NewsMedizinAmpelschema der Karotissklerose überzeugt Patienten von Prävention
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Ampelschema der Karotissklerose überzeugt Patienten von Prävention

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Sonografie der Karotis/dpa
Sonografie der Karotis /dpa

Umeå/Schweden – Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Die visuelle Darstellung der Ergebnisse einer bilateralen Carotis-Sonografie hat in einer randomisierten kontrollierten Studie viele Patienten eher vom Ernst der Lage überzeugt als eine mündliche Aufklärung. Ein Jahr später hatten nach einer Publikation im Lancet viele Patienten ihre kardiovaskulären Risiken vermindert (2018: doi: 10.1016/S0140-6736(18)32818-6) .

Ein Fortschreiten der Atherosklerose, die bei vielen Menschen bei einer Ultra­schalluntersuchung der Halsschlagadern sichtbar wird, kann durch eine Änderung des Lebensstils (Raucherentwöhnung, körperliche Aktivität) oder durch Medikamente (Statine und Antihypertensiva) oft verhindert werden. Viele Ärzte stoßen mit ihren Ermahnungen bei den Patienten jedoch auf taube Ohren, vor allem wenn sie Patient noch keine Symptome haben.

Anzeige

Ein Team um den Public Health-Forscher Ulf Näslund von der Universität Umeå hat deshalb eine Form der Aufklärung gefunden, die den Patienten die Augen öffnen soll. Die Patienten erhalten nach der Untersuchung eine bildliche Darstellung der Behandlungsergebnisse. Die Karte zeigt die Umrisse des Kopfes von beiden Seiten mit den eingezeichneten Halsschlagadern. Der Untersucher markiert nach dem Ampelschema jene Regionen mit „Rot“, in denen die Atherosklerose am weitesten fortgeschritten ist, “Gelb“ werden die Abschnitte mit einer mäßigen Plaque-Bildung gekennzeichnet, „Grün“ die (seltenen) gesunden Abschnitte. Dann folgt ein motivierender Dialog zu möglichen präventiven Maßnahmen.

Der Patient darf die Karte mit nach Hause nehmen, ein zweites Exemplar erhält der Hausarzt zugeschickt. 2 bis 4 Wochen später folgt ein Anruf durch eine Pflegekraft, bei dem der Patient noch einmal an die Ergebnisse erinnert wird und Fragen stellen kann.

Die Forscher haben die Effektivität von VIPVIZA („Visualization of asymptomatic atherosclerotic disease for optimum cardiovascular prevention“) im Rahmen des Västerbotten Intervention Programme  untersucht, einem Screening- und Präventionsprogramm in der gleichnamigen Provinz im Norden Schwedens. Insgesamt 3.532 Männer und Frauen im Alter über 40 mit einer positiven Familienanamnese (ein Herz-Kreislauf-Todesfall vor dem 60. Lebensjahr bei einem Verwandten ersten Grades) wurden auf die VIPVIZA-Aufklärung randomisiert, die anderen erhielten die üblichen Mahnungen ohne Visualisierung und ohne erneuten Kontakt durch die Pflegekraft.

Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis sinkt geringfügig, aber signifikant

Die primären Endpunkte der Studie waren die Änderungen im amerikanischen „Framingham Risk Score“ (FRS) und in der europäischen „Systematic Coronary Risk Evaluation“ (SCORE). Der FRS misst das 10-Jahres-Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis, der SCORE das 10-Jahres-Risiko auf einen Herz-Kreislauf-Tod.

Vor Beginn der Studie hatten die Teilnehmer, die selbst noch kein Herz-Kreislauf-Ereignis erlebt hatten, einen relativ niedrigen FRS von 12,9 Punkten und einen SCORE von 1,27 Punkten (beziehungsweise 1,29 in der Kontrollgruppe).

Bei der Nachuntersuchung nach einem Jahr hatte sich der FRS in der Interven­tionsgruppe um 0,58 Punkte verbessert. In der Kontrollgruppe war es dagegen zu einem Anstieg um 0,35 Punkte gekommen. Der Unterschied zwischen beiden Gruppen war signifikant. Im SCORE war es in beiden Gruppen zu einem Anstieg gekommen, der in der Interventionsgruppe mit 0,13 Punkten jedoch geringer ausfiel als in der Kontrollgruppe mit 0,27 Punkten. Auch hier war der Unterschied signifikant.

Das sind zwar insgesamt geringe Unterschiede. Vor dem Hintergrund, dass die Teilnehmer asymptomatisch waren und das Risiko selbst noch nicht zu spüren bekamen, ist Näslund jedoch mit den Ergebnissen zufrieden. Die Intervention sei kaum mit Kosten verbunden und sie könnte auf Bevölkerungsebene eine günstige Wirkung erzielen.

Ein Blick auf die sekundären Endpunkte zeigt, dass die Patienten am ehesten bereit waren, Statine einzunehmen: Die Verordnungsrate stieg um 9,42 %. Die Einnahme von Antihypertensiva nahm (nicht signifikant) um 2,48 % zu. Auch die positiven Auswirkungen auf das Körpergewicht (minus 1,62 kg) und den Bauchumfang (minus 1,3 cm) verfehlten das Signifikanzniveau.

© rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

4. Dezember 2018
Gießen – Im Hoden könnte es durch Arteriosklerose zu Veränderungen kommen, die die Fertilität beeinträchtigen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Justus-Liebig-Universität Gießen bei Versuchen mit
Arteriosklerose könnte den Hoden und somit die Fertilität beeinflussen
22. Oktober 2018
Nottingham – Patienten mit Gichtanfällen, die durch Ablagerungen von Harnsäurekristallen in Haut und Gelenken ausgelöst werden, erreichten in einer randomisierten Studie im Lancet (2018; 392:
Gicht-Schulung verbessert Behandlungsergebnisse
19. September 2018
Dresden – Eine neue Online-Lerneinheit schult Ärzte und andere Gesundheitsfachkräfte für die Kommunikation mit Patienten. Entwickelt haben sie Mitarbeiter des Bereiches Psychosoziale Medizin der
Onlineschulung hilft beim Arzt-Patienten-Gespräch
14. September 2018
Hamburg – Wenn sich Patienten vor ihrem Arztbesuch etwa im Internet über ihre Krankheitsbilder informieren, dann reagiert eine Mehrheit der Mediziner positiv darauf. Das ergab eine forsa-Umfrage für
Ärzte reagieren meist positiv über vorinformierte Patienten
31. August 2018
München – Eine kurze Schlafdauer kann mit künftigen Herz-Kreislauf-Risiken verbunden sein. Entsprechende Daten eines 21 Jahre währenden Follow-ups hat Moa Bengtsson aus Göteborg, Schweden, auf dem
Kurzer Nachtschlaf begünstigt Herzerkrankung
28. August 2018
Berlin – Hohes Vertrauen und Zufriedenheit über die Arbeit von Vertragsärztinnen und -ärzten, aber Skepsis bei der Digitalisierung der Medizin: Die diesjährige Versichertenbefragung der
Der persönliche Arztkontakt wird geschätzt
9. Juli 2018
Münster – Der 11. Westfälische Ärztetag hat sich für eine Stärkung der Digitalkompetenz von Ärzten ausgesprochen. Dazu sollten digitale Informationen rund um Medizin und Gesundheit so aufbereitet und
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER