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Medizin

Lichtverschmutzung kann Schlafstörungen bei älteren Menschen auslösen

Mittwoch, 5. Dezember 2018

View from Namsan tower on Seoul at night - South Korea/niyazz, stock.adobe.com
Seoul bei Nacht /niyazz, stock.adobe.com

Seoul – Senioren, die in Regionen mit der größten Lichtverschmutzung leben, erhalten in Südkorea am häufigsten Schlafmittel verordnet. Dies zeigen die Ergebnisse einer Kohortenstudie im Journal of Clinical Sleep Medicine (2018; doi: 10.5664/jcsm.7490).

Die Lichtverschmutzung hat in den hoch entwickelten Ländern in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen und Südkorea gehört mit der Metropole Seoul vom Weltall aus gesehen nachts zu den hellsten Punkten der Erde. Eine mögliche Folge der Lichtverschmutzung sind Schlafstörungen, unter denen in allen Ländern in erster Linie Senioren leiden.

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Ein Team um Kyoung-bok Min von der Nationaluniversität in Seoul hat hierzu die Daten einer repräsentativen Stichprobe der staatlichen Kran­ken­ver­siche­rung ausgewertet, in der alle Südkoreaner Pflichtmitglied sind.

Mehr Schlafmittel bei Lichtverschmutzung

Ergebnis: Mehr als jedem 5. Südkoreaner im Alter über 60 Jahre wurde ein Hypnotikum verordnet, wobei das Z-Mittel Zolpidem am beliebtesten ist. Der Vergleich der Verord­nungen mit dem Ausmaß der nächtlichen Beleuchtung, die die Forscher den Messungen von Satelliten entnahmen, ergab, dass Menschen in den Region mit der höchsten Lichtverschmutzung am häufigsten Schlafmittel einnahmen.

Die Assoziation bestand laut Min sowohl mit den Tagen der Einnahme als auch mit der Dosis der Schlafmittel. Senioren in den am wenigsten betroffenen Regionen nahmen beispielsweise über 13,71 Tage im Jahr Zolpidem ein, in den am meisten lichtver­schmutzten Regionen waren es 24,96 Tage pro Jahr.

Die Forscher konnten in ihren Berechnungen eine Reihe von anderen Faktoren berücksichtigt, die ebenfalls zu einer erhöhten Einnahmehäufigkeit von Schlafmitteln führen. Dazu gehörte ein weibliches Geschlecht, Übergewicht, höheres Einkommen und psychiatrische Erkrankungen. Dennoch besteht wie immer in Studien dieser Art die Möglichkeit, dass andere Faktoren wie Beschäftigung, mentaler Stress oder Gewohnheiten wie die Beleuchtung des Schlafzimmers übersehen wurden. Insgesamt erscheinen die Ergebnisse jedoch plausibel zu sein.

© rme/aerzteblatt.de

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Avatar #88255
doc.nemo
am Freitag, 7. Dezember 2018, 08:18

Meine Tipps

gegen Lichtverschmutzung im Schlafzimmer, die sich auf jahrzehntelange Forschung an mir selbst stützen können:
Erstens: Vorhänge und Rollläden wirken gut gegen die externe Lichtverschmutzung. Zweitens: alle unnötigen Lichter im Schlafzimmer auszuschalten, ist auch hilfreich, wenn es zu hell sein sollte. Drittens: eine gut sitzende Schlafmaske reduziert jegliche Lichtverschmutzung um 100%!
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 6. Dezember 2018, 18:48

Nichts als typisches Stadt-Land-Gefälle!

Wenn laut "Outdoor Artificial Nighttime Light and Use of Hypnotic Medications in Older Adults: A Population-Based Cohort Study"
Jin-young Min und Kyoung-bok Min unter http://jcsm.aasm.org/ViewAbstract.aspx?pid=31438 herausfinden, dass mehr als jeder 5. Südkoreaner im Alter über 60 Jahre Hypnotika (vorwiegend Zolpidem) verordnet bekommt, ist das zunächst ein fragwürdiges Verordnungsverhalten ihrer Ärztinnen und Ärzte dort. Der Vergleich der Verord­nungen mit dem Ausmaß der nächtlichen Beleuchtung zeigte angeblich, dass Menschen in den Region mit der höchsten "Lichtverschmutzung" häufiger Schlafmittel einnahmen, als in Vergleichsregionen mit geringerer "Lichtverschmutzung".

Das ist aber nichts anderes, als das aus der medizinischen Versorgungsforschung bekannte, typische Stadt-Land-Gefälle. Eine bevölkerungsbasierte Kohortenstudie hat übrigens die geringste statistische Aussagekraft.

Seoul ist auch nicht die hellste Metropole der Welt. Die NZZ schreibt zu http://advances.sciencemag.org/content/2/6/e1600377
"Eine Forschergruppe hat im Juli 2016 im Magazin «Science Advances» einen Weltatlas der Lichtverschmutzung publiziert. Die Forscher haben die Daten des «Suomi National Polar-orbiting Partnership»-Satelliten ausgewertet. Satellitendaten, die auch für diesen Artikel aufgearbeitet wurden. Gemäss der Studie leben 83 Prozent der Weltbevölkerung inzwischen unter einem lichtverschmutzten Himmel. Und über ein Drittel der Menschen können an ihrem Wohnort die Milchstrasse nicht sehen.
Auf dem Satellitenbild fallen die Ostküste der Vereinigten Staaten, Europa sowie die chinesische Küste zwischen Peking und Schanghai als sehr helle Gebiete auf. Auch Kanada, Grönland und ein Gebiet zwischen Australien und der Antarktis leuchten stark. Dieses Licht stammt aber vermutlich von Polarlichtern, die nicht aus den Satellitenbildern herausgefiltert werden konnten."
https://www.nzz.ch/storytelling/lichtveschmutzung-das-licht-und-seine-schattenseiten-ld.130166

Eine weitere "Lichtspiel"-Studie theoretisiert (und "spintisiert") zusätzlich mit dem Titel: "Evaluating the Association between Artificial Light-at-Night Exposure and Breast and Prostate Cancer Risk in Spain (MCC-Spain Study)" von Ariadna Garcia-Saenz et al.
https://ehp.niehs.nih.gov/EHP1837/
Sie ist derartig spekulativ, dass m. E. nicht mal von einer vagen Assoziation die Rede sein kann.

Denn nicht nur in Spanien sind Regionen mit hoher künstlicher Lichtintensität die am stärksten besiedelten, industrialisierten, motorisierten und nicht zuletzt medizinisch am intensivsten versorgten Regionen. In wenig erhellten Regionen sind Patientenansprüche an Anamnese, Untersuchung, Diagnostik und Therapie schon allein aus logistischen Gründen nicht so hoch entwickelt, wie in hell erleuchteten, Verkehrs- und Noxen-reichen Metropolen.

Dass es sich bei den Studienergebnissen um reine Zufallstreffer handelt, die ins "Blaue" hinein interpretiert wurden, erkennt man an der dargestellten inversen Beziehung:
"Wie entscheidend der Anteil kurzwelligen Lichts war, zeigte sich daran, dass Personen mit der höchsten nächtlichen Lichtintensität im sichtbaren Bereich mit höherer Wahrscheinlichkeit Kontrollen als Patienten waren, speziell mit Blick auf Prostatakrebs. Hier bestand also eine inverse Beziehung zwischen der Lichtintensität während der Nacht und dem Tumorrisiko."

Im Studientext liest sich das folgendermaßen:
"We found that prostate cancer was positively associated with outdoor light at night in the blue light spectrum and with self-reported indoor light at night, but was inversely associated with outdoor light in the visible spectrum." Dies bedeutet, auch wenn der Blaulichtanteil in geschlossenen Räumen gar nicht gemessen wurde, habe es angeblich eine positive Assoziation zum Prostata-Krebs gegeben. Wohingegen das sichtbare Lichtspektrum außerhalb geschlossener Räume, das ebenfalls nicht gemessen wurde, eine inverse Assoziation zum Prostata-Krebs gezeigt habe.

"Breast cancer also was associated with outdoor light in the blue spectrum, but was not associated with outdoor light in the visible spectrum or with self-reported indoor light at night." Brustkrebs war angeblich auch mit Außenbeleuchtung im blauen Spektrum assoziiert, aber nicht mit Außenlicht im sichtbaren Spektrum und nicht mit selbst berichtetem nächtlichem Licht in geschlossenen Räumen.

Verwunderlich bleibt dann nur noch, wieso der Lichtmangel zu biblischen Aufzeichnungs- und Niederschrift-Zeiten zu geschätzten durchschnittlichen Lebenserwartungen bis etwa 35 Jahren (Frauen ca. 30 Jahre, Männer bis 35 Jahre) ohne Brust- oder Prostatakrebs-Erwartung führen konnte?
Wohingegen die derzeitige Lebenserwartung mit mittlerweile immer höherem Blaulichtanteil in den EU-weit geforderten Energiesparlampen für neugeborene Jungen gut 78 Jahre bzw. für Mädchen gut 83 Jahre beträgt:
„Die Lebenserwartung in Deutschland ist erneut angestiegen: Sie beträgt nach der auf die aktuellen Sterblichkeitsverhältnisse bezogenen Sterbetafel 2014/2016 für neugeborene Jungen 78 Jahre und 4 Monate und für neugeborene Mädchen 83 Jahre und 2 Monate. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, erhöhte sich die Lebenserwartung im Vergleich zur vorherigen Sterbetafel 2013/2015 für neugeborene Jungen und Mädchen um jeweils etwa 2 Monate.“
https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Sterbefaelle/Sterbefaelle.html

Alter und gestiegene Lebenserwartung sind nun mal vor allen anderen, theoretisch möglichen Risikofaktoren die stärksten Prädiktoren für die Entwicklung von Tumorerkrankungen bzw. von Schlafstörungen, fragmentiertem Schlaf und Hypnotika-Verschreibungen nicht nur in Südkorea.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. St. Moritz / CH)
LNS

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