NewsAuslandExtremwetter trifft Entwicklungsländer besonders
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Extremwetter trifft Entwicklungsländer besonders

Dienstag, 4. Dezember 2018

/todja, stockadobecom

Kattowitz – Stürme, Starkregen, Hitze und Dürre treffen Entwicklungsländer besonders hart. Unter den zehn Staaten mit den größten Extremwetterschäden waren in den vergangenen 20 Jahren acht Entwicklungsländer mit niedrigem oder niedrigem mittleren Einkommen. Das zeigt der Klima-Risiko-Index, den die Entwicklungsorganisation Germanwatch heute auf der Weltklimakonferenz im polnischen Kattowitz (Katowice) vorstellte.

Der Umgang mit Schäden und Verlusten ist ein Streitthema der Klimadiplomatie, die betroffenen Staaten fordern mehr Unterstützung. Denn die Klimafinanzierung ist nur für Klimaschutz und Anpassung an den Wandel gedacht, nicht für Schäden.

Anzeige

Puerto Rico, Honduras und Myanmar stehen im Rückblick auf die Jahre 1998 bis 2017 an der Spitze der am stärksten betroffenen Länder – gefolgt von Haiti, den Philippinen, Nicaragua, Bangladesch, Pakistan, Vietnam und Dominica. Deutschland liegt auf Platz 25 – und damit deutlich vor seinen Nachbarn Schweiz (41) und Österreich (51). Der Index basiert auf einer Datenbank des Rückversicherers Munich Re und Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Mit mehr als 11.500 Todesopfern und mehr als 375 Milliarden US-Dollar Kosten – unter Berücksichtigung der von Land zu Land teils sehr unterschiedlichen Kaufkraft – gehörten die Schäden 2017 nach Angaben von Germanwatch zu den verheerendsten der jüngeren Geschichte. Puerto Rico und Dominica wurden im Herbst 2017 von Hurrikan Maria verwüstet. Mit fast 3.000 Toten traf es Puerto Rico so schwer, dass das Land in der Betrachtung der vergangenen 20 Jahre ganz nach oben rückte. Deutschland lag 2017 auf Platz 40, hier gab es demnach 27 Tote und rund 3,6 Milliarden Dollar Schäden nach Kaufkraft-Parität.

„Dass die Stürme an Intensität bei Windgeschwindigkeiten und Niederschlägen zunehmen, deckt sich mit den Prognosen der Klimawissenschaft“, sagte Studienautor David Eckstein. Indirekte Folgen etwa von Hitzewellen, aber auch steigende Meeresspiegel und schmelzende Gletscher seien im Index nicht berücksichtigt – die Schäden seien also eigentlich noch höher. Dürre und Hitze im Sommer 2018 dürften Europa im Index kommendes Jahr noch mehr in den Fokus rücken. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass das, was in Verhandlungsräumen besprochen wird, Menschen tatsächlich betrifft.“

Der Vertreter des Karibik-Inselstaats Dominica auf der UN-Konferenz, Lloyd G. Pascal, sagte, sein Land werde wegen seiner geografischen Lage direkt und ungebremst von Hurrikans getroffen. „Die schwächsten Mitglieder der Menschheit auf diesem Planeten bekommen keine Aufmerksamkeit in diesen Klimawandel-Gesprächen“, sagte er. Die Klimagipfel seien nur Show. „Wir brauchen mehr Solidarität.“ Die Länder, die die Möglichkeit hätten, Treibhausgase zu reduzieren und finanzielle Unterstützung zu leisten, täten dies nicht.

Für den Umgang mit Schäden und Verlusten wurde 2013 nach heftigem Streit der sogenannte Warschau-Mechanismus ins Leben gerufen, der Entwicklungsländer dabei unterstützen soll, mit Klimaschäden zurechtzukommen. Die Finanzierung bleibt aber problematisch. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. Februar 2019
Berlin – Der Marburger Bund (MB) hat die Verantwortlichen in Venezuela aufgefordert, so schnell wie möglich den Weg für medizinische Hilfslieferungen freizumachen. Die Gesundheitsversorgung in dem
Marburger Bund solidarisiert sich mit Ärzten in Venezuela
12. Februar 2019
Straßburg – Die Europäische Union (EU) will sich besser gegen Naturkatastrophen wappnen. Das Europaparlament stimmte heute mit großer Mehrheit für ein neues gemeinsames Einsatzverfahren. Bei Notfällen
Europäische Union baut Hilfe bei Naturkatastrophen aus
11. Februar 2019
Hannover – Niedersachsens Ärztekammerpräsidentin Martina Wenker hat ein umfassendes Konzept gefordert, um die negativen Auswirkungen von Klimawandel und Umweltverschmutzung auf die Gesundheit
Ruf nach einer Strategie gegen den Klimawandel
11. Februar 2019
Cúcuta/Caracas – Der UN-Flüchtlingskoordinator für Venezuela, José Samaniego, hat zu verstärkten Hilfsanstrengungen für die Nachbarstaaten des südamerikanischen Landes aufgerufen. Inzwischen gebe es
UN-Flüchtlingskoordinator will mehr Hilfe für Venezuela
8. Februar 2019
Cúcuta/Caracas – Die erste US-Hilfslieferung für die notleidende Bevölkerung Venezuelas ist in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta eingetroffen. Zehn Lastwagen hätten rund 100 Tonnen Lebensmittel,
Humanitäre US-Hilfe erreicht Grenze zu Venezuela
7. Februar 2019
Bukarest – Die EU-Staaten müssen aus Sicht der Bundesregierung möglichst rasch eine vorübergehende Lösung für die immer wieder im Mittelmeer blockierten Rettungsschiffe finden. „Aus unserer Sicht ist
Lösung für blockierte Rettungsschiffe „Gebot der Humanität“
6. Februar 2019
Genf – Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) warnt vor zunehmenden Angriffen auf Gesundheitseinrichtungen und auf medizinisches Personal in Libyen. Zwischen Januar 2018 und Februar 2019 seien
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER