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Medizin

Masernerkrankungen nehmen weltweit wieder zu

Freitag, 30. November 2018

/MaZi, stock.adobe.com

Genf – Ein Rückgang der Impfungen hat im vergangenen Jahr zu einem Anstieg von Masernerkrankungen in Afrika, Venezuela und Teilen Europas geführt. Ein seit dem Jahr 2000 anhaltender Trend zu weniger Erkrankungen hat sich laut einem Bericht im Weekly Epidemiological Record (2018, 93, 633-648) umgekehrt und die Zielvorgaben der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) rücken wieder in unerreichbare Ferne.

Die Weltgesundheitsversammlung (WHA), das höchste Entscheidungsgremium der WHO, hatte 2010 drei Ziele für die Reduktion der Masern festgelegt. Bis 2015 sollten in allen Ländern mehr als 90 Prozent aller Kinder die erste Masernimpfung erhalten (mehr als 80 Prozent in allen Distrikten eines Landes). Dadurch sollte die Inzidenz auf unter 5 Fälle pro 1 Million Einwohner fallen und die Sterblichkeit um 95 Prozent gesenkt werden. Im „Global Vaccine Action Plan“ von 2012 wurde festgelegt, dass die Masern bis 2015 in vier und bis 2020 in fünf der sechs WHO-Regionen eliminiert werden sollen.

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Keines dieser Ziele wurde erreicht, obwohl Fortschritte erkennbar sind: Die Quote für die erste Masernimpfung ist nur von 72 auf 85 Prozent gestiegen, die Inzidenz der Erkrankung um 83 Prozent von 145 auf 25 pro 1 Million Einwohner gefallen, und statt 545.174 Menschen im Jahr 2000 sind 2017 nur noch 109.638 Menschen an den Masern gestorben (die beiden Zahlen sind grobe Schätzungen: das 95-Prozent-Konfidenzintervall reicht bei den aktuellen Maserntodesfällen von 46.123 bis 376.619). Laut der WHO haben Masernimpfungen seit 2000 etwa 21,1 Millionen Todesfälle verhindert.

Trotz der Erfolge ist man bei der WHO nicht zufrieden. Da das Masernvirus nur beim Menschen vorkommt und die Impfung (nach der zweiten Dosis) zuverlässig vor einer Erkrankung schützt, gehören die Masern zu den vermeidbaren Erkrankungen und eine Eradikation wäre denkbar.

Dass die dafür notwendige Impfquote nicht erreicht wird, liegt nicht nur daran, dass in Afrika noch nicht flächendeckend geimpft wird. Auch in Südamerika hat es einen empfindlichen Rückschlag gegeben. Der Zusammenbruch des Gesundheitswesens hat in Venezuela eine schwere Masern-Epidemie ausgelöst. In den Nachbarländern ist es zu ersten importierten Erkrankungen gekommen.

Die WHO kritisiert auch die Impfmüdigkeit in einigen europäischen Ländern, in denen die Masern vermutlich wieder endemisch geworden sind. Ohne besondere Anstrengungen könnten die Fortschritte der letzten Jahrzehnte innerhalb kurzer Zeit verloren gehen, erklärte die stellvertretende Generaldirektorin Soumya Swaminathan.

Tatsächlich ist es im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr 2016 zu einem Anstieg der Masernerkrankungen weltweit um 31 Prozent gekommen. In Afrika betrug der Anstieg 100 Prozent, in Amerika (wegen Venezuela) 6.358 Prozent und in Europa 458 Prozent.

In Europa sind derzeit 37 Länder (70 Prozent) frei von einer endemischen Ausbreitung der Masern. Deutschland gehört neben Russland seit dem letzten Jahr nicht mehr dazu. In Deutschland sind laut dem Robert-Koch-Institut im vergangenen Jahr 929 Masernfälle gemeldet worden, nach 325 Erkrankungen im Jahr davor.

© rme/aerzteblatt.de

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