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Medizin

Erstes Baby von einer transplantierten Gebärmutter einer verstorbenen Spenderin geboren

Mittwoch, 5. Dezember 2018

/Sebastian Kaulitzki, stockadobecom

São Paulo – In Brasilien wurde das weltweit erste Baby nach einer Uterus­trans­plantation geboren. Für Lateinamerika war es die erste Uterus-Transplantation überhaupt. Über die Fallstudie berichten die Forscher um Dani Ejzenberg vom Universitätsklinikum in São Paulo im Lancet (2018; doi: 10.1016/S0140-6736(14)61728-1).

Die 10,5-stündige Transplantation fand im September 2016 statt. Die 32-jährige Mutter hatte von Geburt an keinen Uterus – eine Fehlbildung, die unter dem Namen Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom bekannt ist. Die Spenderin war 45 Jahre alt und starb an einer Subarachnoidalblutung.

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Nach der Operation erhielt die Empfängerin 5 Immunsuppressiva sowie anti­mikrobielle- und Blutgerinnungs-Medikamente sowie Aspirin. Die Immunsuppression wurde bis zur Geburt außerhalb des Krankenhauses fortgesetzt. 5 Monate nach der Transplantation zeigte der Uterus keine Anzeichen einer Abstoßung, Ultraschall­untersuchungen zeigten keine Anomalien und die Empfängerin hatte eine regelmäßige Menstruation.

Bisher wurden Gebärmütter vorwiegend nach einer Lebendspende von Verwandten oder engen Freunden transplantiert. Dieses Verfahren wurde maßgeblich in Schweden entwickelt. Bisher sollen weltweit 39 Anwendungen zu 11 Geburten geführt haben.

Die erste Geburt nach einer Uterus­transplantation von lebenden Spendern fand im September 2013 in Schweden statt und wurde ebenfalls im Lancet veröffentlicht. Insgesamt gab es 39 derartige Eingriffe, aus denen bisher 11 Lebendgeburten resultierten.

Die neuen Erkenntnisse zeigen, dass Uterustransplantationen von verstorbenen Spendern machbar sind. Bis jetzt gab es nach Angaben der brasilianischen Ärzte und Wissen­schaftler der Universität São Paulo in den USA, Tschechien und der Türkei 10 Versuche einer Uterustransplantation von verstorbenen Frauen, von denen allerdings bisher keine zu einer Lebendgeburt geführt hat.

Im aktuell erfolgreichen Fall hatten Ejzenberg und sein Team die Zeit zwischen Explantation und Implantation im Vergleich zum Verfahren der Lebendspende auf 8 Stunden verdoppelt. Zudem haben sie die Zeitspanne zwischen Transplantation und künstlicher Befruchtung der Empfängerin auf 7 Monate verkürzt. 4 Monate vor der Operation hatte sich die Empfängerin einer Hormonstimulation unterzogen. Dabei konnten 8 reife Eizellen gewonnen werden, die bis zur späteren In-vitro-Befruchtung eingefroren wurden.

Zeitlich begrenzte Transplantation

Während der Schwangerschaft gab es keine Probleme außer einer Niereninfektion nach 32 Wochen, die im Krankenhaus mit Antibiotika behandelt wurde. Das Baby wurde nach 35 Wochen und 3 Tagen über einen Kaiserschnitt geboren und wog 2.550 g. Den transplantierten Uterus entfernten die Ärzte wieder während des Kaiserschnitts, er zeigte keine Anomalien.

Eine Uterustransplantation von Hirntoten könnte den Kreis an potenziellen Spendern erweitern und mehr Frauen Zugang zu diesem Verfahren ermöglichen. In einem Kommentar, der zur gleichen Zeit veröffentlicht wird, schlagen 2 Wissenschaftler vor, die Uterustransplantation künftig auch bei weiteren Indikationen anzuwenden – zum Beispiel bei nicht operablem Gebärmutterkrebs oder unerklärlicher uteriner Unfruchtbarkeit.

Zweifel an klinischer Routine

Trotz des Erfolgs ist Matthias W. Beckmann, Direktor der Frauenklinik am Universitäts­klinikum Erlangen, nicht davon überzeugt, dass die Transplantation von Uteri von verstorbenen Frauen in die klinische Routine eingehen wird. „Der Uterus ist das Organ, was im Rahmen der Explantation einer Organspenderin mit als Letztes entnommen wird“, erklärt er. Somit bestünde bereits vor der Uterusentahme eine zu lange Zeit mit unzureichender Perfusionsqualität. Damit begründet Beckmann auch, dass die bisherigen Transplantationen von toten Spenderinnen nicht erfolgreich waren. „Dieses Zeitfenster plus das Zeitfenster bis zur Re-Anastomisierung sind aus meiner Sicht entscheidend für den Erfolg. Da das bei den meisten Organentnahmen aber sowieso länger dauert, ist diese Transplantation vermutlich eher kein Routineverfahren“, schätzt Beckmann.

Ich denke, dass die Zahl der transplantierten Uteri irgendwann 10 pro 1 Million Einwohner pro Jahr übersteigen wird. Xavier Rogiers, Universitätsklinikum Gent

Etwas zukunftsträchtiger schätzt Xavier Rogiers, Leiter des Transplantationszentrums, Universitätsklinikum Gent in Belgien, die Möglichkeiten der Uterustransplantation ein. Er erwartet, dass die Indikationen sich über das Gebiet der uterinen Infertilität hinaus ausdehnen werden, sobald die Technik und das Management stabil eingesetzt werden können. „Ich denke, dass die Zahl der transplantierten Uteri irgendwann 10 pro 1 Million Einwohner pro Jahr übersteigen wird.“ Die Entnahme des Uterus störe das Verfahren der Organspende nur sehr minimal, sagt Rogiers.

Unfruchtbarkeit betrifft 10 bis 15 % der Paare im gebärfähigen Alter. Von dieser Gruppe hat eine von 500 Frauen Uterusanomalien aufgrund angeborener Anomalien oder durch unerwartete Fehlbildungen, Hysterektomien oder Infektionen. Vor dem Aufkommen von Uterustransplantaten waren Adoption oder Leihmutterschaft die einzigen verfügbaren Optionen für ein Kind. © gie/aerzteblatt.de

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