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Politik

Unnötige Risiken bei Verpflegung in Heimen und Kliniken

Donnerstag, 6. Dezember 2018

/dpa

Berlin – Viele Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime in Deutschland setzen nach Expertenangaben ihre Patienten und Heimbewohner beim Essen unnötigen gesundheitlichen Risiken aus. Oft stünden risikobehaftete Lebensmittel wie Feinkostsalate, Rohwürste und Räucherfisch auf dem Speiseplan, kritisierte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) heute in Berlin unter Berufung auf 1.880 bundesweite Krankenhaus- und Heimkontrollen im Jahr 2017.

Nur zehn Prozent der untersuchten Heime, Krankenhäuser und Kureinrichtungen verzichteten bei der Essensversorgung ihrer Patienten und Heimbewohner ganz auf solche Risikolebensmittel, heißt es. „Es ist erschreckend, dass in so vielen Einrichtungen, in denen man gesund werden soll, das Risiko besteht, am Essen zu erkranken“, erklärte BVL-Präsident Helmut Tschiersky.

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Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte bereits im Jahr 2011 Handlungs­empfehlungen zum Schutz besonders empfindlicher Personengruppen vor Lebens­mittelinfektionen herausgegeben, die es jährlich aktualisiert. Nur knapp die Hälfte der kontrollierten Einrichtungen (45 Prozent) kannte diese Empfehlungen. Das Bewusstsein für risikobehaftete Lebensmittel müsse deutlich zunehmen, so der BVL-Präsident.

Grundsätzlich geht es bei den Feststellungen des BVL um potenzielle Gefahren. Die Bundesbehörde hat bei der Klinik- oder Heimverpflegung 2017 nicht konkret nach Keimen und nach Belegen für tatsächliche Lebensmittel-Infektionen durch die Verpflegung gesucht. Für das Risiko durch Rohwurst fanden sich bei den generellen Betriebskontrollen 2017 aber indirekt viele Anhaltspunkte. Bei jeder achten Probe streichfähiger Rohwurst, die Kontrolleure untersuchten, fanden sie Bakterien – in diesem Fall Listerien.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hatte nach eigenen Angaben bisher nicht die Gelegenheit, die neuen Zahlen zu prüfen. Sie sieht das angesprochene Gesundheits­risiko in Kliniken für die gefährdete Patientengruppe aber weitestgehend ausgeschlossen. „Zur Essensversorgung besonders empfindlicher Patienten in den Krankenhäuser ordnen Ärzte und Pflegekräfte eine individuell auf diese Patienten zugeschnittene Diätkost an“, sagte ein DKG-Sprecher.

Die Verbraucherschutzorganisation foodwatch kritisierte, dass die Ergebnisse der Lebensmittelüberwachung nur anonym veröffentlicht würden. „Solange nicht alle Verstöße öffentlich werden, haben Lebensmittelbetriebe, Caterer oder Kantinen­betreiber kaum Anreiz, sich durchgehend an die lebensmittelrechtlichen Vorgaben zu halten“, sagte Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch.

Rechtlich seien den Behörden da noch die Hände gebunden, sagte Claudia Schmid für die Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz dazu. Was fehle, sei eine Regelung des Bundes. © kna/afp/dpa/aerzteblatt.de

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