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Medizin

Appendizitis: Bei älteren Patienten sind Neoplasien in Abszessen häufig

Donnerstag, 29. November 2018

/nerthuz, stockadobecom

Turku – In Finnland musste eine Studie zur Antibiotikabehandlung einer Appendizitis mit Abszessbildung bei älteren Erwachsenen vorzeitig abgebrochen werden. Laut dem Bericht in JAMA Surgery (2018: doi:10.1001/jamasurg.2018.4373) wurde in der Nachbeobachtung bei jedem fünften Patienten im Abszess ein Tumor gefunden.

Eine Appendizitis mit Abszessbildung kann heute zunächst konservativ mit Antibiotika und gegebenenfalls mit einer Drainage behandelt werden. Dies vermeidet die Risiken einer Operation, die bei einer komplizierten Appendizitis erhöht sind.

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Die PeriAPPAC-Studie (für „The Treatment of Periappendicular Abscess After the Acute Phase“) sollte klären, ob bei den Patienten nach Abklingen der akuten Entzündung auf eine Intervall-Appendektomie verzichtet werden kann. Vorgesehen war, dass an fünf finnischen Kliniken 122 Patienten mit periappendikulärem Abszess auf zwei Gruppen randomisiert werden. In einer sollte eine Appendektomie erfolgen, in der anderen darauf verzichtet werden.

Nach den ersten 60 Patienten veranlasste das Team um Paulina Salminen von der Universität Turku eine ungeplante Zwischenauswertung. Anlass war eine Häufung von Tumoren in der Gruppe, bei der die Intervall-Appendektomie durchgeführt wurde. Die Studie wurde abgebrochen und auch den Patienten der Kontrollgruppe wurde zu einer Appendektomie geraten.

Nach den jetzt von Salminen vorgestellten Ergebnissen wurde bei 12 von 60 Patienten, also bei jedem fünften, ein Tumor im Bereich des früheren Abszesses gefunden: Bei fünf Patienten ergab die histopathologische Untersuchung eine muzinöse Neoplasie mit niedrigem Grad. Bei drei Patienten wurde ein serratiertes Adenom gefunden. Zwei Patienten hatten ein Adenokarzinom und jeweils einer ein Karzinoid-Tumor, ein muzinöses Zystadenom oder eine Pseudomyxoma peritonei.

Alle Tumore waren bei Patienten im Alter von über 40 Jahren aufgetreten. Der hohe Anteil von Neoplasien ist ungewöhnlich. Frühere Untersuchungen hatten die Häufigkeit mit 0,7 bis 1,7 Prozent beziffert. Die Gründe sind nicht bekannt. Salminen rät allen Patienten mit periappendikulärem Abszess, die zunächst konservativ mit Antibiotika behandelt wurden, zu einer Intervall-Appendektomie.

Die finnische Chirurgin hatte übrigens in einer früheren Studie (APPAC) gezeigt, dass bei einer unkomplizierten Appendektomie häufig auf eine Operation verzichtet werden kann, wenn die Patienten mit Antibiotika behandelt werden. Diese Studie hat in den letzten Jahren die Antibiotikabehandlung als gefahrlose Alternative zur Appendektomie etabliert. Dies trifft jedoch nur auf unkomplizierte Appendektomien ohne Abszessbildung zu. Bei ihnen ist später keine Intervall-Appendektomie erforderlich.

© rme/aerzteblatt.de

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