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Medizin

ADHS: Häufigere Diagnose nach (zu) früher Einschulung

Freitag, 30. November 2018

Kinder spielen auf einem Schulhof. /dpa
Der relative Altersunterschied in der Grundschule ist groß, bis zu ein Jahr kann die Altersdifferenz unter  Mitschülern betragen. /dpa

Boston – Wird bei einigen Kindern die Diagnose einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) nur deshalb gestellt, weil sie im falschen Monat geboren wurden? Eine Studie im New England Journal of Medicine (2018; 379: 2122-2130) zeigt, dass die ADHS in den USA bei August-Kindern zu einem Drittel häufiger diagnostiziert wird als bei Kindern, die einen Monat später geboren werden. Der Grund ist der Stichtag für die Einschulung, in vielen US-Staaten der 1. September.

Die Zahl der ADHS-Diagnosen bei Kindern ist in den USA in den letzten Jahrzehnten dramatisch angestiegen. Nach einer Umfrage aus dem Jahr 2016 werden mehr als 5 % aller Kinder im Alter von 2 bis 17 Jahren irgendwann einmal ADHS-Medikamente verordnet.

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Die Initiative für die Medikation geht häufig von den Lehrern aus. Diese berichten den Eltern, dass ihr Kind im Unterricht unruhig ist und sich nicht längere Zeit konzentrieren kann. Die Eltern wenden sich besorgt an einen Arzt, weil sie Nachteile für die schulische Karriere ihres Kindes befürchten. In der Regel verlassen sie die Praxis mit einem Rezept für Methylphenidat oder ein anderes ADHS-Medikament.

Altersunterschied als Ursache für ADHS-Symptome

Die ADHS ist jedoch nicht der einzige Grund, warum manche Kinder in der Grundschule nicht still sitzen können. Eine fehlende Schulreife könnte ebenfalls dazu führen, dass die Kinder kein Interesse am Unterricht entwickeln. Der relative Altersunterschied in der Grundschule ist groß. Ein Kind, dass am 31. August, einen Tag vor dem Stichtag geboren wurde, ist bis zu ein Jahr jünger als seine Mitschüler.

Timothy Layton von der Harvard Medical School in Boston und Mitarbeiter haben jetzt bei 407.846 Grundschülern der Geburtsjahrgänge 2007 bis 2009 den Geburtsmonat mit der Zahl der AHDS-Diagnosen in Verbindung gesetzt.

Von den 36.319 Kindern, die im August geboren wurden, hatten 309 die Diagnose einer ADHS erhalten. Das ergibt eine Prävalenz von 85,1 auf 10.000 Kinder. Von den 35.353 Kindern, die im September geboren wurden, hatten nur 225 eine ADHS-Diagnose erhalten. Die Prävalenz betrug 63,6 auf 10.000 Kinder. Kinder, die im August geboren wurden, hatten damit zu 34 % häufiger eine ADHS-Diagnose. Ähnliche Unterschiede gab es bei der Medikation: Die Prävalenz betrug beim Geburtsmonat August 52,9 auf 10.000 und im Geburtsmonat September 40,4 auf 10.000 Kinder. Das ist ein Unterschied von 32 %.

Vor der Einschulung war die Rate der Diagnosen nicht vom Geburtsmonat abhängig und in US-Staaten, die keine festen Stichtage für die Einschulung haben, war der Unterschied deutlich geringer.

Layton schließt aus den Ergebnissen, dass eine zu frühe Einschulung ein häufiger Grund für die Diagnose ADHS und die Verordnung von Medikamenten ist.

Ähnliche Phänomene gibt es auch in anderen Bereichen. So wurde festgestellt, dass kanadische Profi-Eishockeyspieler auffällig häufig in den ersten Monaten des Jahres geboren wurden. Der Grund ist vermutlich, dass in den Jugendhockey-Ligen der 1. Januar der Stichtag für die Aufnahme ist. Kinder, die im Dezember geboren wurden, müssen ein Jahr länger warten, bis sie aufs Eis dürfen. Im Januar Geborene haben einen Trainingsvorteil, der später bei der Bewertung für die Elite-Ligen den Ausschlag geben kann. Eine andere Untersuchung ergab, dass Kinder, die kurz nach dem Stichtag geboren werden, bessere Schulnoten erzielen.

© rme/aerzteblatt.de

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Avatar #749369
Ambush
am Samstag, 1. Dezember 2018, 12:12

Medikation mit Stimulantien bei Normalpersonen ohne ADHS nicht lohnend

Um noch etwas relevantes zu dem immer häufiger thematisierten Problem des sogenannten Hirndoping , Neuro-Enhancement zu sagen: das ist eine Gespensterdebatte , Stimulantien in bei ADHS therapeutischer Dosierung haben bei Normalpersonen eine Wirkung , die nicht maßgeblich über die von Kaffee hinausgeht (bei ADHS wird dagegen oft von einem off-on-Effekt berichtet ) und entgegen bestimmter Berichte in der Presse kann man damit aus einem Dummkopf auch kein Genie machen , die entsprechende Medikation bewirkt, dass der ADHS-Betroffene das vorhandene Potential abrufen kann, mehr nicht. Publikumswirksame TV-Inszenierungen wie die von Jenke von Willmsdorf, der bei dem Abschnitt zu Ritalin all seiner schauspielerischen Kapazitäten ausschöpfen musste (und selbst das wirkte nun alles andere als spektakulär) werden ausgetragen auf dem Rücken von mehreren Millionen entsprechender Patienten in Deutschland, die von einer Therapie mit Stimulantien tatsächlich profitieren würden. Zu dem obigen Artikel: in Deutschland wird in der Tat verglichen mit kulturell eher angloamerikanisch beeinflussten Ländern (UK, Irland, Holland, Dänemark) die medikamentöse Therapie bei ADHS sehr zurückhaltend eingesetzt und ADHS übrigens insgesamt (zu Unrecht) weniger liberal diagnostiziert. Das ist nicht unbedingt positiv zu bewerten. Ich selbst hätte ohne die Therapie mit dem Standard-Medikament bei ADHS niemals mein 1er-Abitur erreichen und mein Studium abschließen können, sondern wäre möglicherweise ohne irgendwann als Junkie am Bahnhof gelandet.
Je weiter man in Europa nach Osten kommt, desto kulturell rückständiger ist man (auch) in Sachen ADHS . In Russland z.B. ist Methylphenidat generell verboten und die schärfsten Ritalin-Gegner in Deutschland findet man bei der AfD. Und auch in Deutschland wird Methylphenidat mangels adäquater ärztlicher Versorgungslandschaft für ADHS eben sehr oft im Internet bestellt (persönlich in der Vergangenheit solche Fälle mitbekommen). Dass die große Mehrheit der sogenannten Hirndoper (es geht bei der Hirndoping-Debatte in Wahrheit nur um Ritalin und nur um ADHS , die parallel genannten Wirkstoffe Modafinil etc. sind bedeutungslos und haben nur Alibi-Funktion, um zu verschleiern, dass es nur um Ritalin geht) verkappte Fälle von undiagnostiziertem ADHS sind und es dieses Hirndoping als verkappte Therapie der ADHS seit mindestens den 60er Jahren gibt, wird auch von den meisten Psychiatern leider nicht verstanden. Zuletzt gab es eine “bemerkenswerte” Studie über die Häufigkeit von ADHS in der Allgemeinpsychiatrie mit Prof. Arno Deister (Präsident der DGPPN und damit ein absolutes Schwergewicht) als Co-Autor http://news.doccheck.com/de/blog/post/8424-59-prozent-von-patienten-der-allgemeinpsychiatrie-haben-adhs/ das Ergebnis dieser Studie mit in dem Fall 59% ADHS in der Allgemeinpsychiatrie ist so brachial , dass die möglichen Konsequenzen vielleicht noch gar nicht durchgedrungen sind.
Mal angenommen, diese Studie mit 59% verkapptem ADHS in der Allgemeinpsychiatrie stimmt, das bedeutet, dass seit Anbeginn der modernen Geschichte der Psychiatrie die entsprechenden Patienten nur in ihren Begleit- und Folgeerkrankungen aber nicht ursächlich in ihrem ADHS therapiert wurden. Was das für die persönlichen Schicksale aber auch für die volkswirtschaftlichen Kosten bedeutet, dürfte ebenfalls in Quantität und Qualität brachial sein. Wie prognostiziert doch Russel Barkley , der weltweit renommierteste Wissenschaftler bezüglich ADHS, wonach ADHS sich irgendwann einmal als das “zentrale Thema in der Psychiatrie insgesamt herausstellen wird”.

ansonsten darf man hier noch das fernsehjournalistische Standardwerk zu ADHS empfehlen, die Spiegel-TV-Dokumentation “Zappelphilipp und Traumsuse – Leben mit ADHS” http://www.spiegel.tv/videos/140142-leben-mit-adhs , ich schließe mich dem Satz an der dort fällt, einem entsprechend Bedürftigen eine solche Medikation vorzuenthalten ist “…unterlassene Hilfeleistung und Kindeswohlgefährdung…” , was nebenbei auch in meiner Biographie so gegolten hätte.

zu den doch sehr unterschiedlichen pharmakologischen Eigenschaften der verschiedenen Stimulantien noch das hier:
Zwischen Methylphenidat, Amphetamin bzw. Dexamphetamin bzw. Lisdexamphetamin, Methamphetamin, Kokain, Captagon ( heute Panzerschokolade für IS-Kämpfer) , Modafinil etc. bestehen jeweils relevante pharmakologische Unterschiede. Methamphetamin , einst als Panzerschokolade bzw. Pervitin für Wehrmachtspiloten auf den Markt gebracht und später mutmaßlich beim Wunder von Bern und durch John F. Kennedy ( Dr. Feelgood) missbraucht – nebenbei soll Kennedy auch ADHS (leichtgradig) gehabt haben, auf dem ADHS-Weltkongress in Glasgow 2015 gab es ein Theatherstück zur Kindheit und Jugend von J.F. Kennedy http://kolleg-dat.de/wp-content/uploads/2016/pdf/Glasgow-Report-2015-CordulaNeuhaus%20(3).pdf (S. 48 von 71: “Eine “Glanznummer” – Ein diagnostisches Interview des 21-jährigen JFK (gespielt durch einen jungen Wissenschaftler Ryan Kennedy) durch Prof. Thomas Brown (Yale University)”) , macht aufgrund der Methylierung abhängig, Amphetamin wiederum lange nicht in dem Ausmaß. Für Methylphenidat ist weltweit kein einziger Fall von Abhängigkeit bekannt. Der Blick auf das Detail ist (wie immer) angebracht.

Zur Akzeptanz von ADHS in der Ärzteschaft :

Spätere Generationen von Ärzten werden sich fragen warum neue Erkenntnisse jahrzehntelang ignoriert werden konnten. Wie bei Semmelweiss. Siehe auch Semmelweissreflex. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Semmelweis-Reflex , ich habe das Gefühl , der nächste Fall oder das Pendant heute von Kindsbettfieber wie bei Semmelweis , das ist ADHS ….nebenbei ist beim Verhältnis von Psychiater zu ADHS-Betroffener bzw. Person, die beim Psychiater nach einer entsprechenden Diagnostik fragt, sehr oft nicht nur Unverständnis erkennbar, sondern auch eine generelle persönliche Antipathie (und wenn eine Behandlung oder Diagnostik aus diesem Grund verweigert wird, ist das klar unethisch ) , das dürfte zu tun haben mit dem Typus des Preußischen Militärarztes , das ist der komplette Antipol zu ADHS bzw. ADHS-Persönlichkeit . Eine Werbung für diesen Berufsstand ist es jedenfalls nicht.

Avatar #749369
Ambush
am Samstag, 1. Dezember 2018, 00:33

Mehr als 25 Jahre Ignoranz , Desinteresse , Unverständnis und Ablehnung durch die Mehrheitsgesellschaft , aber insbesondere durch die Ärzteschaft bei ADHS

…. dem Journalismus muss man dabei zu Gute halten, dass, seit mehr und mehr die wahre quantitative Dimension von ADHS durchdringt, man dort die Fehler der Vergangenheit erkannt hat und von dem ca. 20 bis 25 Jahre dauernden Bashing gegen ADHS auf Ratgeber-Berichterstattung umgeschwenkt ist, definitiv lobenswert... solche Kurswechsel erfolgen aber meist still und heimlich und der eigene Irrtum über Jahrzehnte , der wird nicht lautstark eingeräumt und in de Welt hinaus geschrien, der wird still und heimlich verschwiegen... wie war das denn noch bei dem häufigen ADHS-Bashing auf Frontal 21 und der Gruppe um Astrid Randerath vom ZDF , da kamen in regelmäßigen Abständen haarsträubende, stark tendenziöse Beiträge gegen ADHS , und ein gewisser Jörg Blech vom Spiegel, der hat dort in der Spiegel-Printausgabe in regelmäßigen Abständen seine Meinungen (Meinungen und nicht Fakten) gegen ADHS und seine subtanzlosen, anti-psychiatrischen Thesen insgesamt aufstellen dürfen... weil es gesamtgesellschaftlich hoffähig war... oder ein gewisser "Prof. Dr. Gerald Hüther" , auf dem wichtigsten Ärztekongress in Deutschland überhaupt, dem Hauptstadtkongress 2011, da durfte dieser "Guru" seine Ansichten gleich ganz besonders prominent platziert in der Eröffnungsrede verbreiten: https://videogold.de/begeisterung-schluessel-zur-menschlichen-entwicklung-gerald-huether-vortrag-2011/ , was wirklich dahinter war hinter dem ADHS-Bashing von dem Herrn "Prof. Dr." ohne Lehrstuhl , das wussten die Kongressverantwortlichen und die meisten Vertreter der Ärzteschaft dort wohl eben nicht, dazu hier: https://www.zeit.de/2013/36/bildung-schulrevolution-bestsellerautoren bzw. https://www.psiram.com/ge/index.php/Gerald_H%C3%BCther und https://www.weltanschauungsfragen.de/informationen/informationen-a-z/informationen-s/sinnstiftung/lange-version/ welche unrühmliche Rolle die Medien in der Vergangenheit bei der Hüther-Hofberichterstattung eingenommen haben, verdeutlicht die Live-Schalte mit Hüther im Heute Journal zur besten Sendezeit: https://www.youtube.com/watch?v=A6vtFS_CwkA ...nun ist es generell so, dass man Peinlichkeiten eben lieber totschweigt anstatt sie herum zu posaunen... und die ganzen ADHS-Kritiker in den Medien... die sind dort weitgehend verstummt... so etwa ein gewisser Guido Bohsem noch 2013 in der Süddeutschen: https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/adhs-und-ritalin-wir-haben-laengst-amerikanische-verhaeltnisse-1.1586583 , zu solchen ad-hoc-Verurteilungen wie dort in dem Artikel von Guido Bohsem entgegne ich das hier:

Was diese ganze Hirndoping, Neuro-Enhancement,-Gespensterdebatte angeht, diese wird ja vor allem in der linken Hälfte des politischen Spektrums gerne aufgegriffen und für pauschale Kapitalismus-Kritik verwendet, nach dem Motto: “Die Mama von dem ADHS-Kind, die will halt zu viel vom Leben und wenn sie nicht ihre 3 Nebenjobs gleichzeitig machen würde, um sich die 3-malige Urlaubsreise pro Jahr zu finanzieren, dann hätte sie auch wieder mehr Zeit für das ADHS-Kind und das ADHS-Kind bräuchte dann kein Ritalin mehr.” Zuwendung statt Ritalin. Ja, schön, wenn es so einfach wäre. Solche ad-hoc Verurteilungen, die kamen in der Vergangenheit oft gerade von linksliberalen Journalisten wie Guido Bohsem von der Süddeutschen, die einer wohlhabenden städtischen Elite bzw. Münchener Schickeria angehören und die sich im Gegensatz zu den allermeisten Familien in Deutschland tatsächlich eine 3-malige Urlaubsreise im Jahr leisten können.
Es wir letztendlich bei dieser Gespensterdebatte um Hirndoping das komplexe Thema ADHS und Ritalin (und um nichts anderes geht es dabei, Modafinil ist sehr nachrangig und dient nur als Alibi, um zu verschleiern, dass es nur um Ritalin geht) vermischt mit pauschaler Kapitalismus-Kritik. Nichts gegen eine mitfühlendere Welt, nichts gegen Entschleunigung und Muse, aber an die vielen leider auch Ärzte und sonstige “Fachleute”, die bei ADHS und Ritalin vorschnell vorurteilen: erst mal schlau machen und dann erst reden.

alternativ gibt es natürlich auch die Möglichkeiten, Fakten immer weiter zu ignorieren und weiter zu machen wie bisher, dieser Vorwurf richtet sich hinsichtlich ADHS insbesondere an die Ärzteschaft und zuvorderst an die Zunft der Psychiater und auch Kinder- und Jugendpsychiater, dazu hier ein recht anschaulicher Link: https://adhsspektrum.wordpress.com/2014/03/28/es-kann-nicht-sein/ , ja, und ich selbst, ich hatte im PJ mal einen Oberarzt, der mutmaßlich auch dachte, dass er es per se besser weiß, der sagte dann in einem Seminar gegenüber uns Studenten "...ich möchte mich bei der Gelegenheit outen als ADHS-Gegner..." , eine Begründung für seine wissenschaftlich so fundierten Ansichten und seine mutmaßlich auch entsprechende Handhabung als praktizierender Psychiater ist er selbstverständlich schuldig geblieben, Gruß an PD Dr. nach Würzburg , ich empfand Sie wirklich als ärztliches Idol und Ihr Verständnis von ärztlichem Ethos ist sicherlich inspirierend auch gerade für den ärztlichen Nachwuchs ….


Ja, ein noch viel größeres Problem, was die Blockadehaltung bei ADHS angeht, das findet sich in Teilen der Ärzteschaft selbst und da dort das Zugeben von Irrtümern und Fehlern nicht gerade vorgelebt wird, wird das wohl auch noch dauern...


Für das Covern des quantitativ bisher dramatisch unterschätzten Themas ADHS (insbesondere auch dessen gesamtgesellschaftliche und volkswirtschaftliche Bedeutung bzw. eben auch Problematik) jedenfalls Chapeau an ärzteblatt online


Avatar #687997
Pro-Natur
am Freitag, 30. November 2018, 22:18

Ablenkung von der Ursache: Impfungen

Alle Ablenkungen von der Mitschuld der Ärzteschaft an ADHS ist anscheinend willkommen. ADHS ist eine neurologische Störung, die spätestens in der Schule auffällt. Impfungen sind u.a. ein Angriff auf das frühkindliche Nervensystem. Das Resultat ist u.a. ADHS.
Avatar #749369
Ambush
am Freitag, 30. November 2018, 18:13

ADHS ist zunächst mal keine Krankheit

….hier noch ein paar Dinge, die das Verständnis der Thematik erleichtern:

das Thema ADHS und Evolution oder ADHS und Evolutionäre Anthropologie habe ich bereits mehrfach ausgeführt und verlinke lediglich darauf: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/sw/ADHS?nid=99428 , dennoch auch hier wieder der relevanteste Part nochmals zum Verständnis:

Das Thema Evolution und ADHS fassen folgende Sätze des deutschlandweit führenden Genetikers (und auch einer der weltweit führenden Genetiker) zu ADHS Prof. Klaus-Peter Lesch von der Psychiatrie der Uniklinik Würzburg zusammen:”…Früher vermuteten die Forscher, einige wenige Gene würden ADHS auslösen; doch das trifft, wenn überhaupt, nur auf ganz wenige Familien zu. Für die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung gilt: Vermutlich sind es 500 bis 1000 Gene, die einen – jeweils minimalen – Einfluss auf das Temperament und die Konzentrationsfähigkeit des Menschen haben. Diese sind mithin auch keine Krankheitsgene, vielmehr gehören sie zur natürlichen Ausstattung des Menschen. “ADHS ist ein Extrem einer Persönlichkeitsvariante, das zunächst einmal gar keinen Krankheitswert besitzt”, bestätigt auch Klaus-Peter Lesch. Diese milden Ausprägungsformen von ADHS seien in einem Fünftel der Bevölkerung vorhanden und hätten sich im Laufe der Evolution des Homo sapiens immer wieder als vorteilhaft durchgesetzt. Lesch: “Der hohe Energiepegel, der Enthusiasmus, sich mit einer Sache auseinanderzusetzen, die große Kreativität, die Fähigkeit zum Querdenken und der Gerechtigkeitssinn – all das sind Ressourcen, die für unsere Gesellschaft wichtig sind.” zu finden in dem Artikel des ADHS-Gegners Jörg Blech im Spiegel: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-99311928.html

ADHS wird angesichts von wahrscheinlich ca. der Hälfte der Psychiatrie-Patienten insgesamt mit Auffälligkeiten im Sinne von ADHS nach wie vor unterdiagnostiziert: http://news.doccheck.com/de/blog/post/8424-59-prozent-von-patienten-der-allgemeinpsychiatrie-haben-adhs/ , https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=deister+adhd

wovon der Krankheitswert von ADHS abhängig ist, habe ich im Kommentar darunter ausgeführt... jedenfalls gibt es eben auch bei ADHS mit Krankheitswert Stärken und Vorteile , nicht umsonst wird Hollywood in entsprechenden Kreisen bereits als ADHD City tituliert ( da haben sich auch in den letzten Jahren einige geoutet mit einer entsprechenden Diagnose ADHS auch, so Ryan Gosling , Channing Tatum , etc. ) …. man findet ADHS oft gerade in Künstlerischen Berufen aller Richtungen, nicht nur Schauspieler , auch Musiker ( Justin Timberlake mit entsprechendem Outing zu ADHS , aber auch Britney Spears ) … zu den zahllosen Künstlern mit ADHS hier: https://www.adhspedia.de/wiki/Bekannte_Persönlichkeiten_mit_ADHS …. im Übrigen beschränkt sich die Thematisierung von ADHS schon längst nicht mehr nur auf die westliche Welt, das Land , in dem aktuell weltweit am meisten Forschung zu ADHS betrieben wird, ist die Türkei (bei einer in die Städte gezogenen Bevölkerung und gleichzeitiger sehr hoher Prävalenz von ADHS auch erklärbar ) und in Fernost ist dieses Thema längst existent … so z.B. Japan , wo es wahrscheinlich bis zu um die 20% ADHS in der Bevölkerung gibt, ja , man denkt bei Japan ja nun erst mal an Disziplin und Kollektivismus , aber auch dort gibt es eine Mehrheitsgesellschaft und mehr oder weniger auffällige "Minderheiten" , die Hikikomori , soziophobe Jugendliche und psychisch labile Schottenrock-Lolitas in Tokio , alles assoziiert mit ADHS wahrscheinlich, die hohe Selbstmordrate in Japan dort auch wohl teilweise auf ADHS zurückzuführen ,in China ist es auch längst ein Thema , bei Berichten aus der Yellow Press fehlt natürlich die Verlässlichkeit, aber dennoch: https://www.jaynestars.com/news/jaycee-chan-reveals-father-jackie-chan-has-ocd-and-adhd/ , aber wo man als von ADHS Betroffener eben untergeht, das sind 9-to-5-Bürojobs (abhängig vom Schweregrad von ADHS ) und dort, wo man kontinuierlich Befehle von oben ausführen soll, man ist sozusagen mit ADHS entweder der Chef oder der Kloputzer , aber dazwischen wird es schwierig...

Kennedy soll übrigens auch ADHS (leichtgradig) gehabt haben, auf dem ADHS-Weltkongress in Glasgow 2015 gab es ein Theatherstück zur Kindheit und Jugend von J.F. Kennedy http://kolleg-dat.de/wp-content/uploads/2016/pdf/Glasgow-Report-2015-CordulaNeuhaus%20(3).pdf (S. 48 von 71: “Eine “Glanznummer” – Ein diagnostisches Interview des 21-jährigen JFK (gespielt durch einen jungen Wissenschaftler Ryan Kennedy) durch Prof. Thomas Brown (Yale University)”)
Avatar #749369
Ambush
am Freitag, 30. November 2018, 16:54

Überdiagnostizierung bei früher Einschulung oder Unterdiagnostizierung anderswo ADHS Dimension und nicht alles oder nichts

Daraus geht nicht hervor, ob die Stichtag-Kinder überdiagnostiziert werden oder aber die restlichen Kinder unterdiagnostiziert werden … wahrscheinlich ist beides mehr oder weniger der Fall. Man sollte den ganzen Bereich um ADHS auch nicht immer abhängig von Diagnose ja oder nein betrachten, wo der Cut-off in ICD-10 oder DSM-5 festgelegt wurde, das ist aufgrund des dimensionalen Charakters von ADHS (nicht alles oder nichts, nicht schwarz oder weiß, sondern verschiedenste Grautöne bzw. es gibt ganz leichte und ganz schwere Fälle ) ohnehin beeinflusst von politischen Zwängen und weltanschaulichen Aspekten … entscheidend ist, wann ein Leidensdruck im Zusammenhang mit einer ADHS-Symptomatik besteht, ob der oder die Betroffene dann als ADHS-Patient/in nach ICD-10 oder als bloße ADHS-Persönlichkeit mit entsprechender Auffälligkeit geführt wird, das ist eine technische Frage (von der aber wiederum der Anspruch auf medizinische Versorgung in der Hinsicht ja oder nein abhängig ist) …. jedenfalls sollte bei entsprechenden Auffälligkeiten zumindest nach ADHS sondiert werden und bei in Wahrheit bis zu 10% ADHS an der Gesamtbevölkerung in Deutschland (anderswo wahrscheinlich ein Mehrfaches davon an ADHS , Stichwort Griechenland ) wird ADHS hierzulande eben nach wie vor nicht überdiagnostiziert sondern immer noch unterdiagnostiziert , Stichwort ADHS bei Frauen z.B. https://www.refinery29.com/de-de/2017/04/151067/mein-recht-auf-adhs bzw. auch ADHS bei Migranten etc. …. es ist eben so eine "tricky" Sache , dass ADHS eben zunächst mal eine Normabweichung ist, die abhängig von Schweregrad, Umweltbedingungen, Umfeld , Sozialisation und primären Komorbiditäten (ich z.B. habe quasi von Geburt an ein leichtes Tourette-Syndrom als primäre Komorbidität zusätzlich zu ADHS , ca. die Hälfte der Tourette-Patienten hat übrigens zusätzlich ADHS , ebenso hat ein hoher Anteil der Epileptiker zusätzlich ADHS , ADHS als Hirnentwicklungsstörung eben, Legasthenie auch dasselbe, Kurt Cobain hatte ADHS und Bipolare Störung als primäre Komorbidität , eine Freundin hat Diagnose ADHS und Diagnose Schizoaffektive Störung als primäre Komorbidität ) Krankheitswert erlangen KANN! , aber eben NICHT Krankheitswert erlangen MUSS !
LNS

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