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Hilfsorganisationen fechten Entscheidung zu Hepa­titis-C-Medikament an

Mittwoch, 5. Dezember 2018

/dpa

Paris/Berlin – Ärzte ohne Grenzen und fünf weitere Organisationen haben Berufung gegen die Entscheidung des Europäischen Patentamts (EPA) eingelegt, ein Patent des Pharmaunternehmens Gilead Science auf den Wirkstoff Sofosbuvir gegen Hepatitis C aufrecht zu erhalten. 

„Gileads Monopol auf Sofosbuvir in Europa hat dem Unternehmen ermöglicht, stark überhöhte Preise für das Medikament zu verlangen. In einigen europäischen Ländern schlägt die zwölfwöchige Behandlung mit bis zu 43.000 Euro zu Buche, während derselbe Behandlungszyklus mit Generika außerhalb Europas nur 75 Euro kostet“, erklärte Ärzte ohne Grenzen.

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Die hohen Preise hätten zum Teil dazu geführt, dass Gesundheitssysteme gezwungen gewesen seien, das Medikament zu rationieren. „Tausende an Hepatitis C Erkrankte in Europa hatten so keinen Zugang zu einer optimalen Behandlung“, so Ärzte ohne Grenzen.

Die Berufung ziele darauf ab, „den Missbrauch des Patentsystems durch Pharmaunternehmen zum Zweck der eigenen Profitmaximierung zu stoppen“. Ein Erfolg würde sich auch außerhalb Europas auswirken, wo sich die Patentämter oft an den Entscheidungen des EPAs orientierten, hieß es.

Im März 2017 hatten 33 zivilgesellschaftliche Organisationen aus 17 europäischen Ländern eine Anfechtung gegen einen Basisbestandteil von Sofosbuvir eingereicht. Ihr Hauptargument: Die für ein Patent maßgebliche Bedingung eines erfinderischen Schrittes habe Gilead nicht erfüllt. Das EPA entschied aber, das Patent aufrecht zu erhalten. Diese Entscheidung fechten die Hilfsorganisationen jetzt an. 

„Das EPA ist zu nachsichtig mit Pharmaunternehmen und gibt ihnen einen Freifahrtschein“, sagte Olivier Maguet, Leiter der Ärzte der Welt-Arzneimittelkampagne. Es sei grundsätzlich sehr wichtig, einen Missbrauch des Patentsystems im Arzneimittelbereich zu verhindern, damit Patienten Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten hätten.

Vor fünf Jahren wurde das Medikament zum ersten Mal in den USA zugelassen. Dort brachte es Gilead für 1.000 US-Dollar pro Pille oder 84.000 US-Dollar für einen zwölfwöchigen Behandlungszyklus auf den Markt. Das Unternehmen hat laut Ärzte ohne Grenzen seitdem mehr als 58 Milliarden Dollar mit dem Verkauf des Medikaments und seinen Kombinationen verdient.

An der Anfechtung der EPA-Entscheidung beteiligen sich neben Ärzte ohne Grenzen auch die Organisationen Ärzte der Welt, AIDES (Frankreich), Access to Medicines Ireland, Praksis (Griechenland) and Salud por Derecho (Spanien). © hil/aerzteblatt.de

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