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Medizin

Apixaban kann Krebspatienten vor Thromboembolien schützen

Donnerstag, 6. Dezember 2018

/photophonie, stockadobecom

Ottawa – Eine orale Antikoagulation mit dem Faktor-Xa-Inhibitor Apixaban hat in einer randomisierten kontrollierten Studie bei Krebspatienten mit einem erhöhten Risiko die Rate von venösen Thromboembolien während einer Chemotherapie deutlich gesenkt. Das Risiko von Blutungen war laut der Publikation im New England Journal of Medicine (2018; doi: 10.1056/NEJMoa1814468) zwar erhöht. Lebensgefährliche Komplikationen blieben jedoch aus.

Viele Krebserkrankungen erhöhen das Risiko von venösen Thromboembolien. Eine medikamentöse Thromboseprophylaxe wird derzeit nicht empfohlen, weil die Gefahr von Blutungen vor allem während einer Chemotherapie als hoch eingeschätzt wird und den Patienten zusätzliche Injektionen erspart bleiben sollen. Mit der Entwicklung der neuen oral verfügbaren Antikoagulanzien könnte sich dies ändern. Die AVERT-Studie, die vom Ottawa Hospital Research Institute zusammen mit dem Hersteller finanziert wurde, hat den Einsatz des Faktor-Xa-Inhibitors Apixaban an Patienten untersucht, deren Thromboembolie-Risiko als hoch eingestuft wurde.

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An der Studie nahmen an 13 Zentren in Kanada 563 Patienten mit Krebserkrankungen teil, bei denen eine Chemotherapie geplant war. Wichtigstes Einschlusskriterium war ein Khorana-Score von 2 oder höher. Der Khorana-Score bewertet das Thrombo­embolie-Risiko anhand der Laborparameter (Thrombozyten, Hämoglobin, Leukozyten), dem Body-Mass-Index und der Tumorlokalisation mit 0 bis 6 Punkten. Einen Wert von 2 erreicht etwa die Hälfte aller Krebspatienten. Bei allen Teilnehmern war eine Chemotherapie von mindestens 3 Monaten Dauer geplant.

Parallel zur Chemotherapie nahmen die Patienten 2-mal täglich eine Tablette ein, die bei der Hälfte 2,5 mg Apixaban enthielt, bei der anderen Hälfte dagegen ohne Wirkstoff war.

Wie das Team um Philip Wells vom Ottawa Hospital berichtet, kam es im Verlauf von 180 Tagen in der Placebogruppe bei 28 von 275 Patienten (10,2 %) zu einer Thromboembolie, dem primären Endpunkt der Studie. Darunter waren 16 Patienten mit Lungenembolie. In der Apixaban-Gruppe trat der primäre Endpunkt nur bei 12 von 288 Patienten (4,2 %) auf. Darunter waren nur 5 Patienten mit Lungenembolie. Die Autoren ermitteln eine Hazard Ratio von 0,41, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,26 bis 0,65 statistisch signifikant war. Die absolute Differenz von 6,0 Prozentpunkten ergibt eine Number Needed to Treat von 17. So viele Patienten mussten behandelt werden, um einem eine Thromboembolie zu ersparen.

Auf der anderen Seite erhöhen Antikoagulanzien bekanntlich das Blutungsrisiko. In der Apixaban-Gruppe kam es im Verlauf der Studie bei 10 Patienten (3,5 %) zu einer schweren Blutung gegenüber 5 Patienten (1,8 %) in der Placebogruppe (Hazard Ratio 2,00; 1,01-3,95). Der Unterschied von 1,7 Prozentpunkten ergibt eine Number Needed to Harm von 59 Patienten, auf die 1 Patient kommt, der infolge der Behandlung zu Schaden kam.

Die Nettobilanz fällt demnach positiv aus. Es werden mehr Patienten vor einer Thromboembolie geschützt als durch eine schwere Blutung gefährdet werden. Die Blutungen konnten in der Regel beherrscht werden, berichtet Wells. Todesfälle durch Blutungen waren nicht zu beklagen. Einen Einfluss auf die Sterblichkeit hatte die Antikoagulation nicht. Im Verlauf der 6-monatigen Studie starben 62 Patienten, davon 54 an den Folgen einer Tumorprogression. Der Vorteil besteht laut Wells vor allem in der Vermeidung von Lungenembolien.

Die Behandlung käme für etwa die Hälfte aller Krebspatienten infrage. In Nordamerika wären dies 950.000 von 1,9 Millionen. Insgesamt 57.000 Patienten könnten durch die Prophylaxe vor einer Thromboembolie geschützt werden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #747495
JohnR
am Donnerstag, 6. Dezember 2018, 22:10

Apixaban auch ohne Krebs ?

Es gibt Thrombo-Embolien auch ohne Krebs. Hat man auch hier untersucht und ist zu einem Erfolg gekommen ?
LNS

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