NewsMedizinBriten brauchten nach dem EU-Referendum mehr Antidepressiva
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Briten brauchten nach dem EU-Referendum mehr Antidepressiva

Donnerstag, 29. November 2018

/ag visuell, stock.adobe.com

London – Die Verschreibung von Antidepressiva ist in Großbritannien unmittelbar nach der Brexit-Entscheidung im Juni 2016 im Vergleich zu anderen Arten von Medikamenten gestiegen. Das berichten Wissenschaftler um Sotiris Vandoros vom King’s College London im Journal of Epidemiology & Community Health des British Medical Journal (doi 10.1136/jech-2018-210637). „Obwohl diese Erkenntnis interpretierbar ist, könnte der Trend durch die erhöhte Unsicherheit einiger Bevölkerungsgruppen nach der Abstimmung ausgelöst worden sein“, so die Forscher.

Sie verglichen die offiziellen monatlichen Verschreibungsdaten für Antidepressiva für alle 326 Wahlbereiche in England mit anderen Medikamentenklassen für Krankheiten, die weniger wahrscheinlich sofort von Stimmungsschwankungen betroffen sind. Dazu gehörten Medikamente zur Behandlung von Eisenmangelanämie, Gicht, Insulinen, Schilddrüsenproblemen, Medikamente zur Senkung des Blutzuckerspiegels und der Blutfette.

Anzeige

Die Forscher untersuchten die Verschreibungsmuster speziell für den Monat Juli für jedes Jahr zwischen 2011 und 16, um die unmittelbaren Folgen des Ergebnisses des Referendums zu erfassen. Die Analyse der Daten zeigte, dass vor dem Referendum die definierten Tagesdosen für Antidepressiva im Juli gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind, ebenso wie die Verschreibungen für Insuline und Gicht-, Eisenmangelanämie- sowie Blutfett- und weitere Glukosemedikamente.

Im Monat nach dem Referendum stiegen die definierten Tagesdosen für Antidepressiva weiter an, wenn auch langsamer, aber die für die anderen Medikamente fielen, nachdem sie eine Phase des Wachstums erlebt hatten. Ausgenommen waren nur Rezepte für Muskelrelaxantien, die bereits rückläufig waren. „Dies ist eine Beobachtungsstudie, und als solche kann sie keine Ursache feststellen“, betonen die Forscher. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

28. September 2018
Berlin – Experten beklagen die hohe Zahl an verordneten Medikamenten gegen Depression in Deutschland. Zuletzt seien sieben Mal so viele Antidepressiva verordnet worden wie noch vor 25 Jahren, erklärte
Experten beklagen hohe Zahl verordneter Antidepressiva
30. August 2018
Palo Alto/Kalifornien – Die schnelle antidepressive Wirkung von Ketamin wurde in einer kleinen randomisierten Studie durch die vorherige Gabe des Opioidantagonisten Naltrexon blockiert. Die im
Macht Ketamin abhängig? Antidepressive Wirkung beruht auf Aktivierung von Opiatrezeptoren
27. Mai 2018
London – Viele Patienten, die mit Antidepressiva behandelt werden, nehmen vor allem im zweiten und dritten Behandlungsjahr deutlich an Gewicht zu, wie die Ergebnisse einer Kohortenstudie im Britischen
Antidepressiva führen zur Gewichtszunahme
12. April 2018
New York – Neugeborene, deren Mütter mit Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) behandelt wurden, zeigen in einer Magnetresonanztomographie (MRT) eine Vergrößerung von Amygdala und Inselrinde, zwei
Antidepressiva: Studie findet Veränderungen in emotionalen Hirnzentren von Feten
27. Februar 2018
Gainesville – Patienten, die Antidepressiva und Triptane gegen Migräne parallel einnehmen, sollen doch kein erhöhtes Risiko für ein Serotonin-Syndrom haben. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse von
Serotonin-Syndrom: Geringes Risiko bei gleichzeitiger Einnahme von Triptanen und Antidepressiva
22. Februar 2018
Oxford – Antidepressiva wirken in der Behandlung schwerer Depressionen signifikant besser als ein Placebo und sind ähnlich gut verträglich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Metaanalyse im Lancet von 522
Antidepressiva wirken ohne Ausnahme besser als Placebo
20. Februar 2018
Hangzhou/China – Das Anästhetikum Ketamin, das nach einmaliger Injektion Major-Depressionen über längere Zeit lindert, erzielt seine Wirkung einer Studie in Nature (2018; doi: 10.1038/nature25509)
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER