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=deister+adhd
das Ergebnis war für viele Leute in der ADHS-Community nicht mal überraschend, von selbst betroffenen Fachleuten wird seit über 30 Jahren auf die extrem hohe Dichte an verkapptem ADHS in der Psychiatrie hingewiesen , und wenn dann mehr und mehr prominente Fälle von ADHS wie “Naddel” , Hirschhausen https://www.stern.de/gesundheit/gesund-leben/eckart-von-hirschhausen/eckart-von-hirschhausen–humor-ist–wenn-man-spaeter-kommt-3808736.html und viele bisher nicht öffentliche Fälle (einer macht gerade Schlagzeilen mit seiner Privatinsolvenz und spielte mal Tennis) an die Oberfläche treten, dann lässt das erahnen, dass da quantitativ noch viel mehr sein muss. 10% in Deutschland bei einem Geschlechterverhältnis von in Wahrheit 1:1 (die betroffenen PatientINNEN kommen dann zum Psychiater wegen Depression, Angststörungen, Borderline, Essstörungen usw. nach dem zugrunde liegenden ADHS , das hat der Psychiater meist nicht auf dem Schirm) https://www.refinery29.de/2017/04/151067/mein-recht-auf-adhs
https://www.youtube.com/watch?v=HJ8BBUiwjVc
und die leichtgradigen Fälle miteinbezogen bei einer Persistenz einer zumindest Restsymptomatik von quasi 100% an der Gesamtbevölkerung , das ist auch ein “Markt” , den auch seit einiger Zeit der Journalismus entdeckt hat.

Leider gibt es unzählige Psychiater in Deutschland, die solche Fakten nicht wahrhaben wollen, solche Erfahrungsberichte z.B.:

"Ja, das wäre sicher die ideale Lösung.
Mutter eines Sohnes mit ADHS, selbst betroffen (Diagnose allerdings erst mit 48 Jahren erhalten!!!), habe ich vor ein paar Jahren ein paar Monate in einer Mutter-Kur-Klinik gearbeitet.
In jeder Gruppe (ich betreute die Kinder) erkannte ich die ADHS Kinder sofort (ich wusste vorher nicht, welche Kinder betroffen waren, die Kollegin hat mir jedes Mal meine Ahnung bestätigt).
Die ADHS meines Freundes habe ich gewusst, bevor er die Diagnose erhalten hat.
Oft weiß ich, wer betroffen ist, aber meine Hinweise werden sehr oft in den Wind geschlagen (mein eigener Ex-Mann-mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit selbst betroffen-hat die Diagnose unseres Sohnes von Anfang abgelehnt, wie seine Schwester die Diagnose ihres Sohnes abgelehnt hat).
ADHS wird offensichtlich in der allgemeinen Bevölkerung als Stigma wahrgenommen (von vielen Ärzten als „Modediagnose“ oder „Möchte-Gerne-ADHS-Haben“-Krankheit).Man ist lieber „depressiv“ oder „ängstlich“ als ein ADHSler.
Zum Glück gibt es aber auch sehr kompetente Ärzte, die nicht betroffen sind, aber die Diagnose stellen können. Das ist der Fall für meinen Arzt, der gleichzeitig Arzt für Psychotherapie ist.
Die Suche nach diesem Arzt war aber steinig: als Betroffene mir in Foren sagten, ich sei sehr wahrscheinlich selber betroffen, habe ich vergeblich nach einem Arzt in meiner Nähe gesucht.
Bis ich auf die Idee kam, meinen Ex-Hausarzt darauf anzusprechen (die Praxis habe ich wegen seiner Frau verlassen.Er ist sehr gut, macht leider nur Hausbesuche). Er fand 2 Adressen „in meiner Nähe“. Ein Arzt ist 115 km von meinem Wohnort entfernt, der andere Arzt 70 km.
Da ich keinen Termin beim 1. Arzt bekam, habe ich den 2. angerufen. Und die Diagnose nach dem 3.Termin erhalten (Gespräche + 3 Fragebögen).
In der Psychiatrie wurde ich einige Wochen vorher wegen meines Verdachts regelrecht bei der Visite ausgelacht („Warum wollen Sie unbedingt die ADHS Diagnose erhalten?“).
Jetzt weiß ich, dass ein großer Teil meiner erheblichen Schwierigkeiten in meinem Leben an dieser Gehirnstoffwechselstörung lagen. Hätte man sie in jungen Jahren diagnostiziert und therapiert, hätte man mir viel Leid (darunter viele depressive Tiefe mit 4 Selbstmordversuchen!!!) erspart." zu finden hier: https://adhsspektrum.wordpress.com/2018/05/21/adhs-diagnostik-bei-erwachsenen/#comments

zur Ignoranz und Inkompetenz der Ärzteschaft in Deutschland über ADHS auch das hier: http://news.doccheck.com/de/blog/post/5098-adhs-geballte-inkompetenz-und-ignoranz-der-psychiater/ …inwiefern sind solche vorurteilsbehafteten Einstellungen zu ADHS in der Ärzteschaft den vereinbar mit Hippokratischem Eid und Genfer Gelöbnis? Erst mal informieren und dann erst reden – das gilt erst recht für Ärzte.
ADHS wird – von männlichen, hyperaktiven Grundschülern, die im Klassenzimmer randalieren, abgesehen – nicht überdiagnostiziert, sondern nach wie vor massivst unterdiagnostiziert. Nach ADHS wird, so dicht und markant die Hinweise darauf auch sein mögen, von der deutlichen Mehrheit der Psychiater in Deutschland nicht einmal sondiert. Die Mär von der Kinderkrankheit, die hält sich gerade auch in der Ärzteschaft nach wie vor noch. Wie viele Schicksale man zum Positiven hätte beeinflussen können, wenn vom Psychiater zumindest einmal nach ADHS sondiert worden wäre und wieviele volkswirtschaftlichen Kosten man hätte sparen können, wenn nicht nur Begleit- und Folgeerkrankungen von ADHS bei unzähligen Psychiatrie-Patienten therapiert worden wären sondern die ursächliche ADHS , das ist nict auszudenken: das Geschlechterverhältnis bei ADHS ist übrigens bei 1:1 in Wahrheit , https://www.refinery29.de/2017/04/151067/mein-recht-auf-adhs

Ich sehe das so: mit ADHS in der Psychiatrie verhält es sich so wie mit der Nutzung von Pornoseiten im Internet. Beides ist der große, blaue Elefant mitten im Raum , den irgendwo jeder sieht bzw. dessen Präsenz fühlt, aber keiner redet darüber und will was damit zu tun haben.
Im Übrigen sind ca. 70% gerade auch der Psychiater in Deutschland ignorant bezüglich ADHS. Unterdiagnostik und das Nicht-Erkennen von ADHS geschehen dort massenhaft. Die Anzahl tatsächlich kompetenter Spezialisten für ADHS (die in den meisten Fällen übrigens mehr oder weniger ausgeprägt selbst ADHS haben) ist leider mehr als überschaubar. Zusätzlich kommt nichts nach, um die alten Hasen und ADHS-Pioniere, die zusehends in den Ruhestand gehen oder aus anderen Gründen, z.B. dem systematischen Mobbing gegen niedergelassene ADHS-Therapeuten durch die institutionalisierte ADHS-Gegnerschaft, aus der Versorgung der ADHS-Patienten ausscheiden, zu ersetzen.
Ich habe selbst Medizin studiert und habe in der Universitätspsychiatrie 4 Monate Praktisches Jahr absolviert. Der Oberarzt meiner Station sagte dort in einem Seminar gegenüber uns Studenten:”…Ich möchte mich bei der Gelegenheit outen als ADHS-Gegner…”…das war übrigens diejenige Universitäts-Psychiatrie, die ansonsten als das ADHS-Zentrum schlechthin in Deutschland gilt. Und selbst dort sieht sich ein Teil der Ärzte als “ADHS-Gegner”…die deutliche Mehrheit der Psychiater in Deutschland dürfte diese Einstellung zu ADHS haben. Bei ca. 4 Millionen Erwachsenen mit ADHS in Deutschland (und das noch gemäß der “konservativen Diagnosekriterien gemäß ICD-10) dürfte riesiger Bedarf für die fachärztliche Betreuung von ADHS-Patienten bestehen und die bisher (Stand 2018) mit ADHS diagnostizierten Erwachsenen dürften sicher nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Leider beißen die Betroffenen bei überwiegend ignoranten und übrigens unethisch (und zwar so gar nicht gemäß Hippokratischem Eid bzw. Genfer Gelöbnis) handelnden Ärzten meistens nur auf Granit und erfahren gerade von dieser gesellschaftliche Gruppe noch stärkere Ablehnung bis hin zu offener Feindschaft, als dies für die Gesellschaft insgesamt gilt. Zeit, mal ein bischen Radau zu machen.

Eine ehemalige Schulkameradin von mir war einst in der KJP gelandet. 0815-Diagnostik, Schema F , das wars. 10 Jahre später, keine Ausbildung, HartzIV, immer noch chronisch depressiv, das Leben nicht komplett, aber nicht unwesentlich verpfuscht (auch wenn es prinzipiell niemals zu spät ist). Nach diesen 10 Jahren sagt ihr der selbst betroffene ehemalige Schulkamerad: "Du hast ADHS " ...das wurde nach mittelfristig darauf folgender Diagnostik von fachlicher Seite dann auch bestätigt. Das hätte man auch schon vor 10 Jahren haben können in der KJP , aber die waren damals wahrscheinlich der Meinung, das sei ne Modediagnose und so. Ein solch fahrlässiges und unethisches , schlampiges Unterlassen zumindest einer Sondierung nach ADHS gehört bestraft !

Wie sagte doch mein Oberarzt einst: "ich möchte mich bei der Gelegenheit outen als ADHS-Gegner." Auch solch eine ignorante, arrogante und unethische Einstellung gehört bestraft! (Gruß an den "herausragenden" Fachmann für ADHS PD Dr. ... nach Würzburg)








Avatar #749369
Ambush
am Mittwoch, 28. November 2018, 11:47

ADHS erblich und genetisch bedingt

Dass ADHS erblich und genetisch bedingt ist, kann ich als selbst davon betroffene Person bestätigen. Bei einer (nicht-professionellen)Stammbaumanalyse in meiner Familie kann ich ziemlich genau sagen, wer bei mir ADHS hat bzw, hatte. Ich Diagnose Mitte der 90er mit 9 , Mutti Diagnose vor 14 Jahren in der Burnout-Klinik mit Ende 40, Vater der Mutter ganz klarer Fall, Mutter der Mutter nur entsprechende Persönlichkeitsmerkmale, Bruder nicht betroffen, hat aber bestimmte Persönlichkeitsmerkmale in dieser Richtung, Vater ebenfalls nicht manifest betroffen, hat aber auch bestimmte entsprechende Persönlichkeitsmerkmale, Mutter des Vaters definitiv manifest von ADHS betroffen gewesen (plus Kriegstraumata und Vergewaltigung 1945 als negative Sozialisationsfaktoren dort), Vater des Vaters nicht betroffen gewesen, Bruder der Mutter definitiv manifest betroffen (lehnt eine Diagnostik jedoch ab, dessen Tochter jedoch auch wiederum klare Auffälligkeit hinsichtlich ADHS), Schwester des Vaters (Messi-Syndrom gehabt) definitiv betroffen gewesen und mit Mitte 50 recht verwahrlost gestorben, andere Schwester des Vaters nicht betroffen... solche ADHS-Stammbäume sind eher die Regel und nicht die Ausnahme bei ADHS …. im Übrigen bleiben von ADHS Betroffene in der Tendenz unter sich... sozial und auch was Partnerschaft und Beziehung angeht... und auch hier gilt wieder: nicht schwarz-weiß , nicht alles oder nichts, sondern "tendenziell"...und je ausgeprägter das ADHS , desto unwahrscheinlicher ist es, dass der oder die Partner/in gar kein ADHS hat. Mein Vater hat kein manifestes ADHS , aber Mutti hätte sich niemals mit jemandem einlassen können, der nicht entsprechende Persönlichkeitsmerkmale besitzt …. das läuft nach dem allgemein gültigen Prinzip: "gleich zu gleich gesellt sich gern" und auch sämtliche meiner echten Freunde haben ADHS oder zumindest entsprechende Persönlichkeitsmerkmale …. zur Genetik der ADHS wieder hier:

Das Thema Evolution und ADHS fassen folgende Sätze des deutschlandweit führenden Genetikers (und auch einer der weltweit führenden Genetiker) zu ADHS Prof. Klaus-Peter Lesch von der Psychiatrie der Uniklinik Würzburg zusammen:”…Früher vermuteten die Forscher, einige wenige Gene würden ADHS auslösen; doch das trifft, wenn überhaupt, nur auf ganz wenige Familien zu. Für die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung gilt: Vermutlich sind es 500 bis 1000 Gene, die einen – jeweils minimalen – Einfluss auf das Temperament und die Konzentrationsfähigkeit des Menschen haben. Diese sind mithin auch keine Krankheitsgene, vielmehr gehören sie zur natürlichen Ausstattung des Menschen. “ADHS ist ein Extrem einer Persönlichkeitsvariante, das zunächst einmal gar keinen Krankheitswert besitzt”, bestätigt auch Klaus-Peter Lesch. Diese milden Ausprägungsformen von ADHS seien in einem Fünftel der Bevölkerung vorhanden und hätten sich im Laufe der Evolution des Homo sapiens immer wieder als vorteilhaft durchgesetzt. Lesch: “Der hohe Energiepegel, der Enthusiasmus, sich mit einer Sache auseinanderzusetzen, die große Kreativität, die Fähigkeit zum Querdenken und der Gerechtigkeitssinn – all das sind Ressourcen, die für unsere Gesellschaft wichtig sind.” zu finden in dem Artikel des ADHS-Gegners Jörg Blech im Spiegel: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-99311928.html
Man muss ansonsten nur durch die Straßen einer durchschnittlichen deutschen Stadt laufen und es werden einem jeden Tag Personen mit ADHS über den Weg laufen, um zu erkennen, dass bei Person X ADHS vorliegt, da braucht es aber oftmals schon ein gewisses Gespür, was man vollumfänglich nur als selbst mit ADHS Betroffener hat. Man kann sehr wohl “spüren” , wenn das Gegenüber auch ADHS hat, Stichwort Wesensverwandtschaft , und mit ADHS Betroffene erkennen sich untereinander so wie in China ein Deutscher einen anderen Deutschen erkennt, am Habitus und an der Persönlichkeit . Jemand, der kein ADHS hat, der muss all das rein kognitiv kompensieren , allein schon aus diesem Grund besteht der harte Kern an ADHS-Therapeuten in Deutschland und weltweit überwiegend aus selbst mit ADHS betroffenen Ärzten , Psychotherapeuten etc. und man ist, so unfair das auch sein mag, als Nicht-Betroffener schon deswegen ein ADHS-Therapeut 2. Klasse.

ADHS ist deshalb so häufig, weil die ADHS verursachenden Gene evolutionär gesehen nicht nur Mist , sondern auch positive Aspekte , Stärken und Vorteile verursachen. ADHS als eine solche je nach Schweregrad Störung , Konstitution oder Persönlichkeitsvariante hat deshalb diese hohe Prävalenz – vergleiche dazu Prävalenz von ADHS in Deutschland von in Wahrheit etwa 8% bis 10% mit Autismus-Spektrum-Störungen mit Prävalenz von 1% bis maximal 2%. Ohne die Berücksichtigung der evolutionären Anthropologie psychischer Störungen wird man auch die jeweiligen teils gravierend unterschiedlichen Prävalenzen der verschiedenen Hirnentwicklungsstörungen (eben ADHS , Autismus aber auch Schizophrenie und Bipolare Störung und Unipolare Endogene Depression) nicht verstehen können.
LNS

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