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Medizin

HIV-Situation in ehemaliger Sowjetunion dramatisch

Donnerstag, 29. November 2018

/dpa

Stockholm – Bei 159.420 Menschen aus der WHO-Region Europa wurde 2017 eine HIV-Infektion neu diagnostiziert, drei Viertel davon leben in Russland oder der Ukraine. Damit hat sich die HIV-Epidemie im Osten Europas im vergangenen Jahr fortgesetzt, während in den EU/EEA-Ländern die Infektionszahlen weiter gefallen sind.

Im Osten Europas werden viele Infektionen erst diagnostiziert, wenn es zur Immunschwäche Aids gekommen ist. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) spricht in seinem jüngsten Jahresbericht von einer dramatischen Lage.

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Europa ist bezüglich der HIV-Infektionen zweigeteilt. In den EU/EEA-Ländern sinkt die Zahl der Neudiagnosen seit Jahren langsam, in Osteuropa steigen sie. Im EU-Land Slowakei wurde im vergangenen Jahr nur bei 70 Menschen eine HIV-Infektion diagnostiziert (1,3 auf 100.000 Einwohner), in Slowenien waren es nur 39 Neudiagnosen (1,9/100.000).

Die Länder Zentraleuropas waren bis Anfang der 1990er-Jahre durch den eisernen Vorhang weitgehend vor der Epidemie geschützt, die in den 1980er-Jahren in den USA ihren Ausgang nahm. Auch danach ist die Zahl der Diagnosen nur langsam gestiegen.

Dramatische Zunahme

In den ehemaligen Ländern der Sowjetunion ist es infolge der wirtschaftlichen Misere und der damit verbundenen Zunahme des intravenösen Drogenkonsums zu einer späten aber umso dramatischeren Zunahme gekommen. Nach einem ersten Gipfel und einem Rückgang Anfang der 2000er-Jahre ist die Zahl der Neudiagnosen stetig und stark angestiegen.

Das gilt teilweise auch für die Länder des Baltikums, die inzwischen Mitglieder der EU sind. Lettland hat mit 18,8 auf 100.000 Einwohnern die höchste Rate von Neuerkrankungen vor Estland mit 16,6 auf 100.000 Einwohner. EU-weit liegt die Rate der Neudiagnosen bei 6,9 auf 100.000 gegenüber 6,2/100.000 im Jahr 2008.

In Russland kamen im vergangenen Jahr 71,1 HIV-Neudiagnosen auf 100.000 Einwohner, in der Ukraine waren es 37,0 auf 100.000 Einwohner, in Weißrussland 26,1 auf 100.000 Einwohner. In diesen Ländern entfällt ein Drittel aller neu diagnostizierten HIV-Infektionen auf Drogenkonsumenten, weitere 60 Prozent auf Heterosexuelle. Die Zahl der neu erkannten HIV-Infektionen unter Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), steigt zwar, sie sind derzeit aber nur von untergeordneter Bedeutung.

Ganz anders ist die Situation in Westeuropa. Hier entfällt mehr als die Hälfte der Infektionen auf die zahlenmäßig kleine MSM-Gruppe. Etwa ein Drittel der HIV-Infektionen werden heterosexuell übertragen, Infektionen unter intravenösen Drogenkonsumenten sind seit 2008 rückläufig. Der Anteil bei den Neudiagnosen beträgt derzeit nur 4 Prozent.

In den EU/EEA-Ländern gehen die Infektionen nicht nur zurück, die Infektionen werden auch früher erkannt. Der Anteil der Patienten mit einer CD4-Zellzahl von unter 350/mm3 ist zwar mit 49 Prozent noch immer hoch und insgesamt 28 Prozent haben bereits eine schwere Immunschwäche (CD4-Zellzahl unter 200/mm3), wenn die Infektion erkannt wird.

Die Zahl der neuen Aids-Erkrankungen war mit 3.130 (0,7/100.000) jedoch gering. Im Osten sind im vergangenen Jahr 11.454 Menschen an Aids erkrankt (10,2/100.000). Eine späte Diagnose verschlechtert nicht nur die Überlebenschancen der Patienten, sie verlängert auch die Zeitspanne, in der die HIV-Positiven andere Menschen anstecken können, was die Epidemie in Zukunft weiter befeuern könnte.

Aber auch im Westen gibt es Menschen, die die Infektion relativ spät bemerken. Der Anteil der „Late Presenter“ ist vor allem bei Frauen sowie bei älteren Männern hoch, die oft nicht mehr damit rechnen, dass sie sich bei einem gelegentlichen sexuellen „Abenteuer“ infizieren könnten. Junge Männer der MSM-Szene sind sich der Risiken eher bewusst.

Da HIV-Infektionen auf anderen Kontinenten deutlich häufiger sind als in Europa, sind Migranten häufiger als Einheimische infiziert: 41 Prozent aller Neudiagnosen in EU/EEA entfallen auf Migranten, die meisten davon kommen aus Afrika (18 Prozent), gefolgt von der Karibik und Lateinamerika (8 Prozent).

© rme/aerzteblatt.de

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Avatar #111366
simplicissimus500
am Donnerstag, 29. November 2018, 20:02

in Washington D.C.

Nur um es klar zu stellen. Es ist, wie bekannt der Regierungssitz. Aber nicht nur HIV ist dort stärker als sonst irgendwo in den USA verbreitet, alle Geschlechtskrankheiten grassieren dort. Wer glaubt, allmächtig zu sein, ist auch davon überzeugt, sich nicht zu infizieren.
Avatar #111366
simplicissimus500
am Donnerstag, 29. November 2018, 19:51

Und wie ist es in den USA?

Dort nimmt die Armut mindestens ebenso zu, wie in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Aber da schauen wir lieber nicht hin, wir Transatlantiker.
LNS

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