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Medizin

Infektionen könnten bei Kindern das Risiko auf psychische Erkrankungen erhöhen

Freitag, 7. Dezember 2018

/Africa Studio, stockadobecom

Aarhus – Kinder und Jugendliche, die wegen schwerer Infektionen im Krankenhaus behandelt wurden, erkrankten in einer bevölkerungsweiten Kohortenstudie aus Dänemark in JAMA Psychiatry (2018; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2018.3428) danach häufiger an psychischen Erkrankungen. Ähnliche Assoziationen wurden für die Verordnung von Antiinfektiva und Antibiotika im Speziellen gefunden.

Neuropsychiatrische Erkrankungen sind bei Kindern häufig: Dazu gehören Affekt­störungen wie Angstzustände oder Depressionen, Verhaltensstörungen wie die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung ADHS oder auch neurologische Entwicklungsstörungen wie der Autismus. 

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Infektionen, die in der Kindheit häufig sind, gehören bisher nicht zu den vermuteten Ursachen. Dabei gibt es Beispiele für (seltene) postinfektiöse psychiatrische Erkran­kungen wie PANS (Pediatric Acute-onset Neuropsychiatric Syndrome) oder PANDAS (Pediatric Autoimmune Neuropsychiatric Sisorders Associated with Streptococcal Infections). Und nicht zuletzt haben 15 bis 50 % der Weltbevölkerung Antikörper gegen Toxoplasma gondii im Blut. Der Parasit kann in Hirnzellen überleben. Auch von Herpesviren ist bekannt, dass sie in Nervenzellen „überwintern“, wenn auch in Ganglien außerhalb der Gehirns.

Ole Köhler-Forsberg von der Universitätsklinik Aarhus und Mitarbeiter haben jetzt die Daten von verschiedenen Patientenregistern abgeglichen. Dies ist in Dänemark möglich, da die Einwohner in den Registern die gleichen Identifikationsnummern haben. 

Die Epidemiologen konnten relativ leicht ermitteln, welchen dänischen Kindern und Jugendlichen Antiinfektiva und Antibiotika verschrieben wurden und welche wegen Infektionen im Krankenhaus behandelt wurden. Diese Daten wurden dann mit den Hospitalisierungen wegen psychischer Erkrankungen und der Verordnung von Psychopharmaka in Beziehung gesetzt.

Ergebnis: Kinder, die wegen einer Infektion im Krankenhaus behandelt worden waren, wurden in den Folgejahren zu 84 % häufiger wegen psychischer Erkrankung im Krankenhaus behandelt (Hazard Rate Ratio HRR 1,84; 95-%-Konfidenzintervall 1,69-1,99). Außerdem kam es zu 42 % häufiger zur Verordnung von Psychopharmaka (HRR 1,42; 1,37-1,46).

Auch im Anschluss an die Verordnung von antiinfektiösen Mitteln kam es häufiger zu Hospitalisierungen wegen psychischer Erkrankungen (HRR 1,40; 1,29-1,51) oder zur Verordnung von Psychopharmaka (HRR 1,22; 1,18-1,26). Die am häufigsten verordneten Antiinfektiva waren Antibiotika. Auch nach Antibiotikabehandlungen kam es häufiger zu Klinikaufenthalten wegen psychischer Erkrankungen (HRR 1,41; 1,35-1,46) oder zur Verordnung von Psychopharmaka (HRR 1,22; 1,17-1,27).

Nach einer Klinikbehandlung wegen Infektionen kam es am häufigsten zu geistigen Behinderungen, Tic-Störungen, oppositionellen Abwehr­störungen/Verhaltens­störungen, Zwangsstörungen und Angststörungen. Auch Schizophrenie-Spektrum-Störungen und Autismus-Spektrum-Störungen traten häufiger auf, wenn die Kinder zuvor wegen schwerer Infektionen im Krankenhaus behandelt wurden. Die Assoziation mit der Verordnung von Antiinfektiva, die eher für leichtere Infektionen spricht, waren in der Regel schwächer ausgeprägt und bei Schizophrenie-Spektrum-Störungen und Autismus-Spektrum-Störungen nicht signifikant.

Ein wichtiger Hinweis auf eine Kausalität war, dass das Risiko auf spätere psychische Erkrankungen in den ersten 3 Monaten nach der Infektion am höchsten war. Hospitalisierung wegen einer psychischen Erkrankung traten 5-fach häufiger auf (HRR 5,66; 4,84-6,62).

Die Studie kann nicht beweisen, dass Infektionen im Kindesalter (oder aber die Behandlung) psychiatrische Erkrankungen „triggern“ können. Die Editorialistin Lena Brundin vom Van Andel Research Institute in Grand Rapids/Michigan sieht in den Zahlen jedoch zwingende („compelling“) Belege, die drängende („pressing“) Fragen nach den zugrunde liegenden Ursachen aufwerfen würden. © rme/aerzteblatt.de

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Ambush
am Sonntag, 13. Januar 2019, 14:20

Ätiologie und Pathogenese von ADHS ausschließlich durch Schädigung in Schwangerschaft darf bezweifelt werden

ich persönlich kenne ziemlich viele Betroffene mit ADHS (man spricht zunächst einmal von Betroffenen und nicht von Kranken und auch nicht von Patienten , der Krankheitswert von ADHS KANN (aber eben MUSS NICHT ) sich ergeben durch unglückliche Sozialisierung und unglückliche bzw fehlende Coping-Mechanismen in einem ungünstigen Umfeld bzw. Umwelt ) , da selbst betroffen und seit über 20 Jahren bewusst mit dem Thema persönlich konfrontiert , ich kenne aber bisher keinen Betroffenen , bei dem ich weiß , dass die Eltern nicht genau so sind wie er oder sie auch . Eine alleinige Ätiologie und Pathogenese von ADHS durch exogene Noxen in der Schwangerschaft in manchen Fällen darf bezweifelt werden, ich glaube zwar dass Schadstoffe in der Schwangerschaft die Hirnentwicklung bei ADHS modifizieren können, dass aber dies alleine ausreicht, um ein vollumfängliches ADHS-Gehirn mit allen charakteristischen Merkmalen zu erzeugen, meine persönliche Erfahrung in über 20 Jahren Bewusstsein über ADHS spricht klar dagegen. Die Zukunft wird wissenschaftlich valide zeigen, ob ich richtig liege mit dieser Vermutung .

Dass ADHS erblich und genetisch bedingt ist, kann ich als selbst davon betroffene Person bestätigen. Bei einer (nicht-professionellen)Stammbaumanalyse in meiner Familie kann ich ziemlich genau sagen, wer bei mir ADHS hat bzw, hatte. Ich Diagnose Mitte der 90er mit 9 , Mutti Diagnose vor 14 Jahren in der Burnout-Klinik mit Ende 40, Vater der Mutter ganz klarer Fall, Mutter der Mutter nur entsprechende Persönlichkeitsmerkmale, Bruder nicht betroffen, hat aber bestimmte Persönlichkeitsmerkmale in dieser Richtung, Vater ebenfalls nicht manifest betroffen, hat aber auch bestimmte entsprechende Persönlichkeitsmerkmale, Mutter des Vaters definitiv manifest von ADHS betroffen gewesen (plus Kriegstraumata und Vergewaltigung 1945 als negative Sozialisationsfaktoren dort), Vater des Vaters nicht betroffen gewesen, Bruder der Mutter definitiv manifest betroffen (lehnt eine Diagnostik jedoch ab, dessen Tochter jedoch auch wiederum klare Auffälligkeit hinsichtlich ADHS), Schwester des Vaters (Messi-Syndrom gehabt) definitiv betroffen gewesen und mit Mitte 50 recht verwahrlost gestorben, andere Schwester des Vaters nicht betroffen... solche ADHS-Stammbäume sind eher die Regel und nicht die Ausnahme bei ADHS …. im Übrigen bleiben von ADHS Betroffene in der Tendenz unter sich... sozial und auch was Partnerschaft und Beziehung angeht... und auch hier gilt wieder: nicht schwarz-weiß , nicht alles oder nichts, sondern "tendenziell"...und je ausgeprägter das ADHS , desto unwahrscheinlicher ist es, dass der oder die Partner/in gar kein ADHS hat. Mein Vater hat kein manifestes ADHS , aber Mutti hätte sich niemals mit jemandem einlassen können, der nicht entsprechende Persönlichkeitsmerkmale besitzt …. das läuft nach dem allgemein gültigen Prinzip: "gleich zu gleich gesellt sich gern" und auch sämtliche meiner echten Freunde haben ADHS oder zumindest entsprechende Persönlichkeitsmerkmale .

Man muss ansonsten nur durch die Straßen einer durchschnittlichen deutschen Stadt laufen und es werden einem jeden Tag Personen mit ADHS über den Weg laufen, um zu erkennen, dass bei Person X ADHS vorliegt, da braucht es aber oftmals schon ein gewisses Gespür, was man vollumfänglich nur als selbst mit ADHS Betroffener hat. Man kann sehr wohl “spüren” , wenn das Gegenüber auch ADHS hat, Stichwort Wesensverwandtschaft , und mit ADHS Betroffene erkennen sich untereinander so wie in China ein Deutscher einen anderen Deutschen erkennt, am Habitus und an der Persönlichkeit . Jemand, der kein ADHS hat, der muss all das rein kognitiv kompensieren , allein schon aus diesem Grund besteht der harte Kern an ADHS-Therapeuten in Deutschland und weltweit überwiegend aus selbst mit ADHS betroffenen Ärzten , Psychotherapeuten etc. und man ist, so unfair das auch sein mag, als Nicht-Betroffener schon deswegen ein ADHS-Therapeut 2. Klasse.

Im Übrigen sollte man auch von fachlicher Seite Erfahrungsberichte von Betroffenen nicht einfach abtun als belanglos , Empirie und Aha-Effekte sind in ihrer Treffer-Frequenz und Wahrheit nicht zu unterschätzen , die Studie von Arno Deister , Präsident der DGPPN , mit diesen 59% verkapptem ADHS in der Psychiatrie , selbst von ADHS betroffene Fachleute haben sich das schon seit ca 30 Jahren gedacht bzw es "gewusst" , man hatte es halt nicht schwarz-auf-weiß , hier noch einmal gesondert die Studie von Arno Deister http://news.doccheck.com/de/blog/post/8424-59-prozent-von-patienten-der-allgemeinpsychiatrie-haben-adhs/ Hier die Studie: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=deister+adhd , zu Aha-Effekten im Zusammenhang mit ADHS , ADHS und Griechenland , auch in dem Kontext erkennt der ADHS-Betroffene mit geschulter Wahrnehmung und geschultem Blick für ADHS Aha-Effekte , die skurilen Zustände in griechischen Archiven und schlicht und einfach das alltägliche Erleben von Griechen oder Personen mit griechischem Migrationshintergrund in Deutschland oder wie ich es auch erlebt habe, in Krankenhäusern als Patienten , das wird dann von Wissenschaftlern als Spinnerei und nichts Substantielles abgetan , nun , schauen wir mal, was über die Häufigkeit von ADHS in Griechenland in 15 Jahren bekannt sein wird und ein gewisser Varoufakis dürfte sich ohnehin ins kollektive Gedächtnis der Bevölkerung in Deutschland eingebrannt haben, tja, jedenfalls steht über Griechenland im Raum knapp die Hälfte der Bevölkerung dort mit ADHS-Persönlichkeit oder manifestem ADHS (was war zuerst, die Gene oder die Kultur, wahrscheinlich beeinflusst sich beides evolutionär betrachtet wechselseitig ) , ähnlich verhält es sich mit den Sinti und Roma , auch da gibt es bisher keine ernst zu nehmenden Erhebungen im Zusammenhang mit ADHS und auch da gibt es jedoch klare Aha-Effekte im Zusammenhang mit ADHS , das sehen auch einige überregional bekannte Fachleute für ADHS exakt genau so, diese werden aber den Teufel tun, sich dazu öffentlich zu äußern, da man angesichts von Rassismus-Vorwürfen und Nazi-Assoziationen dann ganz schnell einpacken könnte. Und auch von akademischer Seite muss sich das erst einmal jemand trauen, das nach wissenschaftlich qualitativ hochwertigen Kriterien zu untersuchen , da man angesichts des Postulats Sinti und Roma , ethnischer Hotspot von ADHS ? ganz schnell seine eigene akademische Karriere gefährdet , jedenfalls auch hier, was war zuerst, die Gene oder die Kultur, wahrscheinlich beeinflusst sich beides evolutionär betrachtet wechselseitig, hier nochmals die Qunitessenz zu ADHS und Evolution (siehe erster Beitrag hier von "Ambush" weiter unten)

http://news.doccheck.com/de/blog/post/10463-leben-wir-artgerecht/
dieser Abschnitt in Martin Winklers Beitrag, den ich in der Zeile darüber verlinkt habe, "Hier ist der Größenwahn der Psychotherapeuten und Psychiater gesellschaftlich schädigend, weil uns gerade die Heranwachsenden auf der Strecke bleiben, die mit Kreativität und Einsatzbereitschaft in unserer Gesellschaft so dringend benötigt würden." , der kam mir heute in den Sinn , als ich heute einen Spiegel-Report zum Niedergang der Wirtschaftsmacht Japan gelesen habe http://www.spiegel.de/plus/japan-der-niedergang-des-einstigen-wirtschaftswunderlandes-a-00000000-0002-0001-0000-000161577237 , beim dortigen Abschnitt über die soziophoben Hikikomori in Japan : "...ideenreiche, sensible Jugendliche..." , auch in Japan gibt es eine angepasste Mehrheitsgesellschaft und mehr oder weniger auffällige Minderheiten ,so etwa die soziophoben Hikikomori oder auch psychisch labile Schottenrock-Lolitas in Tokio , in Wahrheit ist beides verkapptes ADHS und auch Japan ist solch ein geographischer und ethnischer Hotspot von ADHS mit ca 20% ADHS in der Bevölkerung und der Abstieg von Japan sollte eine Warnung sein für die Noch-Wirtschaftsmacht Deutschland . Und auch in der Europa-Politik ist ADHS von Relevanz , das Land mit der wahrscheinlich höchsten Dichte bzw Prävalenz von ADHS in Europa ist Griechenland mit in Wahrheit bis zu 40% an ADHS dort in der Bevölkerung , bei Personen wie Varoufakis und bei Berichten über Archive in Griechenland und die dortige Ordnung oder Buchführung erkennt der selbst mit ADHS Betroffene mit über 20-jähriger Erfahrung mit dem Thema ADHS und , das maße ich mir an, einem entsprechend geschulten Blick bzw geschulter Wahrnehmung für ADHS , gewisse Aha-Effekte , die man als Nicht-Betroffener nicht in dem Ausmaß haben kann. Das bei so was natürlich ganz schnell das Totschlag-Argument des Rassismus kommt , das lässt sich natürlich nicht vermeiden. Zur hohen Prävalenz von ADHS in Griechenland (dass das in den ganz wenigen methodisch nicht ernst zu nehmenden Studien zur Prävalenz von ADHS in Griechenland nicht widergegeben wird, tut hier nichts zur Sache ) und übrigens auch den Sinti und Roma , auch überregional bekannte selbst betroffene Fachleute zu ADHS sehen das exakt genauso , werden aber den Teufel tun, sich dazu öffentlich zu äußern, da man angesichts von Rassismus-Vorwürfen und Nazi-Assoziationen dann ganz schnell einpacken könnte.

Abschließend sollte noch gesagt sein, dass das Reizthema ADHS sämtliche gesellschaftlichen und politischen Bereiche tangiert (das reicht von Familienpolitik über Justiz und Strafvollzug über Drogenpolitik bis zur EU-Politik , nebenbei ist es ein Irrtum, anzunehmen, ADHS sei in sämtlichen Ländern, Ethnien und Kulturen etwa gleich häufig vorhanden, auch in Europa gibt es gewisse geographische und ethnische Hotspots von ADHS und manchmal ist die Frage, was zuerst da war, die Kultur oder die Gene, nicht so ganz geklärt.. wahrscheinlich beeinflussen sich Kultur und Gene evolutionär betrachtet oft wechselseitig) , daher liegt es im gesamtgesellschaftlichen Interesse, sich diesem Thema anzunehmen. https://www.theguardian.com/society/2018/feb/15/undiagnosed-adult-adhd-could-cost-uk-billions-a-year-report-finds (und Nein, ADHS haben nicht nur 2,5% der Erwachsenen, sondern bei in Wahrheit ausgeglichenem Geschlechterverhältnis 8% bis 10% in Deutschland und mancherorts sogar ein Mehrfaches davon , eben mutmaßlich Griechenland und innerhalb Griechenlands nochmals mehr die Insel Kreta , Japan , die Sinti und Roma aber auch Israel mit um die 20% ADHS (die höchste Diagnose-Rate an ADHS innerhalb von Israel gibt es übrigens bei orthodoxen Juden , deren Kinder Schwierigkeiten mit dem mühevollen Studieren der religiösen Texte haben )

Leider gibt es unzählige Psychiater in Deutschland, die solche Fakten nicht wahrhaben wollen, solche Erfahrungsberichte z.B.:

"Ja, das wäre sicher die ideale Lösung.
Mutter eines Sohnes mit ADHS, selbst betroffen (Diagnose allerdings erst mit 48 Jahren erhalten!!!), habe ich vor ein paar Jahren ein paar Monate in einer Mutter-Kur-Klinik gearbeitet.
In jeder Gruppe (ich betreute die Kinder) erkannte ich die ADHS Kinder sofort (ich wusste vorher nicht, welche Kinder betroffen waren, die Kollegin hat mir jedes Mal meine Ahnung bestätigt).
Die ADHS meines Freundes habe ich gewusst, bevor er die Diagnose erhalten hat.
Oft weiß ich, wer betroffen ist, aber meine Hinweise werden sehr oft in den Wind geschlagen (mein eigener Ex-Mann-mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit selbst betroffen-hat die Diagnose unseres Sohnes von Anfang abgelehnt, wie seine Schwester die Diagnose ihres Sohnes abgelehnt hat).
ADHS wird offensichtlich in der allgemeinen Bevölkerung als Stigma wahrgenommen (von vielen Ärzten als „Modediagnose“ oder „Möchte-Gerne-ADHS-Haben“-Krankheit).Man ist lieber „depressiv“ oder „ängstlich“ als ein ADHSler.
Zum Glück gibt es aber auch sehr kompetente Ärzte, die nicht betroffen sind, aber die Diagnose stellen können. Das ist der Fall für meinen Arzt, der gleichzeitig Arzt für Psychotherapie ist.
Die Suche nach diesem Arzt war aber steinig: als Betroffene mir in Foren sagten, ich sei sehr wahrscheinlich selber betroffen, habe ich vergeblich nach einem Arzt in meiner Nähe gesucht.
Bis ich auf die Idee kam, meinen Ex-Hausarzt darauf anzusprechen (die Praxis habe ich wegen seiner Frau verlassen.Er ist sehr gut, macht leider nur Hausbesuche). Er fand 2 Adressen „in meiner Nähe“. Ein Arzt ist 115 km von meinem Wohnort entfernt, der andere Arzt 70 km.
Da ich keinen Termin beim 1. Arzt bekam, habe ich den 2. angerufen. Und die Diagnose nach dem 3.Termin erhalten (Gespräche + 3 Fragebögen).
In der Psychiatrie wurde ich einige Wochen vorher wegen meines Verdachts regelrecht bei der Visite ausgelacht („Warum wollen Sie unbedingt die ADHS Diagnose erhalten?“).
Jetzt weiß ich, dass ein großer Teil meiner erheblichen Schwierigkeiten in meinem Leben an dieser Gehirnstoffwechselstörung lagen. Hätte man sie in jungen Jahren diagnostiziert und therapiert, hätte man mir viel Leid (darunter viele depressive Tiefe mit 4 Selbstmordversuchen!!!) erspart." zu finden hier: https://adhsspektrum.wordpress.com/2018/05/21/adhs-diagnostik-bei-erwachsenen/#comments


Ich sehe das so: mit ADHS in der Psychiatrie verhält es sich so wie mit der Nutzung von Pornoseiten im Internet. Beides ist der große, blaue Elefant mitten im Raum , den irgendwo jeder sieht bzw. dessen Präsenz fühlt, aber keiner redet darüber und will was damit zu tun haben.
Im Übrigen sind ca. 70% gerade auch der Psychiater in Deutschland ignorant bezüglich ADHS. Unterdiagnostik und das Nicht-Erkennen von ADHS geschehen dort massenhaft. Die Anzahl tatsächlich kompetenter Spezialisten für ADHS (die in den meisten Fällen übrigens mehr oder weniger ausgeprägt selbst ADHS haben) ist leider mehr als überschaubar. Zusätzlich kommt nichts nach, um die alten Hasen und ADHS-Pioniere, die zusehends in den Ruhestand gehen oder aus anderen Gründen, z.B. dem systematischen Mobbing gegen niedergelassene ADHS-Therapeuten durch die institutionalisierte ADHS-Gegnerschaft, aus der Versorgung der ADHS-Patienten ausscheiden, zu ersetzen.
Ich habe selbst Medizin studiert und habe in der Universitätspsychiatrie 4 Monate Praktisches Jahr absolviert. Der Oberarzt meiner Station sagte dort in einem Seminar gegenüber uns Studenten:”…Ich möchte mich bei der Gelegenheit outen als ADHS-Gegner…”…das war übrigens diejenige Universitäts-Psychiatrie, die ansonsten als das ADHS-Zentrum schlechthin in Deutschland gilt. Und selbst dort sieht sich ein Teil der Ärzte als “ADHS-Gegner”…die deutliche Mehrheit der Psychiater in Deutschland dürfte diese Einstellung zu ADHS haben. Bei ca. 4 Millionen Erwachsenen mit ADHS in Deutschland (und das noch gemäß der “konservativen Diagnosekriterien gemäß ICD-10) dürfte riesiger Bedarf für die fachärztliche Betreuung von ADHS-Patienten bestehen und die bisher (Stand 2018) mit ADHS diagnostizierten Erwachsenen dürften sicher nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Leider beißen die Betroffenen bei überwiegend ignoranten und übrigens unethisch (und zwar so gar nicht gemäß Hippokratischem Eid bzw. Genfer Gelöbnis) handelnden Ärzten meistens nur auf Granit und erfahren gerade von dieser gesellschaftliche Gruppe noch stärkere Ablehnung bis hin zu offener Feindschaft, als dies für die Gesellschaft insgesamt gilt. Zeit, mal ein bischen Radau zu machen.

Eine ehemalige Schulkameradin von mir war einst in der KJP gelandet. 0815-Diagnostik, Schema F , das wars. 10 Jahre später, keine Ausbildung, HartzIV, immer noch chronisch depressiv, das Leben nicht komplett, aber nicht unwesentlich verpfuscht (auch wenn es prinzipiell niemals zu spät ist). Nach diesen 10 Jahren sagt ihr der selbst betroffene ehemalige Schulkamerad: "Du hast ADHS " ...das wurde nach mittelfristig darauf folgender Diagnostik von fachlicher Seite dann auch bestätigt. Das hätte man auch schon vor 10 Jahren haben können in der KJP , aber die waren damals wahrscheinlich der Meinung, das sei ne Modediagnose und so. Ein solch fahrlässiges und unethisches , schlampiges Unterlassen zumindest einer Sondierung nach ADHS gehört bestraft !

Wie sagte doch mein Oberarzt einst: "ich möchte mich bei der Gelegenheit outen als ADHS-Gegner." Auch solch eine ignorante, arrogante und unethische Einstellung gehört bestraft! (Gruß an den "herausragenden" Fachmann für ADHS PD Dr. ... nach Würzburg)

Ein Vorwurf, der sich in weiten Kreisen , darunter leider auch Ärzte , leider immer noch hält, ist, ADHS sei eine westliche Wohlstandskrankheit im verweichlichten 21. Jahrhundert, dazu empfehle ich diese BBC-Dokumentation über ADHS in Ägypten

https://www.youtube.com/watch?v=W-avhR0Vohg

nebenbei ist ADHS im arabischen Raum alles andere als selten:
http://english.alarabiya.net/en/life-style/healthy-living/2015/01/03/Saudi-Arabia-15-of-children-have-ADHD-.html

in der Türkei genau so wenig:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26002410
( “…Our results confirmed a substantially higher ADHD prevalence rate (more than double) than the suggested pooled worldwide prevalence…”)

ADHS ist also keineswegs ein westliches Wohlstandsproblem…

oder Thailand: http://englishnews.thaipbs.or.th/1-million-thai-children-suffer-adhd/ etc. etc.

Und früher gab es keinen Elektrosmog, genau, da hat man die ungezogenen Kinder eben gezüchtigt, gebrochen und dadurch sind sie alle was Ordentliches geworden. Nebenbei war zu dieser Zeit die Selbstmordrate ca. 3 mal so hoch wie heute, die Psychiatrie erinnerte teilweise tatsächlich irgendwie an “Shutter Island” und früher war alles besser. ADHS gab es aber auch schon früher und zwar sehr viel früher:

Die bisher älteste bekannte kulturhistorische Schilderung von ADHS findet sich nicht erst im Struwwelpeter von 1844, sondern bereits um 250 v. Chr. in einer Ode von Herondas . Dort klagt eine Mutter über einen Jungen, der ihr den letzten Nerv raubt, nicht richtig lesen kann, die Tafel mehr verkratzt, als schön darauf zu schreiben, keine Hausaufgaben macht, mühsam Gelerntes schnell wieder vergisst, überall herumturnt, ständig irgendwelchen Blödsinn macht und falsche Freunde hat.

ADHS gibt und gab es seit Anbeginn der Menschheit, und auch schon zuvor, bei Tieren, gab und gibt es Äquivalente von ADHS – so z.B. den Zappelhund, der nur Gassi gehen kann, wenn er das Ritalin vom Herrchen frisst und spezielle “Persönlichkeiten” bzw. “Typen” bei Schimpansen . In der ADHS-Forschung wird auch sehr viel am Tier-Modell geforscht.

Das die komplexe Realität etwas simplifizierende Modell der Jäger und Sammler in einer Gesellschaft von sesshaften Bauern, auch damit wird ADHS beschrieben.



“Früher” gab es natürlich genau so viele Fälle von ADHS , wie heute. Das fiel aber zum einen in der Tat weniger auf oder entsprechende Person wurde als “einfach nur dumm” abgestempelt (was nicht heißt, das es nicht unzählige Personen gibt, die tatsächlich dumm sind, und es gibt sogar dumme Personen mit ADHS bei einer annähernd normalverteilten Intelligenz bei ADHS ) zum anderen ist die Sozialisation mit ADHS in einer Großstadt wie Berlin oder Seoul im 21. Jahrhundert mit Smartphone und Cybermobbing natürlich in der Tat bei ADHS eher suboptimal. Das bedeutet aber lediglich, das sich ADHS dadurch von der Latenz ins Pathologische und damit stärker Sichtbare verschiebt.

Ein Beispiel von ADHS , das als Kind übersehen wurde, weil das unbekannt war, ist Noah Gordon :

Und das ADHS eben nicht einfach mit dem 18. Lebensjahr verschwindet, sondern bis zum Lebensende besteht, sieht man z.B. am Medicus-Autor Noah Gordon, der erst im Alter von 70 Jahren mit ADHS diagnostiziert wurde: http://www.noz.de/deutschland-welt/kultur/artikel/803168/medicus-autor-noah-gordon-wird-90-jahre-alt “Nur wenige Fans der ab 1986 erschienenen „Medicus“-Trilogie, die die Medizinerdynastie der Familie Cole im Mittelalter beschreibt, werden von der Tortur wissen, der Gordon sich beim Schreiben unterziehen musste. Wegen einer erst im Alter von 70 Jahren diagnostizierten Aufmerksamkeitsdefizit-Störung (ADHS) quälte Gordon sich oft über Stunden, um klare Gedanken zu fassen und zu Papier zu bringen. „Eine Fülle, ein Überangebot schneller Gedanken“ sei ihm dabei durch den Kopf gerauscht, sodass er sich übermäßig stark konzentrieren musste, um gedanklich überhaupt bei einem Thema zu bleiben. “

Spätere Generationen von Ärzten werden sich fragen warum neue Erkenntnisse jahrzehntelang ignoriert werden konnten. Wie bei Semmelweiss. Siehe auch Semmelweissreflex. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Semmelweis-Reflex , ich habe das Gefühl , der nächste Fall oder das Pendant heute von Kindsbettfieber wie bei Semmelweis , das ist ADHS

ADHS ist zunächst mal keine Krankheit , sondern eine je nach Schweregrad Konstitution, Persönlichkeitsvariante oder eben doch Störung, die abhängig vom Umfeld, den Umweltbedingungen und der Sozialisation sowie etwaigen Primären Komorbiditäten ( Kurt Cobain hatte ADHS und parallele dazu als "primäre Komorbidität" Bipolare Störung , eine Freundin von mir hat Diagnose ADHS plus Diagnose Schizoaffektive Störung als "primäre Komorbidität" ) Krankheitswert erlangen KANN , aber nicht MUSS !

Mit gemischten Gefühlen muss man dagegen betrachten die Entwicklung des Attributs ADHS als Hipster- und Lifestyle-Thema. Die Dunkelziffer der Prominenten mit ADHS dürfte gigantisch sein, auch in Deutschland (zu Prominenten mit ADHS hier: https://www.adhspedia.de/wiki/Bekannte_Pers%C3%B6nlichkeiten_mit_ADHS )

ADHS wird mehr und mehr gebraucht eben als Hipster und Coolness-Attribut , das wird aber dem Leidensdruck und dem Krankheitswert von ADHS bei der Mehrheit der Fälle nicht gerecht , nichts desto trotz hat z.B. Hollywood in entsprechenden Kreisen schon den Beinamen ADHD City , auch der Faktor Neid ( und Hybris und Prahlerei von entsprechend Betroffenen ) erschwert die gesellschaftliche Akzeptanz von ADHS .

zu den Folgeerkrankungen bzw. gesellschaftlichen Kosten und volkswirtschaftlichen Kosten , die mit ADHS einhergehen:

ADHS laut Kennern in der Versicherungsbranche die teuerste Krankheit bzw. Konstitution überhaupt
Allein schon wegen der hohen Quantität aber auch im Verbindung mit den hohen volkswirtschaftliche Kosten durch das jeweilige Individuum... so etwa der ungesunde Lebensstil: https://de-de.facebook.com/Aufmerksam.fuer.Menschen/posts/2051240818274665?__xts__%5B0%5D=68.ARB2VboKjFdP-Gk4C1fOKAzx8ig2xH83PItoHAT94gDm8PQgr66GOFOSJa5MPxK7nQhTxJ8WxfM_Q0dQskUVz2v5ktoLVw7fWj1GDbVHp1jBtvDAsIJYBVhDRmrVG7gs4Hjgt94rP3nw-_BTBkZmhGzobrq8X4azaepqQKjTBaxdYCXlteYwBnoO5hbhNYgRPOnI_-3Q2HjwrO2SSOkZxgFsOJmjvxQUWXuC15-gUCf4bTXq5A218QAlDXghN3oiltS4HtN2v_Kg3jpPiOD8Cvk7v5Xze2iiip5l-Z2LIsWlnyDVtIYWlTLETVLf9-kFnRXwAnBF0FRHBPkmGwOd4gyOeQ&__tn__=K-R aber auch die häufigen Unfälle im Kindes- aber auch Erwachsenenalter (dass ich selbst nicht vor dem 10. Lebensjahr gestorben bin bzw. schwerst verletzt wurde, war reines Glück) plus z.B. auch die hohe Raten an Teenager-Schwangerschaften bei ADHS : Häufig beobachtet ist ein früherer Beginn sexueller Aktivität im durchschnittlichen Alter von 15 bis 16 Jahren bei beiden betroffenen Geschlechtern. Studien von Barkley und Murphy weisen zudem auf dreimal häufiger wechselnde Sexualpartner (Promiskuität) hin.[10]
Eine auffallend hohe Rate an unerwünschten Schwangerschaften wurde unter den weiblichen ADHS-Betroffenen festgestellt (38 % versus 4 %). Da gemäß der Studie Verhütungsmaßnahmen gehäuft mangelhaft waren, leiten die Autoren für ADHS-Betroffene zudem ein viermal höheres Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten ab.[11] Aus einer Rostocker Untersuchung aus dem Jahr 2003 geht hervor, dass mehr als die Hälfte der Kinder unter 18-jähriger Mütter mit einer ADHS-Diagnose nach ICD-10 geführt wurden, von den Kindern der unter 20-jährigen Mütter etwa 50 %.[11] ausführlich nachlesbar hier: https://www.adhspedia.de/wiki/Sexualität und last but not least ADHS in der JVA : https://www.adhspedia.de/wiki/Kriminalität_und_ADHS dazu ein kurzer Auszug aus dem Link: "ADHS und Strafvollzug
Expertenschätzungen gehen von einer ADHS-Quote von 30 % - 50 % in deutschen Jugendstrafanstalten und bis zu 30 % unter den erwachsenen Inhaftierten aus.[11] Studien zeigen, dass sich inhaftierte mit ADHS im Vollzug häufig negativer entwickeln und häufiger rückfällig werden[12]. Eine Behandlung in Gefangenschaft gestaltet sich diffizil, eine abgesicherte Diagnostik ist schwierig durchzuführen. Im Strafvollzug fehlt zudem neben der Möglichkeit einer Durchführung evaluierter Behandlungsprogramme die Unterstützung des sozialen Umfelds. Insgesamt sind die Resozialisierungsmaßnahmen für ADHS-Betroffene in der Praxis momentan magelhaft, sodass die Entwicklungsprognose für die Betroffenen in der Regel negativ ist. "

Die Gesellschaft hat somit ein Interesse , sich der ADHS-Thematik bzw. eben auch -Problematik intensiver zu widmen, volkswirtschaftlich und kulturell bzw. was das Zusammenleben in Deutschland angeht...

zu ADHS und Essstörungen oder ADHS und insbesondere Magersucht / Anorexie :

https://www.youtube.com/watch?v=W27G1djHj4s

hier auch: https://steemit.com/adhs/@nightshadow1217/adhs-auf-der-intensivstation-eine-begegnung
und darin auch:

https://adhsspektrum.wordpress.com/tag/essstorungen/

http://www.spiegel.tv/videos/140142-leben-mit-adhs

in sehr hoher Anteil der Magersucht bzw Anorexie-Patientinnen hat primär ADHS

Avatar #752363
psychbrwg
am Sonntag, 13. Januar 2019, 11:48

Korrelation ./. Kausalität

Mindestens ein Teil der Störungen können auch durch die Belastung durch die Trennnung und/ oder Krankenhauserfahrungen von den Familien entstanden sein. Das muss untersucht werden.
Avatar #749369
Ambush
am Mittwoch, 12. Dezember 2018, 13:26

Genetik der Neurodevelopmental Disorders / Hirnentwicklungsstörungen

Der angeborene Part bei den multifaktoriellen Erklärungsmodellen zur Pathogenese Psychischer Erkrankungen geht auch mehr und mehr zu den Hirnentwicklungsstörungen und ADHS ist die mit Abstand häufigste Hirnentwicklungsstörung aufgrund der evolutionären Vorteile, die ADHS-Gene bzw. mitunter auch phänotypisch manifestes ADHS haben können.

Zur überlappenden Genetik der verschiedenen Hirnentwicklungsstörungen gab es aktuell eine vielbeachtete Publikation:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29930110

bzw. hier ein Teil der journalistischen Berichterstattung darüber:

https://www.spektrum.de/news/psychische-stoerungen-sind-teils-eng-verwandt/1572184

der quantitative Champion unter diesen Hirnentwicklungsstörungen ist jedoch ADHS , eben aufgrund der evolutionären Vorteile , die mit ADHS-Genen bzw. mit etwas weniger auch phänotypisch manifestem ADHS einhergehen.

Das Thema Evolution und ADHS fassen folgende Sätze des deutschlandweit führenden Genetikers (und auch einer der weltweit führenden Genetiker) zu ADHS Prof. Klaus-Peter Lesch von der Psychiatrie der Uniklinik Würzburg zusammen:”…Früher vermuteten die Forscher, einige wenige Gene würden ADHS auslösen; doch das trifft, wenn überhaupt, nur auf ganz wenige Familien zu. Für die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung gilt: Vermutlich sind es 500 bis 1000 Gene, die einen – jeweils minimalen – Einfluss auf das Temperament und die Konzentrationsfähigkeit des Menschen haben. Diese sind mithin auch keine Krankheitsgene, vielmehr gehören sie zur natürlichen Ausstattung des Menschen. “ADHS ist ein Extrem einer Persönlichkeitsvariante, das zunächst einmal gar keinen Krankheitswert besitzt”, bestätigt auch Klaus-Peter Lesch. Diese milden Ausprägungsformen von ADHS seien in einem Fünftel der Bevölkerung vorhanden und hätten sich im Laufe der Evolution des Homo sapiens immer wieder als vorteilhaft durchgesetzt. Lesch: “Der hohe Energiepegel, der Enthusiasmus, sich mit einer Sache auseinanderzusetzen, die große Kreativität, die Fähigkeit zum Querdenken und der Gerechtigkeitssinn – all das sind Ressourcen, die für unsere Gesellschaft wichtig sind.” zu finden in dem Artikel des ADHS-Gegners Jörg Blech im Spiegel: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-99311928.html

Der evolutive Vorteil von ADHS-Genen ist im Ausmaß abhängig von den Umweltbedingungen. So gibt es Länder, Ethnien und Kulturen, die ADHS-Gene und ADHS evolutiv begünstigen (während andere es entsprechend benachteiligen). So erklären sich auch die in Wahrheit weltweit deutlich unterschiedlichen Prävalenzen von ADHS, die macherorts wahrscheinlich ein Mehrfaches der bis zu 10% in Deutschland erreichen. Zusätzlich zum Faktor evolutive Selektion kommt dann bei den ADHS-Prävalenzen noch der Faktor geographische Isolation hinzu, so auch betrffend wahrscheinlich die Inseln bzw. Inselgruppen Island, Kreta und Japan .
Dass die Umweltbedingungen des 21. Jahrhunderts ADHS verstärkt von der Latenz in den sichtbaren Bereich rücken, versteht sich ebenfalls.
So viel zur Evolutionären Anthropologie der ADHS.
Was die Akzeptanz von ADHS erschwert, ist der sperrige Begriff aus 4 Großbuchstaben. Der Begriff “Autismus” (hier noch erwähnenswert: bis zu ca. 50% der Patienten mit Asperger sollen ebenfalls ADHS haben) z.B. ist viel weniger sperrig und flüssiger.
Es wird mitunter von ADHS-Gegnern diverser Couleur argumentiert, dass sich hinter ADHS diverse andere Psychische Störungen verbergen können und es ADHS somit quasi gar nicht gäbe. Die Wahrheit ist viel eher: Hinter FAST allen anderen Diagnosen in der Psychiatrie KANN sich ADHS als kausale oder komorbide Störung verbergen. So auch z.B. die Prognose von Russel Barkley , dem weltweit renommiertesten Wissenschaftler zu ADHS , dass sich das ADHS-Spektrum irgendwann einmal als das zentrale Thema in der Psychiatrie insgesamt herausstellen wird.

Natürlich ist ADHS nicht Alles-oder-Nichts, sondern eine dimensionale wie auch eine kategoriale Angelegenheit, d.h. es gibt ganz leichte und ganz schwere Fälle und es gibt auch bei ca. gleichem Schweregrad Unterschiede auch in der Neurobiologie. Zudem KÖNNEN (nicht müssen) FAST alle anderen Störungen der Psychiatrie bei ADHS als Komorbidität vorkommen. Z.B. wird geschätzt, dass mehr als 1/3 der Patienten mit Schizoaffektiver Störung / Schizophrenie ebenfalls ADHS hat, bei Depression, “Burnout”, Borderline, Alkoholismus, Bipolare Störung ( Kurt Cobain hatte Bipolare Störung und parallel dazu ADHS ) etc. ist es ähnlich. Oder auch Michael Phelps , Diagnose ADHS und rezidivierende depressive Episoden ( bei Phelps depressive Episoden ohne erkennbare exogene Ursache , endogene Depression eben ) , auch die Endogene Depression kann somit ursächlich auch als Hirnentwicklungsstörung aufgefasst werden und auch dort tritt oft eine Kombination mit ADHS auf.

ADHS ist deshalb so häufig, weil die ADHS verursachenden Gene evolutionär gesehen nicht nur Mist , sondern auch positive Aspekte , Stärken und Vorteile verursachen. ADHS als eine solche je nach Schweregrad Störung , Konstitution oder Persönlichkeitsvariante hat deshalb diese hohe Prävalenz – vergleiche dazu Prävalenz von ADHS in Deutschland von in Wahrheit etwa 8% bis 10% mit Autismus-Spektrum-Störungen mit Prävalenz von 1% bis maximal 2%. Ohne die Berücksichtigung der evolutionären Anthropologie psychischer Störungen wird man auch die jeweiligen teils gravierend unterschiedlichen Prävalenzen der verschiedenen Hirnentwicklungsstörungen (eben ADHS , Autismus aber auch Schizophrenie und Bipolare Störung und Unipolare Endogene Depression) nicht verstehen können.

Neulich gab es eine "brachiale" Studie zur Häufigkeit der häufigsten Hinrentwicklungsstörung ADHS in der Psychiatrie mit indem Fall 59% verkapptem ADHS in der Allgemeinpsychiatrie , darunter Prof. Arno Deister , aktuell Präsident der DGPPN, als Co-Autor. Diese Zahl von 59% ist so brachial, dass sie sehr wohl in der Fachwelt, leider aber nicht in der breiten Öffentlichkeit g-coverde wurde. Es gibt halt nach wie vor so diese Denkblockaden, auch gerade in der Ärzteschaft, wo Querdenken nicht gerade erwünscht ist von oben.

http://news.doccheck.com/de/blog/post/8424-59-prozent-von-patienten-der-allgemeinpsychiatrie-haben-adhs/ das Erbenis dieser Studie mit in dem Fall 59% ADHS in der Allgemeinpsychiatrie ist so brachial , dass die möglichen Konsequenzen vielleicht noch gar nicht durchgedrungen sind.
Mal angenommen, diese Studie mit 59% verkapptem ADHS in der Allgemeinpsychiatrie stimmt, das bedeutet, dass seit Anbeginn der modernen Geschichte der Psychiatrie die entsprechendne Patienten nur in ihren Begleit- und Folgeerkrankungen aber nicht ursächlich in ihrem ADHS therapiert wurden. Was das für die persönlichen Schicksale aber auch für die volkswirtschaftlichen Kosten bedeutet, dürfte ebendalls in Quantität und Qualität brachial sein. Wie prognostiziert doch Russel Barkley , der weltweit renommierteste Wissenschaftler bezüglich ADHS, wonach ADHS sich irgendwann einmal als das “zentrale Thema in der Psychiatrie insgesamt herausstellen wird”.

Hier die Studie: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=deister+adhd
das Ergebnis war für viele Leute in der ADHS-Community nicht mal überraschend, von selbst betroffenen Fachleuten wird seit über 30 Jahren auf die extrem hohe Dichte an verkapptem ADHS in der Psychiatrie hingewiesen , und wenn dann mehr und mehr prominente Fälle von ADHS wie “Naddel” , Hirschhausen https://www.stern.de/gesundheit/gesund-leben/eckart-von-hirschhausen/eckart-von-hirschhausen–humor-ist–wenn-man-spaeter-kommt-3808736.html und viele bisher nicht öffentliche Fälle (einer macht gerade Schlagzeilen mit seiner Privatinsolvenz und spielte mal Tennis früher) an die Oberfläche treten, dann lässt das erahnen, dass da quantitativ noch viel mehr sein muss. 10% in Deutschland bei einem Geschlechterverhältnis von in Wahrheit 1:1 (die betroffenen PatientINNEN kommen dann zum Psychiater wegen Depression, Angststörungen, Borderline, Essstörungen usw. nach dem zugrunde liegenden ADHS , das hat der Psychiater meist nicht auf dem Schirm) https://www.refinery29.de/2017/04/151067/mein-recht-auf-adhs
https://www.youtube.com/watch?v=HJ8BBUiwjVc
und die leichtgradigen Fälle miteinbezogen bei einer Persistenz einer zumindest Restsymptomatik von quasi 100% an der Gesamtbevölkerung , das ist auch ein “Markt” , den auch seit einiger Zeit der Journalismus entdeckt hat.

http://news.doccheck.com/de/blog/post/10433-psychische-stoerungen-bei-heranwachsenden/
Avatar #687997
Pro-Natur
am Montag, 10. Dezember 2018, 00:28

Nicht nur bei Kindern

Inflammation, Infektion, wer soll das beurteilen? Glauben Sie, dass es für alles einen Test gibt? Es gibt einen Test für die Erreger, die man kennt und für die man einen Test entwickelt hat. Alles Andere: Ergebnis negativ. Ob da wirklich nichts ist, bleibt bis zum geeigneten Test ungeklärt.
Avatar #749369
Ambush
am Samstag, 8. Dezember 2018, 15:08

Legitime Fragen , aber ohne quantitative Relevanz

Ich selbst habe das verhaltensauffälliger-hyperaktiver-Grundschüler-randaliert-im-Klassenzimmer-Syndrom plus eine Tic-Störung bzw. leichtes Tourette-Syndrom . Ich hatte allerdings keine Infektion, nicht im Kleinkindesalter und nicht in der Schwangerschaft , meine Mutter hat auch nicht in der Schwangerschaft gesoffen , wie von ADHS-Gegnern, darunter auch Psychiatern und anderen Ärzten in nicht zu überbietender Dreistigkeit in Deutschland immer wieder unterstellt wird und meine Eltern sind auch keine asozialen Sozialfälle , sondern ich bin behütet aufgewachsen. Die verschiedenen Hirnentwicklungsstörungen ADHS , Autismus , Schizophrenie , Tourette-Syndrom , Bipolare Störung etc. sind möglicherweise in einem Teil der Fälle tatsächlich durch Infektionen mit bedingt bzw. getriggered , der überwältigende Teil der entsprechenden Fälle dürfte aber niemals irgendwelchen exogenen Noxen ausgesetzt gewesen sein sondern hat eben eine bestimmte Kombination an Genen abbekommen.
LNS

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