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Medizin

Kombinierter Zikaviren-Masern-Impf­stoff bewährt sich im Mausmodell

Freitag, 30. November 2018

Zikaviren unter dem Transmissionselektronenmikroskop (Virendurchmesser 40 nm). /dpa
Zikaviren unter dem Transmissionselektronenmikroskop (Virendurchmesser 40 nm). /dpa

Langen – Ein auf einem Masern-Impfvirus basierender Impfstoff gegen das Zikavirus schützt trächtige Mäuse und ihre Nachkommen vor einer Zikavirusinfektion und -krankheit. Gleichzeitig ruft dieser Impfstoff eine Immunantwort gegen das Masernvirus hervor, vergleichbar mit der des konventionellen Masernimpfstoffs. Das berichten Wissenschaftler des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) zusammen mit dem Heinrich-Pette-Institut im Journal of Virology (2018; doi: 10.1128/JVI.01485-18).

Eine Zikavirus-Infektion verläuft in den meisten Fällen mild. Gefürchtet ist sie jedoch bei Schwangeren, insbesondere im ersten Schwangerschaftsdrittel, weil sie beim Fötus zu Mikrozephalie (zu kleiner Schädel) und anderen Fehlbildungen des Gehirns führen kann.

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Das Zikavirus wird in den meisten Fällen durch infizierte Gelbfiebermücken übertragen. Die asiatische Tigermücke, ein weiterer möglicher Überträger, kommt vereinzelt auch in Deutschland vor.

Schutz gegen Zika- und Masernviren

Bei dem jetzt untersuchten Vektorimpfstoff werden fremde Erbinformationen in das Genom eines abgeschwächten Impfvirus eingebaut. Dieser dient als Genfähre oder „Impfvektor“. Im vorliegenden Fall übernimmt ein abgeschwächter Masernvirus diese Aufgabe. Er trägt Gene der Virushülle des Zikavirus. Diese werden bei der Impfung in Körperzellen aufgenommen und bewirken dort die Neubildung von Zikavirus-Antigenen. Zusammen mit den Masernvirus-Antigenen des Impfvektors löst die Impfung eine Immunreaktion gegen Zikaviren als auch gegen Masernviren aus.

Mit einer Förderung durch das Bundesministerium für Gesundheit und das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) haben die Wissenschaftler um Michael Mühlebach, dieses Konzept getestet und die Wirksamkeit mit der eines Zikavirus-Totimpfstoffs verglichen. Zunächst wiesen die Forscher nach, dass der Vektor-Impfstoff die Zikavirus-Antigene bildet und die Masernvirus-Antigene des Impfvektors bereitstellt. Diese lösten in Mäusen die gewünschte Immunreaktion aus: Nach Impfung mit dem Vektorimpfstoff wurden sowohl neutralisierende Antikörper als auch eine zelluläre Immunantwort (T-Zellantwort) induziert – und zwar wie erhofft gegen das Masern- als auch gegen das Zikavirus.

Impfstoff verhindert Übertragung auf Föten

Aber schützt der Impfstoff auch vor Fehlbildungen in der Schwangerschaft? Dies untersuchten die Forschenden ebenfalls an Mäusen. Die Impfung mit dem Vektorimpfstoff schützte Muttertiere und die ungeborenen Nachkommen vor Erkrankung. Nach Impfung kam es zu keiner nachweisbaren Übertragung des Virus auf die Föten, zudem sank die Viruslast in der Plazenta der trächtigen Mäuse deutlich. Die Föten entwickelten sich ohne Auffälligkeiten wie in gesunden Kontrolltieren. 

Aus Sicht der Forscher stellt ein kombinierter Masern-Zikavirus-Impfstoff ein vielversprechendes Impfstoffkonzept dar. Es werde jetzt in einer Phase-I-Studie geprüft. „Grundsätzlich wäre vorstellbar, dass Masern-Zikavirus-Impfstoffe nach erfolgreicher Entwicklung in Risikogebieten anstelle der reinen Masernkomponente in Standard-MMR-Impfstoffen als Routine-Prophylaxe eingesetzt werden könnten“, hieß es aus dem PEI. © hil/aerzteblatt.de

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