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Medizin

Mücken und Zecken verbreiten infolge des Klimawandels neue Krankheiten

Dienstag, 4. Dezember 2018

Concept of dryness drought, Thermometer vor einer Landschaft mit einem Bach. /meryll, stock.adobe.com
Die Klimaerwärmung führt dazu, dass sich potenzielle Krankheitsvektoren in Deutschland weiter ausbreiten. /meryll, stock.adobe.com

Rostock – Krankheiten, wie Chikungunya, Leishmaniose, West-Nil- und Krim-Kongo-Fieber könnten in Zukunft infolge des Klimawandels vermehrt in Deutschland auftreten. Das berichten Tropenmediziner von der Universität Rostock in der DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift (2018; doi: 10.1055/a-0653-6333). Am ehesten erwarten die Forscher Chikungunya-Fieber-Ausbrüche.

Der Anstieg der Temperaturen in Deutschland erhöht die Überlebenschancen zahlreicher heimischer und bisher exotischer Mücken – zum Beispiel der Gattungen Aedes, Anopheles, Culex und Phlebotomus. Auch die Ausbreitungsgebiete von bisher hier nicht heimischen Zecken werden sich vergrößern, warnt Christoph Hemmer, Tropenmediziner an der Abteilung für Tropenmedizin und Infektionskrankheiten der Universität Rostock.

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Diese Insekten und Spinnentiere übertragen häufig Viren, Bakterien oder Parasiten. Steigende Temperaturen verkürzen die extrinsische Inkubationszeit. Bei Außentemperaturen von 20 Grad benötigen Chikungunya-Viren 7 Tage bis sie im Speichel von Mücken der Gattung von Aedes nachweisbar sind. Bei 28 Grad ist dies bereits nach 3 Tagen der Fall, so Hemmer.

Chikungunya-Fieber

Plötzlich einsetzendes Fieber und Gelenkbeschwerden sind erste Symptome einer Infektion. Kopfschmerzen, Übelkeit und Hautausschlag können hinzukommen. Auch wenn schwere Verlaufsformen selten sind, können ältere Menschen an einem Chikungunya-Fieber sterben. Die Gelenkbeschwerden können viele Monate anhalten.

Westnil-Fieber

Eine Infektion geht mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit und Erbrechen einher. Manchmal tritt ein Hautausschlag am Rumpf sowie eine Schwellung der Lymphknoten auf. Bei einem von 150 Patienten kommt es zu einem schweren Krankheitsverlauf. Gefährdet sind vor allem Menschen über 50 Jahre, ferner Patienten, die Medikamente einnehmen, die die Immunabwehr schwächen. In diesen Fällen kann die Infektion eine Hirnhautentzündung auslösen.

Chikungunya-Fieber-Ausbrüche sind zu erwarten

Das Chikungunya-Fieber ist nach Ansicht von Emil C. Reisinger und seinem Team daher die von Mücken übertragenen Infektionskrankheit, die sich am ehesten in Deutschland etablieren wird. Durch die Ausbreitung von Aedes albopictus seien Ausbrüche zu erwarten. Der Leiter der Abteilung für Tropenmedizin an der Universität Rostock prüft bereits mögliche Impfstoffe (The Lancet 2018).

Aufgrund einer verkürzten extrinsischen Inkubationszeit könnte auch das Risiko, für das Westnil-Fieber in Deutschland steigen, schätzt Hemmer. Bei einem Anstieg der Außentemperatur von 14 auf 18 Grad benötigen die Viren nur 22 statt 36 Tage, bis die Mücke die Erreger übertragen kann. Bei 30 Grad sind dies nur noch 5 Tage. Das West-Nil-Virus hat sich bereits in Südost-Europa ausgebreitet. Infizierte Zugvögel könnten es jederzeit nach Deutschland bringen. Die Prognose der Autoren ist daher etwas zurückhaltender als beim Chikungunya-Fieber: Ein Ausbruch des Westnil-Fiebers in Deutschland sei denkbar.

In Zukunft könnte zudem das Krim-Kongo-Fieber in Deutschland auftreten: Die mit hohem Fieber einhergehende Erkrankung, kann zu tödlichen inneren Blutungen führen und ist bereits in der Türkei verbreitet. In Europa hat es bisher nur einen Fall in Spanien gegeben. Die tropische Zecke der Gattung Hyalomma, die als Überträger der Krankheit gilt, kann mit Zugvögeln nach Deutschland kommen. Steigende Temperaturen führen dazu, dass sie auch hier länger überlebt und nach neuen Wirten sucht, erklärt Reisinger.

Leishmanien-Überträger bereits seit 1999 in Deutschland

Auch Patienten, die sich mit Leishmanien infizieren, könnten in Zukunft in Klinik und Praxis eine Rolle spielen. Die Parasiten, die Haut und innere Organe befallen können, werden durch Phlebotominae (Sandmücken) übertragen. Die ersten Exemplare dieser Insekten wurden bereits 1999 im Südwesten Deutschlands nachgewiesen, wahrscheinlich gibt es sie jedoch dort schon länger. Zwischen 1991 und 2007 gab es mindestens 11 Fälle einer in Deutschland erworbenen Leishmaniose bei Mensch und Tier. Wenn die inneren Organe befallen sind, verläuft die Leishmaniose ohne Therapie fast immer tödlich.

Der Klimawandel begünstigt nach Einschätzung der Experten aber auch die Ausbreitung von heimischen Zecken. In Deutschland sind sie bereits heute Überträger der Lyme-Borreliose und der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Die FSME, die lange nur in Süddeutschland verbreitet war, hat inzwischen auch den Norden erreicht.

Keine Gefahr durch Dengue-, Zika- und Malaria-Erreger

Eine gravierende Ausbreitung von Dengue- und Zika-Fieber, wie zuletzt in Lateinamerika, befürchtet Hemmer in Deutschland derzeit aber nicht. Auch die Malaria werde sich in Deutschland nicht wieder festsetzen, obwohl es hierzulande 6 Arten der Anopheles-Mücke gibt, die die Parasiten übertragen können. Noch bis in die frühen 1950er-Jahre kamen im Südwesten und Norden Deutschlands Malariafälle vor. Die Trockenlegung von Sümpfen und kleineren Gewässern und die räumliche Trennung von Vieh und Mensch verhindere heute eine Ausbreitung der Erkrankung, sagt der Experte. Es sei aber mit einzelnen autochthon erworbenen Fällen zu rechnen. © gie/EB/aerzteblatt.de

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