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CRISPR-Babies: WHO-Chef will Keimbahneingriffe nicht von vornherein ausschließen

Dienstag, 4. Dezember 2018

DNA schwangere Frau/llhedgehogll, stock.adobe.com
/llhedgehogll, stock.adobe.com

Genf – Der Chef der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hat angesichts der angeblich genmanipulierten Babys in China vor den unbeabsichtigten Konsequenzen solcher Eingriffe gewarnt. Richtlinien sollen erarbeitet werden, um Rahmenbedingungen für mögliche Einsatzgebiete der Methode vorzugeben.

Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus will die Genom-Manipulationen an Keimzellen nicht von vornherein als Therapie bei Krankheiten ausschließen. Die WHO berufe jetzt ein Expertengremium ein, um alle Aspekte der umstrittenen Technik zu untersuchen, sagte der WHO-Generalsekretär am Montag in Genf. „So etwas kann nicht einfach ohne klare Richtlinien gemacht werden.“ Genom-Editierung werfe ethische, soziale und Sicherheitsfragen auf, sagte Tedros.

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Ausgangsfrage müsse sein, ob solche Methoden überhaupt in Erwägung gezogen werden sollen. „Wir müssen sehr vorsichtig sein. Wir können Genommanipulierung nicht anfangen, ohne ein Verständnis für mögliche unbeabsichtigten Konsequenzen.“ In dem Expertengremium sollen neben WHO- und Regierungsvertretern auch unabhängige Forscher sitzen, sagte Tedros.

FDP setzt sich für neue Verfahren in der Gentherapie ein

Abseits der weltweiten Empörung über die Versuche des chinesischen Forschers Jiankui He fordern einige Politiker und Forscher, die Keimbahntherapie nicht aufzuhalten. Die FDP verfasste bereits am 23. November einen Antrag zu neuen Verfahren in der Gentherapie. Darin fordern sie die Bundesregierung dazu auf, die Chancen noch vor den Risiken in der Entwicklung der Humangenetik zu sehen. Gentherapeutische Projekte in der Gesundheitsforschung sollten finanziell unterstützt werden, sofern sie sich mit der Heilung von heute unheilbaren Krankheiten beschäftigen.

Keimbahntherapie: Die ersten CRISPR-Babies

Die Nachricht aus China über die angeblich ersten genetisch veränderten Zwillinge hat weltweit für Protest gesorgt. Chinas Wissenschaftsministerium verlangt, weitere Forschung auszusetzen. Einige Forscher und Politiker fordern hingegen, die Gentherapie nicht aufzuhalten.

Der Antrag thematisiert zudem die Leitlinien der Zentralen Ethikkommission der Stammzellforschung und das Embryonenschutzgesetz. Beides muss nach Ansicht der FDP überarbeitet werden. Keimbahntherapien seien zwar noch tabu, sollten aber spätestens nach dem Vorfall in China diskutiert werden, twitterte dazu Mario Brandenburg (FDP) einen Tag nach Hes Vortrag. „Gentechnologien wie CRISPR/Cas9 sollten nicht pauschal verurteilt werden“, so der Abgeordnete des Deutschen Bundestags.

Auch der Stammzellforscher Georg Daley von der Harvard University verblüffte das Fachpublikum letzte Woche beim „Second International Summit on Human Genome Editing“ in Hongkong. Er verurteilte He nicht, sondern bezeichnete dessen intransparentes Vorgehen sinngemäß als falsche Wendung auf dem richtigen Weg (Videomitschnitt s.u.). Dass die erste Bearbeitung der Keimbahn ein Fehlschritt war, sollte uns keinesfalls dazu verleiten, den „Kopf in den Sand zu stecken", sagte Daley. Welche medizinischen Indikationen seiner Ansicht nach für eine Gentherapie der Keimbahn in Frage kommen könnten, zeigte er in seiner Präsentation (siehe Abbildung).

Second International Summit on Human Genome Editing in Hongkong 2018

Im November hatte der chinesische Forscher He aus der südchinesischen Stadt Shenzhen weltweit Empörung ausgelöst. Er verkündete auf Youtube, er habe mit der Genschere CRISPR/Cas9 Embryonen manipuliert, um sie gegen den Aidserreger HIV resistent zu machen. Die Zwillinge Nana und Lulu seien gesund auf die Welt gekommen. Eine unabhängige Bestätigung für die Angaben gibt es nicht.

Die Bekanntmachung seiner Forschung auf Youtube statt in einem Fachjournal hat unter anderen Forschern Skepsis ausgelöst. Die chinesische Regierung hat eine Untersuchung angeordnet. Der Forscher habe die Behörden nicht wie nötig vorab informiert.

© dpa/gie/aerzteblatt.de

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