NewsAuslandDrogenmissbrauch und steigende Suizidrate lassen Lebenserwartung in USA sinken
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Drogenmissbrauch und steigende Suizidrate lassen Lebenserwartung in USA sinken

Donnerstag, 29. November 2018

/povar_pavel, stockadobecom

Tampa – Die um sich greifende Drogenepidemie und eine zunehmende Zahl von Suiziden lassen die durchschnittliche Lebenserwartung der US-Bürger sinken. Die Lebenserwartung habe 2017 bei 78,6 Jahren gelegen und damit 0,1 Jahre unter dem Wert des Vorjahres, teilte die US-Gesundheitsbehörde CDC gestern mit. Die Behörde kommentierte die Entwicklung mit großer Sorge und sprach von einem „Weckruf“.

Ein solches Absinken ist für ein hoch entwickeltes Industrieland äußerst ungewöhnlich. „Wir verlieren zu viele Amerikaner in zu jungen Jahren, und allzu oft hat das vermeidbare Ursachen“, erklärte CDC-Direktor Robert Redfield. Im Jahr 2017 sei die Zahl von Drogen-Überdosen um 9,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Die Zahl der Suizide habe um 3,7 Prozent zugenommen.

Anzeige

Die Drogenepidemie in den USA liegt vor allem am immer weiter verbreiteten Missbrauch von Schmerzmitteln wie dem synthetischen Opioid Fentanyl. Auch Heroin spielt eine Rolle. US-Präsident Donald Trump hat den Kampf gegen die Drogenepidemie zu einer Priorität erklärt.

Die durchschnittliche Lebenserwartung in den USA war 2015 nach Jahrzehnten des Ansteigens erstmals leicht gesunken. Seitdem sei der Wert um insgesamt 0,3 Jahre gefallen, sagte der Leiter der Sterbestatistik-Abteilung beim CDC, Robert Anderson. Ein derartiges Sinken sei seit der katastrophalen Spanischen Grippe nach dem Ersten Weltkrieg 1918 nicht mehr verzeichnet worden.

„Wir sind ein hoch entwickeltes Land, wir haben viele Ressourcen, und wir sollten eigentlich eine steigende Lebenserwartung haben und keine sinkende“, sagte Anderson. In Deutschland liegt die Lebenserwartung derzeit bei rund 83 Jahren für Frauen und 78 Jahren für Männer.

Wie die New York Times heute unter Berufung auf Daten der US-Gesundheitsbehörde CDC berichtete, ist die Zahl der Drogentoten in den USA im vergangenen Jahr auf den höchsten Stand aller Zeiten gestiegen. Insgesamt 70.237 Menschen erlagen demnach einer Überdosis.

Dies seien mehr Tote als in den Vereinigten Staaten jemals in einem Jahr durch Autounfälle, Aids oder Schusswaffen ums Leben gekommen seien. Grund sei vor allem der starke Anstieg des Missbrauchs synthetischer Drogen. Wie die Zeitung schrieb, starben mehr als 28.000 Menschen durch Fentanyle (Opioide) und ähnliche synthetische Drogen, 2013 waren dies nur 3.000.

US-Präsident Donald Trump hatte vor einigen Monaten angesichts der Drogenepidemie in seinem Land die Todesstrafe für Großdealer gefordert. Nach dem Bericht der New York Times gibt es Anzeichen, dass die Zahl der Toten am Ende dieses Jahres unter der von 2017 liegen wird. Die Aussicht auf einen leichten Rückgang ist für Experten aber kein Grund zur Zuversicht. „Die Zahlen sind einfach so erschütternd“, sagte der Universitätsprofessor und frühere Ge­sund­heits­mi­nis­ter des Bundesstaates Maryland, Joshua Sharfstein.

© afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. April 2019
München – Die bayerische Polizei hat 2018 mehr Crystal Meth sichergestellt als in den Vorjahren. Knapp 12,5 Kilogramm der Droge Metamphetamin, das in kristalliner Form als Crystal Meth bekannt ist,
Mehr Crystal Meth in Bayern beschlagnahmt
17. April 2019
Berlin – Durch technische Tricks an Geldautomaten hebelt die Automatenindustrie geltende Gesetze aus. Die Folgen: Das Suchtpotenzial beim legalen Glücksspiel an Geldspielautomaten sind enorm
Suchtforscher werfen Glücksspielindustrie Gesetzesverstöße vor
16. April 2019
Berlin – Das Risiko für eine Opioidkrise wie in den USA ist in Deutschland gering. Diese Auffassung vertritt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag.
Bundesregierung sieht keine Anzeichen für Opioidkrise wie in den USA
16. April 2019
Boston/Melbourne/Toronto – Eine unangemessene Schmerzbehandlung nach Operationen hat wesentlich zur Opioidkrise in den USA und in weiteren Ländern beigetragen. Das meinen Wissenschaftler um Paul Myles
Unangemessene Schmerzbehandlung nach OP eine der Hauptursachen für Opioidkrise
16. April 2019
Berlin – Die Tabak-, Computerspiel- und Trinksucht von Millionen Beschäftigten hat nach Angaben der DAK-Gesundheit gravierende Folgen für die Arbeitswelt. Nach dem heute in Berlin veröffentlichten
Suchtprobleme führen zu hohem Krankenstand
15. April 2019
Berlin – Im Kampf gegen die weiterhin hohe Anzahl von Drogentoten hat die Deutsche Aidshilfe (DAH) mehr Unterstützung durch die Politik sowie eine bessere Ausstattung der kommunalen Suchthilfe
Aidshilfe für mehr Anstrengungen im Kampf gegen Drogentote
11. April 2019
Ottawa – Mehr als 10.000 Kanadier sind seit Beginn der Opioidkrise 2016 an einer Überdosis gestorben. Allein in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres wurden 3.200 Todesfälle registriert, wie
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER