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Medizin

Botulinumtoxin könnte ein Vorhofflimmern nach Herzoperationen verhindern

Donnerstag, 29. November 2018

/dpa

Rochester/New York und Durham/North Carolina – Die Injektion von Botulinumtoxin in das epikardiale Fettgewebe soll ein Vorhofflimmern nach Herzoperationen verhindern. Die günstigen Ergebnisse einer Pilotstudie konnten in einer weiteren größeren Unter­suchung jedoch nicht bestätigt werden, wie die Publikationen in Heart Rhythm (2018; doi: 10.1016/j.hrthm.2018.08.019 und 021) zeigen.

Etwa 10 bis 50 % aller Patienten entwickeln nach einer offenen Herzoperation ein Vorhofflimmern. Die Komplikation beginnt typischerweise 2 bis 5 Tage nach der Operation. Sie kann die Erholung der Patienten gefährden. Das Risiko von Nieren­versagen, hämodynamischer Instabilität bis hin zu zum Herzversagen und Tod des Patienten ist erhöht.

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Die Ursache wird in einer Reizung des autonomen Nervensystems vermutet, weshalb alle Patienten vorsorglich mit einem Betablocker behandelt werden.

Eine Blockade des autonomen Nervensystems können Ärzte auch durch die Injektion von Botulinumtoxin erzielen, das die Freisetzung des Neurotransmitters Acetylcholin aus den Synapsen blockiert. Das Nervengift wird als „Botox“ häufig für kosmetische Operationen eingesetzt. Es ist bekannt, dass die lähmende Wirkung etwa 1 bis 6 Monate anhält – lange genug, um ein postoperatives Vorhofflimmern zu verhindern.

Ein Team um Jonathan Steinberg von der University of Rochester School of Medicine & Dentistry in Rochester/New York hat die Therapie in einer randomisierten klinischen Studie an 60 Patienten erprobt. In einer früheren Publikation hatte Steinberg berichtet, dass von den 30 Patienten, denen bei der Operation Botulinumtoxin in das epikardiale Fettgewebe injiziert wurde, nur 2 ein postoperatives Vorhofflimmern entwickelten. In der Placebogruppe, denen nur Kochsalz injiziert worden war, entwickelten 9 von 30 Patienten ein Vorhofflimmern (Circulation: Arrhythmia and Electrophysiology 2015; 8: 1334-1341).

Ergebnisse auch nach 3 Jahren konstant

Inzwischen sind 3 Jahre seit den Operationen vergangen, und die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Patienten auch nach dem Abklingen der „Botox“-Wirkung nicht an einem Vorhofflimmern erkranken. Im Gesamtzeitraum wurden nur 2 Patienten wegen eines Vorhofflimmerns hospitalisiert gegenüber 10 in der Placebogruppe. Auch der Anteil der Patienten, bei denen die implantierten Monitore ein Vorhofflimmern nachgewiesen haben, wurde deutlich gesenkt.

Andere Herzchirurgen haben die Idee aufgegriffen. Ein Team um Nathan Waldron von der Duke University in Durham/North Carolina hat in den letzten Jahren in einer Studie 130 Patienten zu Beginn einer offenen Herzoperation Botulinumtoxin oder Placebo in das epikardiale Fettgewebe injiziert.

„Botox“-Behandlung wirkt eventuell nur bei bestimmten Herzoperationen

Insgesamt 23 von 63 Patienten (36,5 %) entwickelten in den Tagen nach der Operation ein Vorhofflimmern. In der Placebogruppe wurde das postoperative Vorhofflimmern bei 32 von 67 Patienten (47,8 %) diagnostiziert. Der Unterschied war mit einer Hazard Ratio von 0,69 und einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,41 bis 1,19 nicht signifikant. Es gab auch keine Unterschiede in den Krankenhausliegezeiten und in der Häufigkeit von unerwünschten Ereignissen. Waldron ist dennoch von der Wirkung überzeugt. Er verweist darauf, dass der Schweregrad des Vorhofflimmerns nach der „Botox“-Injektion geringer sei und hofft, dass die Wirksamkeit der Therapie in einer größeren Studie doch noch belegt werden kann.

Der Editorialist Joris de Groot von der Universität Amsterdam rät bei einer Anschluss­studie auf eine sorgfältige Auswahl der Patienten zu achten. Während an der Studie der Universität in Rochester nur Patienten mit Bypass-Operation teilnahmen, hatten die Herzchirurgen aus Durham auch Patienten mit Klappenersatz oder kombinierten Herzoperationen eingeschlossen. De Groot hält es für möglich, das die „Botox“-Behandlung nur bei bestimmten Herzoperationen erfolgreich ist.

© rme/aerzteblatt.de

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