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Medizin

Genvariante schützt vor Alkoholabhängigkeit

Dienstag, 27. November 2018

/dpa
New Haven/Connecticut – Eine Genvariante, die den Abbau von Ethanol zu Acetaldehyd beschleunigt, kann Menschen europäischer Herkunft die Freude am Alkoholkonsum vergällen. Dies kam einer genomweiten Assoziationsstudie (GWAS) in Nature Neuroscience (2018; doi: 10.1038/s41593-018-0275-1) heraus.

Ein Team um Joel Gelernter von der Yale University School of Medicine in New Haven/Connecticut war eigentlich auf der Suche nach Genen, die Menschen zu einem ungesunden Alkoholkonsum verleiten. Genetiker schätzen die Heritabilität auf etwa 50 %. Doch die stärkste Assoziation, die die Forscher bei einem Genvergleich von 14.904 Personen mit Alkoholabhängigkeit und 37.944 Kontrollen fanden, hält Menschen europäischer Herkunft eher von einem Alkoholkonsum ab.

Es handelt sich um die Genvariante (oder Einzelnukleotid-Polymorphismus, SNP) „rs1229984“. Sie befindet sich auf dem Chromosom 4 im Gen ADH1B. Dieses Gen enthält die Information für das Enzym Alkohol-Dehydrogenase 1B. Es baut Ethanol in Acetaldehyd ab, das dann weiter zu Essigsäure verstoffwechselt wird. „rs1229984“ ist eine Missense-Mutation. Sie führt zu einem Basenaustausch an Position 48 von Arginin nach Histidin.

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Das Ergebnis ist eine beschleunigte chemische Reaktion. Die vermehrte Bildung von Acetaldehyd überschreitet die Kapazität des nachfolgenden Enzyms. Die Acetaldehyd-Konzentration im Blut steigt. Es kommt zu Kopfschmerzen und Übelkeit, dem „Kater“ nach einem exzessiven Alkoholkonsum. Die SNP „rs1229984“ hat die gleiche Folge wie die Einnahme von Disulfiram, auch wenn der Wirkungsmechanismus ein anderer ist: Disulfiram hemmt die Aktivität des nachfolgenden Enzyms.

Die meisten Teilnehmer der Studie waren europäischer Herkunft, es wurden aber auch US-Amerikaner mit afrikanischen Vorfahren untersucht. Bei den Afrikanern gibt es ebenfalls eine SNP, „rs2066702“, die vor einer Alkoholabhängigkeit schützt. Sie befindet sich auch im Gen ADH1B. Der Austausch von Arginin nach Cystein an Position 370 hat ebenfalls eine beschleunigte Metabolisierung von Alkohol zur Folge.

Beide SNP sind übrigens selten, die meisten Europäer und Afrikaner können deshalb Alkohol genießen – und einige werden dann abhängig. In Teilen Asiens ist rs1229984 dagegen häufig und in diesen Regionen wird wenig Alkohol getrunken.

© rme/aerzteblatt.de

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