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Adipositas erklärt ein Viertel aller Asthmaerkrankungen bei Kindern

Dienstag, 27. November 2018

Sick obese boy is coughing and throat infection/kwanchaichaiudom, stock.adobe.com
/kwanchaichaiudom, stock.adobe.com

Durham/North Carolina – Eine Adipositas ist offenbar ein unterschätzter und vermeid­barer Risikofaktor für Asthmaerkrankungen. Eine Studie in Pediatrics (2018; doi: 10.1542/peds.2018-2979) kommt zu dem Ergebnis, dass in den USA ein Viertel aller Asthmaerkrankungen auf zu dicke Kinder zurückzuführen sind.

Dass Fettleibigkeit die Entwicklung von Asthmaerkrankungen fördert, wird seit längerem vermutet. So hat die Adipositas direkte Auswirkung auf die Atemweg: Lungenvolumen und Atemzugvolumen sind häufig vermindert. Aber auch die durch den Fettstoffwechsel erhöhte systemische Entzündung könnte eine Rolle spielen: Menschen mit Adipositas leiden häufiger unter einem gastroösophagealen Reflux, der bei einer Aspiration von Magensaft die Atemwege schädigt. Auch gemeinsame genetische Wurzeln werden vermutet.

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Epidemiologische Studien haben schon vor Jahren eine auffällige Assoziation zwischen der Adipositas und Asthmaerkrankungen von Erwachsenen gefunden. Ein Team um Jason Lang von der Duke University in Durham/North Carolina hat jetzt untersucht, ob Adipositas auch im Kindesalter die Anfälligkeit erhöhen könnte. Sie analysierten die Daten des National Pediatric Learning Health System (PEDSnet), das die Krankenakten von mehr als einer halben Million Kinder gespeichert hat, für die insgesamt 19 Millionen Arztbesuche dokumentiert wurden.

Arztbesuche wegen Asthmaerkrankungen waren bei Kindern mit Übergewicht oder Adipositas häufiger. Lang ermittelt für Kinder mit Übergewicht ein relatives Risiko (RR) von 1,17, das mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,10 bis 1,25 signifikant war. Die Adipositas erhöhte das Asthmarisiko um 26 % (RR 1,26; 1,18-1,34). Adipöse Kinder erkrankten zu 29 % an einem durch Spirometrie bestätigten Asthma (RR: 1,29; 1,16-1,42).

Jede 10. Asthmaerkrankung vermeidbar

Das Risiko mag für das einzelne Kind überschaubar sein. Da aber mittlerweile 18 % aller Kinder in den USA fettleibig sind, könnten nicht weniger als 23 bis 27 % aller Asthmaerkrankungen auf die Fettleibigkeit zurückzuführen sein. Nach weiteren Berechnungen von Lang könnten 10 % aller Asthmaerkrankungen vermieden werden, wenn alle Kinder normalgewichtig wären.

Da es sich um eine retrospektive Auswertung wenn auch einer großen Anzahl elektronischer Krankenakten handelt, kann die Studie den kausalen Zusammenhang nicht abschließend beweisen. Die klinische Erfahrung zeigt laut Lang jedoch, dass eine Diät bei adipösen Kindern mit Asthma häufig zu einer Verbesserung des Krank­heitsbildes führt.

© rme/aerzteblatt.de

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