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Medizin

Alter bei der Pubertät weiter gesunken

Dienstag, 27. November 2018

Jugendliche Schulkinder mit Rucksack /vectorfusionart, stock.adobe.com
/vectorfusionart, stock.adobe.com

Aarhus/Dänemark – Jungen kommen heute im Durchschnitt bereits mit 13,1 Jahren in den Stimmbruch, Mädchen haben mit durchschnittlich 13,0 Jahren ihre erste Monatsblutung. Dies geht aus einer aktuellen Kohortenstudie in Paediatric and Perinatal Epidemiology (2018; doi: 10.1111/ppe.12507) hervor, nach welcher der langfristige Trend zu einer früheren Pubertät anhält.

Das Alter der Pubertät sinkt in den westlichen Ländern mindestens seit Ende des 19. Jahrhunderts. Zunächst wurde dies auf die Verbesserungen in Gesundheitszustand, Ernährung und Lebensbedingungen zurückgeführt. Heute werden auch die zuneh­mende Adipositas und Umwelteinflüsse diskutiert. Die Ursachen konnten bisher nicht geklärt werden, doch der Trend scheint anzuhalten.

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Die jüngsten Zahlen stammen aus der Nationalen Geburtenkohorte Dänemarks, die Kinder der Geburtsjahrgänge 2000 bis 2003 seit der Schwangerschaft ihrer Mütter begleitet. Ab dem Alter von 11,5 Jahren wurden 22.439 Kinder alle 6 Monate in einem webbasierten Fragebogen um Auskunft zu ihrer körperlichen Entwicklung gebeten. Zwei Drittel der Kinder füllten wenigstens einen Fragebogen aus.

Wie Nis Brix von der Universität Aarhus und Mitarbeiter mitteilen, begann die Pubertät bei den Jungen im Alter von durchschnittlich 11,1 Jahren mit dem Wachstum der Hoden (Tanner-Stadium II), der Stimmbruch tritt im Alter von 13,1 Jahren ein, und die erste Ejakulation berichteten die Jungen im Alter von 13,4 Jahren. Der Abschluss der Wachstumsphase von Hoden und Penis (Tanner V) war mit 15,6 Jahren erreicht.

Bei Mädchen setzten die Veränderungen der Brust (Tanner II: Brustknopse erkennbar, Brustdrüse tastbar) mit 10,5 Jahren ein. Die Menarche wurde mit 13,0 Jahren erreicht und im abschließenden Stadium Tanner V (Brust voll entwickelt, Brustwarze steht hervor) waren die Mädchen 15,8 Jahre alt.

Die wichtigste Einschränkung ist, dass die Angaben der Kinder nicht immer zutreffen müssen. Außerdem hatten bei der ersten Befragung im Alter von 11,5 Jahren schon einige Mädchen das Stadium Tanner II erreicht. Die Ergebnisse erwiesen sich jedoch bei statistischen Prüfungen als robust.

Mütter erreichen die Menarche später als ihre Töchter

Unsicherheiten gibt es auch beim Vergleich zu früheren Untersuchungen. Das Menarche-Alter der Mütter war bei der Eingangsuntersuchung während der Schwangerschaft erfragt worden, als die Frauen im Durchschnitt 30 Jahre alt waren. Nach den Angaben der Mütter erreichten diese die Menarche um 3,6 Monate (95-%-Konfidenzintervall 3,1 bis 4,3 Monate) später als ihre Töchter.

Da sich die meisten Frauen an die Umstände ihrer ersten Monatsblutung sehr gut erinnern, dürften die Zahlen recht exakt sein. Bei Jungen bildet der Stimmbruch das am häufigsten erinnerte Zeichen der Pubertät. Da die Väter nicht untersucht wurden, muss Brix die Ergebnisse mit anderen Studien vergleichen.

Stimmbruch und erste Ejakulation eventuell früher

In mehreren Studien aus der Zeit zwischen 1968 und 2005 war das Stimmbruchalter mit 14,0 bis 15,5 Jahren angegeben worden. Auch die erste Ejakulation war in einer Studie aus dem Jahr 2005 mit 14,7 Jahren um mehr als ein Jahr später aufgetreten als in der aktuellen Untersuchung. Ob die größeren Unterschiede bei den Jungen (die in einem kürzeren Intervall auftraten) echt sind, oder ob ein Vergleich von Daten aus unterschiedlichen Studien (mit unterschiedlichen Erfassungsmethoden) zu Verzerrungen geführt hat, kann diese Studie nicht klären.

Auch die Ursachen für die frühere Pubertät sind letztlich ungeklärt. Brix vermutet sie bereits in der vorgeburtlichen Phase. Studien der letzten Jahre hatten zahlreiche Faktoren untersucht, darunter die Exposition zu Phytoöstrogenen und das Rauchen der Mütter während der Schwangerschaft.

Das frühere Einsetzten der Pubertät ist laut Brix besorgniserregend, da eine frühe Pubertät mit einem erhöhten Risiko für eine Reihe von Krankheiten im Erwachsenen­alter in Verbindung steht. Dazu gehören Adipositas, Typ 2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Krebsarten.

© rme/aerzteblatt.de

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