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Medizin

Kardiologen: Ausdauersport kann Altersvorgänge in Zellen verlangsamen

Mittwoch, 28. November 2018

/chalabala, stockadobecom

Leipzig – Ein 45-minütiges Ausdauer- oder Intervalltraining an drei Tagen der Woche hat in einer randomisierten Studie im European Heart Journal (2018; doi: 10.1093/eurheartj/ehy585) nicht nur die körperliche Fitness von „Sportmuffeln“ verbessert. Es kam auch zu einer Verlängerung der Telomere in den Blutzellen, die als Marker für die Verlangsamung von Alterungsprozessen gelten. Ein Krafttraining erwies sich in dieser Beziehung als wirkungslos.

Telomere sind die Endkappen der Chromosomen, die sich bei jeder Zellteilung verkürzen. Wenn eine bestimmte Länge unterschritten wird, sind keine weiteren Zellteilungen mehr möglich. Die Länge der Telomere ist deshalb ein Marker für das biologische Alter eines Menschen. Das Enzym Telomerase, das im Zellkern enthalten ist, kann die Telomere verlängern und damit vermutlich Alterungsprozesse verlangsamen.

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Ein Team um Ulrich Laufs von der Universität Leipzig hat in einer Studie untersucht, welchen Einfluss Sport auf die Länge der Telomere hat. An der Studie nahmen 266 Erwachsene im Alter von etwa 50 Jahren teil, die gesund, aber unsportlich waren.

Sie wurden drei Gruppen zugeteilt. Die erste Gruppe praktizierte dreimal die Woche ein Ausdauertraining. Es bestand aus jeweils 45 Minuten Laufen oder Walking mit einem Anstieg der Herzfrequenz auf 60 Prozent des persönlichen Maximums.

Die zweite Gruppe absolvierte in der gleichen Zeit ein hoch-intensives Intervalltraining nach der „4 x 4 Methode“. Dabei wechseln sich jeweils vier Minuten mit einer maximalen Belastung mit vier Minuten Ruhe ab.

Die dritte Gruppe stärkte durch ein Krafttraining ihre Muskeln. Die Teilnehmer absolvierten ein Zirkeltraining an acht verschiedenen Geräten. Eine vierte Gruppe nahm an keinem Sportprogramm teil.

Nach sechs Monaten Training hatten alle drei Sportprogramme die körperliche Fitness – gemessen an der Zunahme der maximalen Sauerstoffzufuhr (VO2max) – verbessert.

Die Auswirkungen auf die Telomere waren unterschiedlich. Das Krafttraining hatte nichts bewirkt. Die Länge der Telomere hatte in gleicher Weise abgenommen wie in der Kontrollgruppe ohne Sport. Ausdauersport und Intervalltraining hatten die Telomere dagegen um 3,3 bis 3,5 Prozent verlängert. Hier wurden gewissermaßen die Reserven gegen eine vorzeitige Alterung vergrößert.

Die Aktivität der Telomerase, die für die Verlängerung zuständig ist, hatte sich durch Ausdauersport und Intervalltraining verdoppelt.

Obwohl die Teilnehmerzahl insgesamt gering war – nur 124 Personen, davon 89 in den drei Sportprogrammen, hielten bis zum Ende durch – ist es Laufs zufolge die erste randomisierte kontrollierte Studie, die Kraft- und Ausdauertraining miteinander verglichen hat. Die Ergebnisse bestätigen für den Erstautor Christian Werner von der Universität des Saarlandes in Homburg/Saar die derzeitigen Leitlinien der Euro­pean Society of Cardiology, nach der Kraftsport eine Ergänzung zum Ausdauer­training ist, dieses aber nicht ersetzen sollte.

Auf welche Weise der Ausdauersport die Telomere verlängern kann, ist nicht bekannt. Eine Untersuchung des Zellstoffwechsels ergab, dass die Aktivität des Enzyms Stick­stoffmonoxid-Synthase in den Blutzellen durch den Ausdauersport, nicht aber durch das Krafttraining, verstärkt wurde. Diesem Enzym wird auch in der Gefäßwand eine schützende Wirkung gegen die Atherosklerose zugeschrieben. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #722455
´hajodba@gmx.de
am Samstag, 15. Dezember 2018, 19:44

"Man kann der "Altersphysiologie" nicht einfach davolaufen"

Denn nach dieser "Studie" läge die Schlussfolgerung nahe, dass
demnach "Ausdauer-Leistungssportler" allesamt "uralt" werden
müssten. Was aber nicht der Fall ist.

Als "über 70-Jähriger mit Trainingserfahrungen" muss ich mich
über solche "Schlussfolgerungen", wie die aus der "Studie", sehr
wundern. Ausgehend von

"260 Erwachsenen im Alter von etwa 50 Jahren,
die gesund, aber untrainiert"

gewesen waren, von denen nur "124 Personen bis zum Ende
durchhielten" und die zudem in "4 Gruppen unterschiedlich"
gearbeitet haben, gelangte man zu "Ergebnissen" die nicht
vergleichbar sind.

Schon gar nicht, was das sogenannte "Krafttraining" angeht.
Man kann nicht "untrainierte Personen" über ein halbes Jahr
in einem Fitnessstudio an "8 verschiedenen Geräten jeweils
20 Wiederholungen" machen lassen und dann zu "aussage-
fähigen Ergebnissen" kommen, die zu "Schlussfolgerungen"
befähigen.

Nach meinem speziellen "Trainingskonzept für Senioren mit
Diabetes Typ 2 (ein "Kraft-Ausdauer-Training an technischen
Geräten") benötigen "untrainierte Personen" zunächst einmal
"3 Monate zur Anpassung", bevor sie dann ganz "vorsichtig"
mit dem eigentlichen "Muskelaufbautraining" beginnen und
erst später folgt das "gezielte Ausdauertraining".

Allerdings vorausgesetzt, dass die "untrainierten Personen"
keine "Statine" einnehmen. Denn "Statine zerstören Muskel-
zellen" und "verhindern Trainingseffekte in der Muskulatur"
(sihe "DÄB vom 10. Januar 2017")

H. Jürgen Barth, Rodalben
LNS

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