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Medizin

Erkrankungszahlen von Typ-1-Diabetes steigen um mehr als drei Prozent pro Jahr

Freitag, 30. November 2018

/rkris, stock.adobe.com

Belfast – Die Zahl der Erkrankungen am Typ-1-Diabetes bei Kindern nimmt derzeit in Europa um 3,4 Prozent pro Jahr zu. Sollte der in Diabetologia (2018; doi: 10.1007/s00125-018-4763-3) berichtete Trend anhalten, dann könnte sich die Zahl der Erkrankungen in den nächsten 20 Jahren verdoppeln. Einige Regionen verzeichnen eine zyklische Zunahme, für die es bisher keine Erklärung gibt.

Der Typ-1-Diabetes ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die meist im Kindesalter beginnt. Die Erkrankungszahlen nehmen in den meisten entwickelten Ländern zu. Für die USA wurde zuletzt ein Anstieg um 1,8 Prozent pro Jahr beschrieben, in Kanada beträgt die jährliche Steigerungsrate 1,3 Prozent, in Australien liegt sie bei 0,3 Prozent. In China nimmt die Zahl der Kinder mit Typ-1-Diabetes derzeit drastisch – um 12,0 Prozent pro Jahr zu.

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Christopher Patterson von der Queen's University Belfast legt jetzt aktuelle Zahlen für Europa vor. Die Analyse basiert auf den Daten des EURODIAB-Registers, an dem sich 26 europäische Zentren aus 22 Ländern beteiligen. In allen Ländern ist es im Zeitraum von 1989 bis 2013 zu einer Zunahme gekommen, die allerdings unterschiedlich ausfällt.

Am schnellsten steigen die Erkrankungszahlen derzeit in Polen. In der Region Katowice liegt das jährliche Wachstum bei 6,6 Prozent. Am geringsten ist die Zunahme in Spanien (Katalonien). Dort nimmt die Zahl der Kinder mit einem Typ-1-Diabetes nur um 0,5 Prozent zu.

Aus Deutschland liegen Zahlen aus Sachsen (plus 4,4 Prozent/Jahr), Baden-Württemberg (plus 4,1 Prozent/Jahr) und Nordrhein-Westfalen (plus 2,6 Prozent/Jahr) vor. Nordrhein-Westfalen und Sachsen gehören neben Oxford/England und der Schweiz zu den Regionen, in denen die Inzidenzrate nicht linear, sondern mit einer vierjährigen Periodizität ansteigt.

Dies reizt zu Spekulation. Könnten Infektionen ein Trigger für den Typ-1-Diabetes sein? Kinderkrankheiten, etwa die Masern, hatten vor Einführung der Impfung eine ähnliche Periodizität. Eine Assoziation der Typ-1-Diabetes-Erkrankungen mit Infektionen wurde jedoch bisher nicht nachgewiesen. Auch die Suche nach Umweltfaktoren oder Gen-Umwelt-Interaktionen blieb bisher erfolglos.

Für alle Zentren zusammen ermittelt Patterson einen Anstieg der Erkrankungen um 3,4 Prozent pro Jahr. In der Altersgruppe von 0 bis 4 Jahren lag die Zunahme für Jungen und Mädchen bei 3,7 Prozent. In der Altersgruppe der 5- bis 9-Jährigen nimmt die Erkrankungshäufigkeit bei Jungen um 3,4 Prozent und bei Mädchen um 3,7 Prozent pro Jahr zu. In der Altersgruppe von 10 bis 14 Jahren ist die Steigerungsrate bei Jungen derzeit mit 3,3 Prozent pro Jahr höher als bei Mädchen mit 2,6 Prozent pro Jahr.

© rme/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 1. Dezember 2018, 07:55

Perinatologie vom Hörensagen?

"MPeuser", wo haben Sie denn das bloß wieder her?
"...bei der Vaginalgeburt wird der Anus des Neugeborenen sofort mit einem Creme verschlossen..." ???
Wie viele Geburten haben Sie denn geleitet? Wie viele Neugeborene versorgt? Wie viele Mütter, Kleinkinder und Väter beraten?
Wie heißt diese("r") Creme und was sind die wirksamen Inhaltsstoffe?
Sagen Sie jetzt bloß nicht: "Ja, wenn man das mit Aloe vera machen würde..."
Und sollen wir jetzt 1 x jährlich ("Die Kosten betragen EUR 0,02") mit einer "Mini-Stuhltransplantation per Wattestäbchen" gesunde "Scheiße" essen um gesund zu bleiben?

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
P.S.: Dank des medizinischen Fortschritts und Evidenz-basierter-Medizin (EbM) kann der Typ-1-Diabetes mellitus derart gut behandelt, eingestellt und kontinuierlich überwacht werden, dass der Kinderwunsch trotz genetischer Disposition, positivem Erbgang und erhöhtem Erkrankungsrisiko bei den Nachkommen im Gegensatz zu früheren Zeiten wesentlich häufiger realisiert wird. Es sind, wie so oft, bio-psycho-soziale Einfluss- und Stellgrößen, welche die Erkrankungszahlen bei Typ-1-Diabetes mellitus ansteigen lassen.
Avatar #724084
MPeuser
am Freitag, 30. November 2018, 23:17

Diabetes-1 nimmt ständig zu

Diabetes-1 nimmt immer weiter zu, weil bei der Geburt unnatürliche dumme Fehler gemacht werden. Bei der Kaiserschnittgeburt fehlt die natürliche Stuhltransplantation von der Mutter auf das Neugeborene und bei der Vaginalgeburt wird der Anus des Neugeborenen sofort mit einem Creme verschlossen. Kein Säugetier macht solche Fehler!
Deshalb sollte bei jeder Geburt stets zur Sicherheit eine Mini-Stuhltransplantation per Wattestäbchen von der gesunden Mutter zum Säugling stattfinden. So kommen die 1000 verschiedenen lebenswichtigen Bakterien in den sterilen Darm des Neugeboreren und bilden dort innerhalb weniger Tage die gesunde Darmflora. Die Kosten betragen EUR 0,02 und der Zeitaufwand beträgt 1 Minute.
Michael Peuser
Staatspreisträger in Brasilien
LNS

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