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Medizin

Regionale Unterschiede bei Versorgung von Typ-1-Diabetikern

Freitag, 30. November 2018

/ArTo, stock.adobe.com

Düsseldorf/Ulm/Neuherberg – Wie Patienten mit Typ-1-Diabetes versorgt werden, hängt auch davon ab, wo die Patienten in Deutschland leben. Das hat eine Studie eines Forscherteams des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung in Düsseldorf, München/Neuherberg und Ulm ergeben. Die Studie ist in der Zeitschrift Diabetes Care erschienen (doi 10.2337/dc18-0724).

In sozioökonomisch schwächeren Regionen werden demnach seltener Insulinpumpen und lang wirkende Insulinanaloga eingesetzt. Hier haben die Patienten einen höheren Blutzuckerwert (HbA1c) und entwickeln häufiger Übergewicht. Allerdings treten auch seltener gefährliche Hypoglykämien auf.

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Die Wissenschaftler haben die Daten der Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation von 29.284 Patienten unter 20 Jahre ausgewertet. Sie erfassten unter anderem, wie häufig eine Pumpentherapie und schnell oder lang wirkenden Insulin-Analoga eingesetzt werden, und ob eine kontinuierliche Gewebsglukosemessung (CGMS) genutzt wird. Außerdem erfassten sie Therapieergebnisse, unter anderem den HbA1c-Wert und die Prävalenz von Übergewicht.

Zur Einordnung der regionalen sozioökonomischen Situation hat das Team den „German of Index Multiple Deprivation 2010“ (GIMD 2010) genutzt. Diesen Deprivationsindex hat Werner Maier vom Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen, Helmholtz Zentrum München, Neuherberg, konzipiert.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Patienten in den sozioökonomisch am stärksten benachteiligten Regionen weniger häufig lang wirksame Insulinanaloga erhalten (64,3 Prozent) als Patienten in den sozioökonomisch stärksten Regionen (80,8 Prozent). Auch kontinuierliche Glukoseüberwachungssysteme werden in den sozioökonomisch schwächsten Regionen seltener eingesetzt (bei 3,4 Prozent der Patienten) als in den sozioökonomisch stärksten Regionen (bei 6,3 Prozent der Patienten).

Unterschiede zeigen sich ebenso bei den Therapieergebnissen. Der durchschnittliche HbA1c-Wert liegt in den sozioökonomisch schwächsten Regionen bei 8,07 Prozent (65 mmol/mol) und in den sozioökonomisch stärksten Regionen bei 7,84 Prozent (62 mmol/mol). Zudem leiden die Patienten in den am stärksten benachteiligten Regionen häufiger an Übergewicht.

Die Prävalenz liegt hier bei 15,5 Prozent, in den sozioökonomisch privilegierten Regionen bei 11,8 Prozent. Allerdings sind die Patienten in den sozioökonomisch schwächsten Gebieten seltener von schweren Unterzuckerungen betroffen. Die Rate der schweren Hypoglykämien beträgt hier nur 6,9 Ereignisse pro 100 Patientenjahre verglichen mit 12,1 Ereignissen in den sozioökonomisch stärksten Gebieten.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Therapieergebnisse von Patienten in sozioökonomisch benachteiligten Regionen durch einen häufigeren Einsatz von Pumpentherapie und der kontinuierlichen Gewebsglukosemessung verbessern könnten“, zieht die Wissenschaftlerin Stefanie Lanzinger vom Institut für Epidemiologie und Medizinische Biometrie an der Universität Ulm ein Fazit.

© hil/aerzteblatt.de

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