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Ärzteschaft

Arztnetze: Regionalität beibehalten

Dienstag, 27. November 2018

/Ayzek, stock.adobe.com

Berlin – Die Fünf-Jahres-Bilanz über eine bis heute sehr heterogene Szene der Praxisnetze fällt gemischt aus: Einen klaren Trend, wie Zusammenarbeit in den rund 70 anerkannten Praxisnetzen in Deutschland aussieht, gibt es nicht. „Dafür ist die Situation in jeder KV-Region anders, und auch in jedem Ort oder Landkreis unterschiedlich zur Nachbarschaft“, erklärte Veit Wambach von der Agentur deutscher Arztnetze heute in Berlin beim Praxisnetzgipfel der Kassenärztlichen Bundes­vereinigung (KBV).

In den Ärztenetzen sind KBV-Angaben zufolge inzwischen mehr als 6.000 Ärzte engagiert. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorsitzender der KBV, lobte die Ärztinnen und Ärzte in den Netzen als überaus engagiert. Dieses Engagement könne man nicht von jedem erwarten, der eine Praxis eröffne, so Hofmeister. Im Dialog mit der Bundespolitik sei es für die KBV nun eine Herausforderung, zwar eine Standardisierung der Regelungen für Netze zu erreichen, gleichzeitig aber die individuelle Situation der Netze vor Ort nicht zu zerstören. „Für uns hat hier die Regionalität höchste Priorität“, sagte Hofmeister.

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Lob vonseiten der Krankenkassen

Auch die Zusammenarbeit mit einzelnen Krankenkassen sei sehr unterschiedlich, aber das Interesse sei deutlich gewachsen, erklärte Wambach. „Es gibt da auch heraus­ragende Kooperationen, die wir heute erreicht haben.“ Diese Entwicklung in den Praxisnetzen bewertet auch der Spitzenverband der Krankenkassen positiv. „Wir beobachten die Entwicklung mit Wohlwollen und finden es gut, dass die Ärzteschaft hier selbst eine Antwort auf ihre eigene Zukunft der ambulanten Tätigkeit gefunden hat“, erklärte Johann-Magnus von Stackelberg vom GKV-Spitzenverband bei einer Podiumsdiskussion anlässlich des KBV-Praxisnetzgipfels.

Allerdings betonte Wolfgang Krombholz, Vorsitzender der KV Bayerns, dass die Netze oft eher in Ballungsgebieten tätig seien und sich eher selten auf dem unterversorgten Land zusammenfinden würden. Er betonte, dass auch die Kassenärztlichen Verei­nigungen ein Netz sein könnten, in dem sich niedergelassene Ärzte sowie Psycho­therapeuten austauschen könnten. Dafür benötige es keine weiteren Strukturen. „Nicht jedes Netz braucht einen offiziellen Stempel, um als Netz auch zusammenzuarbeiten“, so Krombholz.

Wambach sieht in den oft ehrenamtlich arbeitenden Netzen das „Wir-Gefühl“ als eins der wichtigsten Faktoren der Zusammenarbeit an. Deutlich mehr als 150 Beteiligte in einem Netz seien aber nicht mehr ehrenamtlich zu betreuen. „Wenn Netze größer werden, braucht es zusätzliche Management-Strukturen“, so Wambach.

Für besser Bezahlung für den Mehrwert in der Versorgung, den ein Netzwerk ausmacht, plädiert KBV-Vize Hofmeister: „Wir müssen diesen Mehrwert künftig besser quanti­fizieren, damit er auch standardisiert vergütet werden kann. Ich kann mir vorstellen, dass dies auch regional funktionieren kann.“ Von Stackelberg als Vertreter der Krankenkassen betonte aber, dass Krankenkassen diese Strukturen nicht finanzieren würden. „Es gibt so viele Organisationsformen von Praxen und wir bezahlen die medizinischen Leistungen, die innerhalb der Strukturen passieren. Nicht die Struktur an sich.“

Das Engagement privater Investoren muss geregelt werden

Sorgen bereitet der KBV, der KV Bayerns sowie der Agentur der Arztnetze der zunehmende Trend von privaten Investoren, Gelder in Praxen von niedergelassenen Ärzten zu investieren. Hofmeister erklärte, die KBV setze sich für neue Spielregeln ein, wie künftig Investoren von der Medizin ferngehalten werden könnten. „Es muss klar sein, dass es weniger Anreize geben muss, dass eine auf Effizienz getrimmt Versorgung möglich ist.“ Dafür wolle sich die KBV auch im anstehenden Gesetzgebungsprozess zum Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) einsetzen.

Krombholz von der KV Bayerns zeigte sich irritiert über den Vertreter der Kranken­kassen: „Ich verstehe nicht, warum die Krankenkassen bei dem Thema so entspannt sind. Irgendwann, wenn die Versorgungszentren zu groß geworden sind, werden diese ihnen die Preise für Versorgung diktieren.“ Zuvor hatte von Stackeberg gesagt, er mache sich keine Sorgen um private Geldgeber in der Versorgung: „Wir können damit bereits bei den Krankenhäusern und bei den Pharmaunternehmen umgehen, warum nicht auch in der Versorgung?“ © bee/aerzteblatt.de

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