NewsPolitikZulassung zum Medizinstudium: Kultusminister einigen sich auf Staatsvertrag
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Zulassung zum Medizinstudium: Kultusminister einigen sich auf Staatsvertrag

Donnerstag, 6. Dezember 2018

/oocoskun, stock.adobe.com

Berlin – Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat sich auf den Entwurf eines zwischen den Ländern zu schließenden Staatsvertrags verständigt. Damit legt sie konkrete Vorschläge für Neuregelungen zur Vergabe von Studienplätzen im zentralen Vergabeverfahren vor. Dazu gehören die Studiengänge Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie.

Festgelegt wird der KMK zufolge, dass in einem Auswahlverfahren bis zu 20 Prozent der zur Verfügung stehenden Studienplätze für Vorabquoten vorbehalten werden können. Innerhalb dieses Rahmens können die Länder beispielsweise eine Quote Landärzte oder für beruflich Qualifizierte ohne schulische Hochschulzugangs­berechtigung vorsehen. Die nach Abzug dieser Vorabquote verbleibenden Studienplätze an jeder Hochschule werden – bei Abschaffung der Wartezeitquote – nach neuen Kriterien vergeben.

Anzeige

Wie die KMK beschlossen hat, wird die Abiturbestenquote von 20 auf 30 Prozent erhöht. Aufgrund der Dauer und des weiten Spektrums der Bewertung werde der Abiturnote „eine hohe Prognosekraft für den Studienerfolg attestiert“, heißt es von der KMK. Länderspezifische Unterschiede in den Abiturnoten sollen quotenübergreifend auf der Basis von Prozentrangverfahren und unter Bildung von Landesquoten ausgeglichen werden.

Eignungsquote ist neu

Neu eingeführt wird die „zusätzliche Eignungsquote“ im Umfang von zehn Prozent. Diese soll Bewerbern unabhängig von den im Abitur erreichten Noten neue Chancen auf einen Studienplatz eröffnen. „Für die Auswahl kommen hier nur schulnoten­unabhängige Kriterien in Betracht“, schreibt die KMK.

Um die „besonderen Belange“ von Bewerbern auf den Wartelisten zu berücksichtigen, wird bei Medizin, Zahnmedizin und Tiermedizin in dieser Quote für einen Zeitraum von zwei Jahren und mit abnehmendem Gewicht die Zeit seit Erwerb der für den gewählten Studiengang einschlägigen Hochschulzugangsberechtigung (Wartezeit) ergänzend neben anderen Auswahlkriterien berücksichtigt, formuliert die KMK. Zeiten eines Studiums an einer deutschen Hochschule würden wie bisher auf die Wartezeit dem Grundsatz nach nicht angerechnet.

Auswahlverfahren bleibt bei 60 Prozent

Im bisherigen Umfang von 60 Prozent bestehen bleibt das Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH). Der Entwurf des Staatsvertrags enthält dafür einen Katalog schulnotenabhängiger und schulnotenunabhängiger Auswahlkriterien, der durch Landesrecht zu konkretisieren sei, so die KMK. Hochschulen müssten künftig neben dem Ergebnis der Hochschulzugangsberechtigung mindestens ein schulnoten­unabhängiges Auswahlkriterium berücksichtigen, bei Medizin mindestens zwei. Mindestens ein schulnotenunabhängiges Kriterium sei zudem „erheblich“ zu gewichten. Ein fachspezifischer Studieneignungstest wird als verbindliches Kriterium für die Auswahlentscheidung vorgegeben.

In der zusätzlichen Eignungsquote und im AdH können dem Beschluss zufolge – je nach Landesrecht – Unterquoten eingerichtet werden. Im AdH ist im Umfang von bis zu 15 Prozent eine Unterquote möglich, in der von den Hochschulen Studienplätze entweder nur nach schulnotenabhängigen oder nur nach schulnotenunabhängigen Kriterien vergeben werden; auch die Heranziehung nur eines einzigen schulnotenabhängigen oder schulnotenunabhängigen Kriteriums kann dabei vorgesehen werden.

Wie bisher kann die Zahl der Teilnehmer insbesondere im Auswahlverfahren der Hochschulen begrenzt werden. Eine Vorauswahl nach dem Grad der Ortspräferenz dürfe jedoch nur für einen hinreichend beschränkten Anteil der von der Hochschule zu vergebenden Studienplätze und nur zur Durchführung aufwendiger individualisierter Auswahlverfahren erfolgen, hieß es.

Für die Zeit, in der die technischen Voraussetzungen für die Anwendung bestimmter Kriterien und Verfahrensgrundsätze nicht vollständig gegeben sind, können die Länder Übergangsregelungen beschließen.

Anlass für die Neuregelung des Zulassungsverfahrens ist das Urteil des Bundes­verfassungs­gerichts vom 19. Dezember 2017 (Az.: 1 BvL 3/14). Das Gericht hat die bundes- und landesgesetzlichen Vorschriften über das Verfahren zur Vergabe von Studienplätzen an staatlichen Hochschulen, soweit sie die Zulassung zum Studium der Humanmedizin betreffen, für teilweise mit dem Grundgesetz unvereinbar erklärt und dem Gesetzgeber aufgegeben, bis zum 31. Dezember 2019 Neuregelungen zu schaffen, welche die verfassungsrechtlichen Beanstandungen beseitigen.

Medizinstudium: Numerus clausus teilweise verfassungswidrig

Karlsruhe – Das Verfahren zur Vergabe von Studienplätzen im Fach Humanmedizin ist teilweise verfassungswidrig. Die beanstandeten Regelungen von Bund und Ländern verletzen den grundrechtlichen Anspruch der Studienplatzbewerber auf gleiche Teilhabe am staatlichen Studienangebot, entschied das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) heute in einem Urteil (Az. 1 BvL 3/14 und 4/14) in Karlsruhe.

Nun müssen sich die Finanzminister- und die Ministerpräsidentenkonferenz mit dem Entwurf befassen. Die KMK rechnet damit, dass der Staatsvertrag frühestens zum Sommersemester 2020 greifen könnte. Am 1. Dezember 2019 könnte das Portal für die Bewerbungen für Studienplätze im Zentralen Verfahren geöffnet werden.

Der Medizinische Fakultätentag (MFT) äußerte sich in einer ersten Reaktion verhalten. „Bislang hatten die Fakultäten die Möglichkeit, über individuell auf die Bewerber eingehende und auf ihr Profil zugeschnittene aufwendige Auswahlverfahren Studierende auszusuchen. Der Spielraum für die Weiterentwicklung und Durchführung solcher neuer, innovativer Verfahren wird deutlich eingeschränkt“, sagte MFT-Generalsekretär Frank Wissing. Dennoch freue man sich, dass „im Rahmen des vorgegeben Zeitplans Klarheit geschaffen wurde“. © may/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #747495
JohnR
am Donnerstag, 6. Dezember 2018, 19:55

Praktische Konsequenz ...

... auf nach Österreich !!!
Ich empfehle, zuerst Krankenpfleger zu werden und erst danach zu studieren. Vielleicht hat der/die eine
oder andere dann "die Schnauze voll" und erspart sich und der Allgemeinheit so manche Quälerei.
LNS

Nachrichten zum Thema

22. November 2018
Berlin – Die Zahl der bestandenen Studienabschlüsse in Humanmedizin bewegt sich im Prüfungsjahr 2017 auf dem Niveau des Vorjahres. Das zeigen Zahlen der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), die in einer
Zahl der bestandenen Studienabschlüsse in Humanmedizin konstant
28. September 2018
Mainz – Eine sogenannte Landarztinitiative haben die rheinland-pfälzische Ge­sund­heits­mi­nis­terin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) und der Wissenschaftsminister des Landes, Konrad Wolf (SPD),
Landarztquote und mehr Studienplätze in Rheinland-Pfalz
18. September 2018
Paris – Im Rahmen einer Reform des Gesundheitswesens hat der französische Staatspräsident Emmanuel Macron eine verstärkte Ausbildung von Medizinern angekündigt. Die Numerus clausus genannte
Macron will Numerus clausus für Medizinstudierende abschaffen
14. August 2018
Mainz – Die rheinland-pfälzische Ge­sund­heits­mi­nis­terin Sabine Bätzing-Lichtenthäler will dem drohenden Ärztemangel auf dem Land mit einer Landarztquote für Studierende begegnen. „Wir arbeiten an einem
Rheinland-Pfalz will auf Landarztquote setzen
30. Juli 2018
Düsseldorf – An der geplanten Landarztquote für Medizinstudierende in Nordrhein-Westfalen (NRW) gibt es Kritik von den Kinderärzten. „Die Quote geht am Ziel vorbei“, sagte der Präsident des
Kinder- und Jugendärzte sehen Landarztquote kritisch
15. Juni 2018
Erfurt – Die bislang geltende Wartezeitquote für Medizinstudienplätze soll abgeschafft werden. Darauf einigten sich die Kultusminister der Länder zum Abschluss ihrer Konferenz heute in Erfurt. Die
Wartezeitquote für Medizinstudium wird abgeschafft
13. Juni 2018
Stuttgart – Bei der vom Bundesverfassungsgericht verlangten Reform der Zulassung zum Medizinstudium will Baden-Württemberg die Bedeutung des Abiturschnitts zurückdrängen und Testverfahren stärken.
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER