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Medizin

CAR-T-Zell-Therapie: Langfristige Remissionen bei Leukämien und Non-Hodgkin-Lymphom

Montag, 3. Dezember 2018

3d rendered medically accurate illustration of white blood cells attacking a cancer cell. /Sebastian Kaulitzki, stock.adobe.com
CAR-T steht für „chimärer Antigenrezeptor-T-Zellen“. Die T-Zellen des Krebspatienten exprimieren ein Rezeptor, dessen Gen von einem inaktivierten Virus eingeschleußt wird. /Sebastian Kaulitzki, stock.adobe.com

Philadelphia und Portland/Oregon – Die CAR-T-Zell-Therapie, die körpereigene Abwehrzellen des Patienten mit gentechnischen Methoden für die Krebsabwehr mobilisiert, kann bei Patienten mit austherapierten Leukämien und Lymphomen langfristige Remissionen erzielen. Auf der Jahrestagung der American Society of Hematology in San Diego wurden neue Ergebnisse zu Tisagenlecleucel vorgestellt.

Tisagenlecleucel wurde im letzten Jahr in den USA als erstes CAR-T-Zell-Thera­peutikum zugelassen – das zweite Mittel Axicabtagen folgte kurze Zeit später. Das erste Einsatzgebiet waren Kinder und junge Erwachsene mit akuter lymphoblastischer B-Zell-Leukämie (ALL). In diesem Jahr kam als weitere Indikation das diffuse groß­zellige B-Zell-Lymphom (DLBCL) hinzu, die häufigste Form des Non-Hodgkin-Lymphoms, das meist im späten Erwachsenenalter auftritt. Für beide Einsatzgebiete ist Tisagenlecleucel seit dem Sommer auch in Europa zugelassen. Behandelt werden vorerst nur Patienten, die auf andere Therapien nicht (mehr) angesprochen haben und für die es derzeit keine sinnvollen Behandlungsoptionen mehr gibt.

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Die Zulassung stützt sich auf die Ergebnisse aus 2 offenen Phase 2-Studien. In beiden hatte Tisagenlecleucel nach einer einzigen Behandlung bei vielen Patienten in aussichtslos erscheinender Situation noch Remissionen erzielt.

In der ELIANA-Studie wurden 97 Patienten unter 25 Jahren mit ALL behandelt, bei denen eine Stammzelltherapie nicht angesprochen hatte oder bei denen es später zu einem Rezidiv gekommen war.

Für die Behandlung wurden den Patienten per Apherese T-Zellen aus dem Blut entnommen und in einem der beiden Zentren in Morris Plains/New Jersey und Leipzig aufbereitet. Dort wurden die T-Zellen mit Hilfe eines Virus mit dem Gen für einen chimären Antigenrezeptor (CAR) ausgestattet, anschließend vermehrt und nach dem Rücktransport in die Klinik den Patienten intravenös infundiert. Die genetisch modifizierten Immunzellen sollten dann mit Hilfe des CAR die Leukämiezellen erkennen und abtöten.

Zwei Drittel der ALL-Patienten mindestens 18 Monate ohne Rezidiv

Die CAR-T-Zell-Therapie erzielte bei 82 % der Patienten eine vollständige Remission. Nach den jetzt von Stephan Grupp vom Children's Hospital of Philadelphia mitgeteilten Ergebnissen sind 66 % der Patienten auch nach 18 Monaten noch ohne Rezidiv. Die Gesamtüberlebensrate liege derzeit bei 70 %, verkündete Grupp. Ohne Behandlung wären vermutlich alle Patienten längst gestorben. In einer früheren Studie sprachen nur 20 % der Patienten auf eine Therapie mit Clofarabin an. Die mediane Überlebenszeit betrug dort nur etwa 3 Monate (J Clin Oncol 2006; 24: 1917-23).

Auch in der zweiten Indikation haben sich die Remissionen in den meisten Fällen als dauerhaft erwiesen. In der JULIET-Studie waren 93 Patienten mit DLBCL mit Tisagen­lecleucel behandelt worden. Diese Patienten hatten nicht auf eine Primär- und Zweitlinientherapie des Non-Hodgkin-Lymphoms angesprochen oder es war nach einer Stammzellbehandlung zu einem Rezidiv gekommen.

Zwei Drittel der DLBCL-Patienten mindestens 12 Monate ohne Rezidiv

Wie ein Team um Richard Maziarz vom Knight Cancer Institute in Portland/Oregon jetzt im New England Journal of Medicine (2018; doi: 10.1056/NEJMoa1804980) berichtet, sind inzwischen bis zu 26 Monate seit der CAR-T-Zell-Therapie vergangen. Die Gesamtansprechrate betrug 52 % – 40 % der Patienten hatten eine vollständige Remission und 12 % eine Teilremission erzielt. Bei der CAR-T-Zell-Therapie ist eine Teilremission nicht zwangsläufig der Vorbote eines Rezidivs. Die CAR-T-Zellen überleben noch einige Zeit im Körper des Patienten und können den Angriff auf die Krebszellen fortsetzen.

Die Rate des rezidivfreien Überlebens betrug in der Gesamtgruppe nach 12 Monaten 65 %, unter den Patienten mit vollständigem Ansprechen waren es 79 %.

Auch die schweren Nebenwirkungen der Therapie scheinen beherrschbar zu sein. In beiden Studien war es bei mehr als der Hälfte der Patienten zu einem Zytokin-Release-Syndrom gekommen, das mit schweren grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Schwellungen und einem Abfall des Blutdrucks einhergeht. Mitunter kommt es auch zu neurologischen Komplikationen, etwa einem Delir. Durch den Einsatz von Steroiden und dem Antikörper Tocilizumab (der am Rezeptor für das Zytokin Interleukin 6 bindet) ist es allerdings gelungen, lebensgefährliche Krisen abzuwenden. Therapiebedingte Todesfälle sind in der Studie nicht aufgetreten.

© rme/aerzteblatt.de

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