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Medizin

Aspergillose: Grippe fördert tödliche Schimmelpilz­infektionen auf Intensivstationen

Montag, 3. Dezember 2018

Diese mikroskopische Aufnahme zeigt die Morphologie des Schimmelpilz Aspergillus fumigatus. /dpa

Stockholm – Zu den Risiken einer schweren Grippe gehören nicht nur bakterielle Superinfektionen. Patienten, die auf einer Intensivstation behandelt werden müssen, können auch an einer invasiven Lungenaspergillose (IPA) erkranken, warnt das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) vor Beginn der diesjährigen Grippesaison in einem Report.

Jeder Mensch atmet vermutlich täglich Sporen von Schimmelpilzen der Gattung Aspergillus ein, zu einer Erkrankung kommt es jedoch selten. Betroffen sind in erster Linie Menschen mit Immunschwächen, etwa Empfänger von Organtransplantaten oder Patienten, die aus anderen Gründen mit Immunsuppressiva behandelt werden, sowie Menschen mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung.

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Eine weitere bisher übersehene Risikogruppe könnten Grippepatienten sein, die wegen eines schweren Verlaufs auf einer Intensivstation behandelt werden. Einem Team um Bart Rijnders von der Erasmus Universität in Rotterdam fiel kürzlich in einer retrospektiven Studie an 7 Intensivstationen in Belgien und den Niederlanden auf, dass 15 % der Grippepatienten trotz eines zuvor gesunden Immunsystems eine IPA entwickelten. Bei Grippepatienten mit geschwächter Immunabwehr lag der Anteil sogar bei 32 %. In einer Kontrollgruppe von Intensivpatienten ohne Grippe erkrankten nur 5 % an einer IPA.

Die IPA verschlechterte die Prognose der Grippe-Patienten deutlich. Die 90-Tage-Mortalität betrug laut Rijnders 51 % gegenüber 28 % bei den Influenza-Patienten ohne IPA, wie das Team im Sommer in Lancet Respiratory Medicine (2018: 6: 782-792) berichtete.

Die ECDC rät aufgrund dieser und anderer Studien Intensivmedizinern zu einer erhöhten Aufmerksamkeit. Ein Grund für die schlechte Prognose der IPA bei Grippepatienten könnte sein, dass die Ärzte bei Grippepatienten nicht mit der Erkrankung rechnen und diese dann zu spät diagnostiziert würde.

Wie häufig Patienten mit Grippe auf Intensivstationen behandelt werden, ist nicht genau bekannt. In der Influenza-Saison 2017/18 wurden laut ECDC von Intensivstationen aus 10 EU-Ländern insgesamt 9.317 Fälle einer Labor-bestätigten Influenza gemeldet. Da aber auch in den 10 Mitgliedsstaaten nur eine bestimmte Anzahl von Intensivstationen an dem Überwachungssystem teilnimmt, dürfte die tatsächliche Anzahl höher sein. Die ECDC schätzt, dass während einer schweren Influenza-Saison Zehntausende von Patienten auf Intensivstationen behandelt werden müssen.

© rme/aerzteblatt.de

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