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Medizin

Ibrutinib in der Ersttherapie bei älteren CLL-Patienten wirksamer als Standard

Montag, 3. Dezember 2018

Typisch für die CLL ist die Vermehrung von B Lymphozyten im Blut. /Sebastian Kaulitzki adobe.stock.com
Typisch für die CLL ist die Vermehrung von B Lymphozyten im Blut. /Sebastian Kaulitzki adobe.stock.com

Columbus/Ohio – Der irreversible BTK-Inhibitor Ibrutinib, der gezielt die B-Zellen der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) angreift, erzielte in einer nordameri­kanischen Phase 3-Studie bessere Ergebnisse als ein Therapiestandard aus Bendamustin und Rituximab. Die Behandlungsergebnisse von Ibrutinib durch die Kombination mit Rituximab konnten dabei nicht weiter verbessert werden. Die Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung der American Society of Hematology in San Diego vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2018; doi: 10.1056/NEJMoa1812836) publiziert.

Die CLL ist die häufigste Leukämie im Erwachsenenalter. Die meisten Patienten sind für eine Stammzelltherapie, die eine Heilungschance bieten würde, zu alt und werden symptomatisch behandelt. Das Ziel ist die Zurückdrängung der B-Zellen, aus denen die CLL besteht. Dazu wurde bisher in erster Linie eine Chemotherapie eingesetzt, wobei die relativ „milden“ Zytostatika Chlorambucil und Bendamustin als Monotherapie bevorzugt wurden, eventuell ergänzt durch den Antikörper Rituximab, der die B-Zellen an ihrem Oberflächenmerkmal CD20 erkennt.

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Ibrutinib zunehmend zur Erstbehandlung im Einsatz

Vor wenigen Jahren kam mit Ibrutinib ein neuer Therapieansatz hinzu. Der oral verfüg­bare Wirkstoff hemmt die Bruton-Tyrosinkinase (BTK), die eine zentrale Rolle für die Entwicklung, Differenzierung, Signalübertragung und das Überleben der B-Zellen hat. Ibrutinib wird zunehmend zur Erstbehandlung eingesetzt, seit es in einer direkten Vergleichsstudie deutlich bessere Ergebnisse erzielte als Chlorambucil. Der Vergleich von Ibrutinib mit einer um Rituximab verstärkten Chemotherapie stand jedoch noch aus.

Zu diesem Zweck wurden zwischen 2013 und 2016 an 219 Zentren in den USA und Kanada insgesamt 547 Patienten über 65 Jahre mit zuvor unbehandelter sympto­matischer CLL auf eine Behandlung mit Ibrutinib oder Bendamustin plus Rituximab randomisiert. In einer dritten Gruppe wurden die Patienten mit Ibrutinib plus Rituximab behandelt, um die Frage einer möglichen Wirkungsverbesserung durch den CD20-Antikörper zu beantworten. Primärer Endpunkt war das progressionsfreie Überleben.

Kein Unterschied bei Gesamtüberlebensraten

Wie Jennifer Woyach von der Ohio State University und Mitarbeiter berichten, waren unter der Standardbehandlung mit Bendamustin plus Rituximab nach 2 Jahren noch 74 % der Patienten ohne erneute Progression. Unter der Behandlung mit Ibrutinib hatten dagegen 87 % dieses Ziel erreicht. Woyach ermittelt eine Hazard-Ratio für Krankheitsprogression oder Tod von 0,39, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,26 bis 0,58 hochsignifikant war. Die Kombination mit Rituximab konnte die Ergebnisse der Ibrutinib-Behandlung nicht weiter verbessern. Das progressionsfreie Überleben betrug nach zwei Jahren 88 % (Hazard Ratio gegenüber der Ibrutinib-Behandlung: 1,00; 0,62-1,62).

Die Gesamtüberlebensraten der 3 Therapien unterschieden sich nicht. Dies war laut Woyach auch nicht zu erwarten, da eine Zweitbehandlung nach einer Progression in der Regel gute Ergebnisse erzielt. Die 2-Jahres-Überlebensraten betrugen in der Bendamustin plus Rituximab-Gruppe 95 %, in der Ibrutinib-Gruppe 90 % und in der Ibrutinib plus Rituximab-Gruppe 94 %.

Die Behandlung mit Ibrutinib ist für die Patienten angenehmer, da sie ausschließlich mit Tabletten erfolgen kann. Es kam in der Studie auch seltener zu hämatologischen Komplikationen einer Chemotherapie wie Neutropenie und Thrombozytopenie (41 % unter der Monotherapie mit Ibrutinib und 39 % unter Ibrutinib plus Rituximab gegenüber 61 % unter Bendamustin plus Rituximab).

Unter der Behandlung mit Ibrutinib kam es jedoch häufiger zu nicht-hämatologischen Komplikationen (Grad 2, 3 oder 4 bei 74 % in beiden Gruppen gegenüber 63 % unter Bendamustin plus Rituximab). Insgesamt 17 % der Patienten entwickelten unter der Behandlung mit Ibrutinib ein Vorhofflimmern, das das Risiko für Schlaganfälle und andere Herz-Kreislauf-Probleme erhöht. Es könnte für den einen oder anderen der 11 ungeklärten Todesfälle verantwortlich sein, zu denen es in den beiden Ibrutinib-Gruppen kam, gegenüber nur 2 ungeklärten Todesfällen unter der Behandlung mit Bendamustin plus Rituximab.

© rme/aerzteblatt.de

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