NewsAuslandDeutliche Worte zum Auftakt der Klimakonferenz in Polen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Deutliche Worte zum Auftakt der Klimakonferenz in Polen

Montag, 3. Dezember 2018

/dpa

Kattowitz – Mit einem dramatischen Appell zum Kampf gegen die Erderwärmung hat UN-Generalsekretär António Guterres die Weltklimakonferenz in Polen offiziell eröffnet. Schon jetzt sei der Klimawandel für viele Menschen und auch ganze Staaten eine „Frage von Leben und Tod“, sagte er heute in Kattowitz vor Vertretern von knapp 200 Staaten, die dort zwei Wochen lang verhandeln. Es gehe darum, ein „globales Klima-Chaos“ abzuwenden.

Wenn die Staatengemeinschaft versage, würden Arktis und Antarktis weiter schmelzen, die Korallen sterben, die Meeresspiegel steigen sowie mehr Menschen an Luft­verschmutzung sterben und an Wasserknappheit leiden – bei explodierenden Kosten. „Wir brauchen mehr Taten und mehr Ehrgeiz“, mahnte er.

Anzeige

Drei Jahre nach den als historisch eingestuften Beschlüssen der Pariser Klimakonferenz sollen in Kattowitz klare Regeln zur Umsetzung vereinbart werden: Die Beiträge einzelner Staaten zum Klimaschutz und auch die Finanzhilfen sollen für alle nachvollziehbar werden.

In Paris war beschlossen worden, die Erderwärmung auf unter 2 Grad Celsius zu begrenzen, möglichst sogar auf 1,5 Grad – verglichen zur vorindustriellen Zeit um 1750. Die bisher weltweit zugesagten Maßnahmen zur Reduzierung klimaschädlicher Treibhausgase reichen dazu aber bei weitem nicht aus. Die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, bei der Kohlendioxid frei wird, müsste schnell drastisch sinken, mahnt der Weltklimarat.

Polens Staatspräsident Andrzej Duda stimmte die Teilnehmer auf schwierige Verhandlungen ein. Die Welt stehe vor einem „historischen Test“, sagte er. Das Gastgeberland Polen sei bereit, seinen Teil beizutragen. Allerdings gilt Polen, das knapp 80 Prozent seines Stroms aus Kohle bezieht, bei Umweltschützern bisher als Klimasünder. Bei der Eröffnungszeremonie waren viele Staats- und Regierungschefs zu Gast. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ sich von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) vertreten.

Überlebensfrage für die Menschheit

Müller nannte den Kampf gegen die Erderhitzung eine Überlebensfrage der Mensch­heit. „Kattowitz muss die Trendwende sein, vom Reden zum Handeln zu kommen“, sagte der CSU-Politiker. Die Emissionen von Treibhausgasen seien auf einem Rekordhoch und stiegen weiter. Es sei zu wenig passiert seit der Konferenz in Paris. Die dort vereinbarten Etappenziele erfüllten zurzeit nur 17 Staaten. Auch Deutschland verfehle sein selbstgestecktes Ziel, 2020 mindestens 40 Prozent weniger Treibhausgase auszustoßen als 1990.

Müller erinnerte zugleich an Deutschlands jüngste Ankündigung, seinen Beitrag zum Grünen Klimafonds der Vereinten Nationen ab 2019 auf 1,5 Milliarden Euro zu verdoppeln. In den wichtigsten UN-Klimatopf zahlen wohlhabendere Länder ein, finanziert werden Klimaschutzprojekte in Schwellen- und Entwicklungsländern. Dies solle „Signal und Anstoß“ sein für andere Staaten, diesen Schritt mitzugehen, sagte Müller.

Umweltschützer sprachen von einem „Ablasshandel“, mit dem sich Deutschland freikaufen wolle. „Es reicht nicht, den Geldbeutel zu zücken, wenn man zu Hause seine Klimaziele krachend verfehlt“, erklärte Christiane Averbeck von der Klima-Allianz.

Die wärmsten gemessenen Jahre waren in den letzten 20 Jahren

Guterres erinnerte daran, dass die Zeit für endlose Verhandlungen fehle. Die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre sei so hoch wie seit drei Millionen Jahren nicht. „Trotzdem steigen die Emissionen weiter an.“ Nach neuesten Berechnungen müsse der Ausstoß von Kohlendioxid aber bis 2030 um 45 Prozent sinken im Vergleich zu 2010, und schon 2050 netto null erreichen.

Warnend verwies er darauf, dass der Treibhauseffekt längst im Gang ist. Nach Berechnungen der Weltwetterorganisation hätten die 20 wärmsten je gemessenen Jahre in den vergangenen 22 Jahren gelegen. Die Welt stecke wegen des Klimawandels in großen Schwierigkeiten, die Dringlichkeit der Situation könne kaum überschätzt werden.

Die USA haben sich als einer der größten Verursacher von Treibhausgasen aus dem Pariser Abkommen zurückgezogen. Beim G20-Gipfel in Buenos Aires stand US-Präsident Donald Trump damit am Wochenende weiter isoliert da – alle anderen Teilnehmer betonten aber, das Klimaabkommen sei unumkehrbar.

Bundesumweltministerin Schulze sagte, die massiven Proteste der „Gelben Westen“ in Frankreich unter anderem gegen höhere Spritpreise zeigten, dass beim Klimaschutz die soziale Frage von Anfang an mitgedacht werden müsse. Dies versuche Deutschland mit der Kommission zum Kohleausstieg und zum Strukturwandel zu schaffen. Klimapolitik müsse so gemacht werden, dass die Menschen mitgenommen werden. Schulze und Müller waren – anders als ursprünglich geplant – ohne eine Einigung der Kommission auf ein Ausstiegsdatum für die Kohleverstromung nach Kattowitz gereist.

Die Weltbank kündigte an, den Kampf gegen den Klimawandel mit doppelt so hohen Investitionen wie bisher zu unterstützen. Von 2021 bis 2025 sollen 200 Milliarden Dollar fließen (umgerechnet 177 Milliarden Euro), um vor allem den ärmsten Ländern der Welt zu helfen, wie die in Washington ansässige Entwicklungsbank zum Gipfelauftakt mitteilte. Das sei doppelt so viel wie in der laufenden fünfjährigen Finanzierungsperiode. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

17. April 2019
Stuttgart – In der Debatte um Luftverschmutzung in Städten will Baden-Württemberg Rechtsunsicherheiten bei der Verhältnismäßigkeit von Dieselfahrverboten höchstrichterlich klären lassen. Man wolle
Baden-Württemberg will höchstrichterliche Klärung zu NO2-Grenzwert
15. April 2019
Berlin – Das Umweltbundesamt (UBA) dringt auf strengere Grenzwerte für Feinstaub. Behördenchefin Maria Krautzberger verwies in der Süddeutschen Zeitung auf entsprechende Empfehlungen der
Umweltbundesamt dringt auf strengere Grenzwerte für Feinstaub
15. April 2019
Berlin – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat mit Blick auf eine Reduzierung des klimaschädlichen Kohlendioxidausstoßes von einem Weg „mit gewaltigen Anstrengungen“ gesprochen. Für das Ziel, bis
Merkel zu CO2-Reduktion: Gewaltige Anstrengungen nötig
15. April 2019
Amsterdam – Krankheiten, die durch Mücken oder Zecken übertragen werden, könnten in den kommenden Jahrzehnten in Europa häufiger auftreten. Das Verbreitungsgebiet der Überträger etwa von Denguefieber,
Klimawandel lockt Mücken und Zecken
15. April 2019
Washington – Im Kampf gegen den Klimawandel wollen zahlreiche Finanzminister international besser zusammenarbeiten – und sich weltweit für eine wirksame Verteuerung von Kohlendioxid einsetzen. Das
Finanzminister aus 22 Ländern wollen Kohlendioxid teurer machen
11. April 2019
Berlin – Deutschland sollte sich weiter bemühen, die Schadstoffbelastung in der Außenluft weiter zu senken. Zu diesem Schluss kam gestern eine Arbeitsgruppe der Leopoldina Nationale Akademie der
Lungenärzte begrüßen Leopoldinaempfehlung zu Luftschadstoffen
9. April 2019
Berlin – Wissenschaftler halten begrenzte Diesel-Fahrverbote auf einzelnen Straßen für wenig hilfreich, um die Luft in den Städten zu verbessern. Sie sprechen von „kurzfristigem Aktionismus“. Die
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER