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Medizin

Wie sich MRSA-Keime für das Immunsystem unsichtbar machen

Montag, 3. Dezember 2018

Staphylococcus aureus/dpa

Tübingen – Wissenschaftler um Andreas Peschel und Thilo Stehle von der Universität Tübingen und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung haben die Funktion und Struktur eines Proteins beschrieben, mit dessen Hilfe sich Erreger wie Staphylococcus aureus gegenüber dem menschlichen Immunsystem tarnen. Die Arbeit ist in Nature erschienen (2018; doi: 10.1038/s41586-018-0730-x).

Die Wissenschaftler konzentrierten sich bei ihrer Arbeit auf Methicillin-resistente Staphylococcus aureus-Stämme, kurz MRSA. Sie konnten zeigen, dass viele der besonders häufigen MRSA-Keime ein Protein erworben haben, dass die Erreger vor dem Immunsystem verbirgt. Die Tübinger Wissenschaftler gaben dem Protein den Namen „teichoic acid ribitol P“ (TarP).

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„TarP verändert das Muster von Zuckermolekülen auf der Erregeroberfläche auf eine bislang unbekannte Weise“, erklärte Peschel vom Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin der Universität Tübingen. Das führe dazu, dass das Immunsystem keine Antikörper gegen das wichtigste MRSA-Antigen, die Teichonsäure, bilden könne.

Den Erstautoren der Arbeit, David Gerlach und Yinglan Guo, gelang es, den Mechanismus und die Struktur von TarP genau aufzuklären. „Wir verstehen jetzt detailliert, wie das Protein auf der molekularen Ebene als Enzym funktioniert“, sagte Gerlach. Die Struktur-Funktionsanalyse von TarP sei eine exzellente Basis, um neue Wirkstoffe zu entwickeln, die TarP blockieren und die Erreger wieder für das Immunsystem erkennbar machen. 

Die Forscher gehen davon aus, dass die bakterielle Tarnkappe das Ergebnis einer Auseinandersetzung zwischen den Krankheitserregern und ihren natürlichen Feinden, den Bakteriophagen ist. Diese Viren benutzen Bakterien als Wirtszelle. Dabei haben sie offenbar ihren Wirt mit Hilfe des TarP-Proteins umprogrammiert und so die Oberfläche des Bakteriums verändert.

„Die Entdeckung von TarP kam für uns völlig überraschend. Sie erklärt sehr gut, warum das Immunsystem oft keine Chance gegen MRSA hat“, sagte Stehle vom Interfakultären Institut für Biochemie. „Die nun vorliegenden Ergebnisse werden uns helfen, bessere Therapien und Impfstoffe gegen die Erreger zu entwickeln“, so seine Erwartung.  

© hil/aerzteblatt.de

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