NewsAuslandEU will gegen Kampagnen von Impfgegnern vorgehen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

EU will gegen Kampagnen von Impfgegnern vorgehen

Freitag, 7. Dezember 2018

/dpa

Brüssel – Die EU-Staaten wollen mit mehr Informationen gegen Falschinformationen von Impfgegnern kämpfen. Die Sozialminister der Mitgliedstaaten sprachen sich bei einem Treffen in Brüssel heute dafür aus, elektronische Informationssysteme zu verbessern. Zudem soll medizinisches Personal intensiver geschult werden.

Europa erlebe seit einem Jahr einen beispiellosen Masernausbruch, sagte die Vorsitzende des Treffens, Österreichs Sozialministerin Beate Hartinger-Klein. „Hier gilt es wirklich, Aufklärung und Informationen zu betreiben.“

Anzeige

In Deutschland sind 2016 laut Zahlen des Robert-Koch-Instituts 325 Fälle von Masern gemeldet worden, im Jahr darauf waren es 929. In den ersten sechs Monaten 2018 registrierte das Institut 387 Fälle. EU-Angaben zufolge infizierten sich 2017 in der Europäischen Union rund 14.000 Menschen mit Masern, was einer Steigerung um 300 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. 57 Menschen starben in den vergangenen zwei Jahren.

Zwar sei die Impfbereitschaft in der Bundesrepublik generell hoch, sagte die deutsche Botschafterin Susanne Szech-Koundouros bei dem EU-Treffen. „Dennoch sind Impflücken vorhanden.“ Als Grund für die Impfskepsis wurden in der Diskussion unter anderem Falschnachrichten genannt, die sich im Internet unkontrolliert verbreiteten.

Auch die EU-Kommission begrüßte die Empfehlungen. Es breche ihm das Herz, dass weniger Menschen Impfungen vertrauten, sagte Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis. „Es ist absolut inakzeptabel, dass heutzutage Kinder in Europa an Masern sterben.“ © dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Montag, 18. Februar 2019, 23:14

Informationen aus dem Internet

Es gibt zum Thema Impfen zwei Internetseiten, die fast den gleichen Namen haben, aber inhaltlich unterschiedlicher nicht sein könnten: www.impfen-info.de ist die Seite des BZgA mit dem Schwerpunkt auf die Darstellung der Vorteile der Impfung, didaktisch schön gemacht ist dort der Simulator, der die Herdenimmunität bei Masern anschaulich darstellt. Das genaue Gegenteil dazu ist die Seite www.impf-info.de welche als private Seite von einem gewissen Dr. Rabe betrieben wird und eine offen impfskeptische Position bezieht.

Auf alle Aspekte dieser Seite einzugehen, würde den Rahmen eines Diskussionsbeitrages in einem Forum bei Weitem sprengen. Andererseits wurden Argumente dieser Webseite von den Impfskeptikern hier im Forum mehrfach als Quelle benutzt. Deshalb möchte ich mich mit zwei wichtigen Argumenten auf dieser Seite beschäftigen.

Die erste wesentliche Frage ist die der Gefahr durch die Masern in unserer Region.

Das RKI spricht auf seiner Seite aktuell von folgenden Zahlen zur Letalität:
„Daten der Todesursachenstatistik (die im Gegensatz zu den IfSG-Meldedaten zum Beispiel auch die Todesfälle nach SSPE berücksichtigt) weisen für Deutschland 15 Todesfälle aufgrund von Masern im Zeitraum 2001 bis 2012 aus. Dies entspricht etwa einer Letalität von 1 Todesfall pro 1.000 Masernerkrankte.“
„Nach Angaben der WHO liegt in entwickelten Ländern die Letalität der Masern zwischen 0,05% und 0,1%.“
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Masern.html

Dagegen spricht Dr. Rabe von einer Letalität im Bereich von etwa 1:10 000 und bezieht sich dabei auf eine ältere Publikation der WHO:
„In developed countries death due to measles is rare and the case-fatality rate is usually 0.01–0.1%.19“
http://www.impf-info.de/die-impfungen/masern/113-masern-die-erkrankung.html

Die Publikation der WHO beruft sich dabei auf folgende Quelle:
https://academic.oup.com/ije/article/38/1/192/696766
Dort steht aber in Tabelle 2 folgendes:
(CFR% = case fatalaty rate in %)
0.05 All Developed economies NZ, Australia, Japan
Dies wiederum bedeutet, die Letalität in entwickelten Ländern liegt bei ca. 0,5 Fällen auf 1000 Erkrankungen. Dies erklärt auch, warum auf der RKI-Seite eine andere Letalität als WHO-Zahl zitiert wird (s.o.).

Gleichzeitig ist diese Arbeit auch in anderer Hinsicht interessant: Unstrittig ist, dass z.B. das Alter zum Zeitpunkt der Erkrankung eine wichtige Rolle bei der Letalität spielt. Gerade Kleinkinder in den ersten Lebensmonaten sind besonders gefährdet. Nun wurden für diese Studie Publikationen von 1980 bis 2008 ausgewertet. Was sagt uns das? Es gibt derzeit keine Daten über die Letalität der Masern in entwickelten Ländern ohne den Einfluss der Impfungen zu berücksichtigen, da die Impfung seit etwa 1970 verfügbar ist. Bisher sind mir keine Hinweise bekannt, dass sich die weltweit zirkulierenden Masern-Stämme verändern, deshalb gehe ich davon aus, dass die unterschiedlichen Zahlen zur Letalität nicht von den Eigenschaften des Virus sondern von den Eigenschaften der jeweiligen empfänglichen Subpopulationen definiert werden. Das bedeutet nach Einführung der Masern-Impfung gab es eine „Honeymoon“-Phase, in der die Viruszirkulation deutlich zurückging. In Regionen mit einer Impfpflicht führte dies zum kompletten Zusammenbruch der Viruszirkulation. Selbst 10 Jahre nach der Wende war dieser Effekt noch deutlich nachweisbar, wenn man die Masern-Inzidenz auf regionaler Ebene anschaut (Infektiologisches Jahrbuch von 2001, Abb. 8.31.3 auf S. 90):
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Jahrbuch/jahrbuch_node.html

Das wiederum bedeutet, wenn in der Honeymoon-Phase der Anteil der infizierten Kleinkinder zurück geht, dann hat dies beträchtlichen Einfluss auf die Gesamtletalität. Wenn also ein älteres RKI-Merkblatt eine niedrigere Letalität angibt, dann ist dies Ausdruck der damaligen epidemiologischen Situation und auf die aktuelle Situation unter Umständen nicht mehr anwendbar. Sicher kann man mathematische Modelle erstellen, allerdings kommen hier unterschiedliche Faktoren zusammen, die für nichtlineare Effekt sorgen: Aktuell haben wir (vor Allem in den Altbundesländern und einigen ostdeutschen Großstädten) zunehmende impfskeptische und somit ungeschützte Subpopulationen. Bei der Berechnung der Herdenimmunität spielt nicht nur die Anzahl der Personen eine Rolle, sondern auch die Zahl der möglichen Kontakte, dadurch spielt die Generation der nach 1970 Geborenen eine größere Rolle als es der Anteil an der Bevölkerung vermuten lässt. Kurz gesagt, in Deutschland ist diese „Honeymoon“-Phase im Wesentlichen vorbei. Und dies hat Konsequenzen: Als Eradikationsziel gibt die WHO eine Inzidenz der Masern von weniger als 1/1Million pro Jahr an. Um dies zu erreichen, dürfte Deutschland jährlich ca. 80 Meldefälle an Masern aufweisen. Aufgrund der fehlenden Impfpflicht hat die Bundesrepublik (im Gegensatz zur ehemaligen DDR) diese Zahlen in den letzten Jahren nicht einmal annäherungsweise erreicht.

In dieser „Post-Honeymoon“-Phase sind folgende Effekte auf die Letalität zu erwarten: Durch die teilweise vorhandene Herdenimmunität kommt es zu begrenzten Ausbrüchen, die akute Letalität ist gering. Wenn in dieser Phase zunehmend Kleinkinder durch Infektionen betroffen sind, dürfte die Letalität moderat ansteigen. Unabhängig von der Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems ist die Zahl der SSPE-Fälle abhängig von der Zahl der infizierten Kleinkinder. Die aktuellen großen Statistiken (WHO, ECDC) berücksichtigen in der Regel nur die akute Letalität als Folge der Masern (im infektiologischen Jahrbuch des RKI wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Todeszahlen ohne Berücksichtigung der SSPE-Fälle aufgeführt sind. Das bedeutet, bei einer hohen Masernletalität können die SSPE-Fälle vernachlässigt werden, bei einer niedrigen Letalität, wie sie in Deutschland zu erwarten ist, müssen die SSPE-Fälle unbedingt berücksichtigt werden. Auch wenn der Begriff „Post-Honeymoon“-Phase derzeit noch nicht benutzt wird, werden die entsprechenden Effekte bereits jetzt in der Literatur beschrieben:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/100636/Periodische-Masernausbrueche-koennten-folgenreicher-sein-als-eine-permanente-Verbreitung

Die Theorie ist das Eine, aber wie sieht die Praxis aus? Die besten Daten sind aktuell, regional, verifizierbar und statistisch belastbar. Um dies nachvollziehbar zu gestalten, beziehe ich mich auf die Zahlen aus Deutschland für den Zeitraum 2001 bis einschließlich 2016. Die Meldezahlen können aus den RKI-Jahrbüchern (Quelle siehe oben) bezogen werden. Einfacher ist eine Abfrage im Meldeportal des RKI:
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/SurvStat/survstat_node.html
Diese liefert für den o.g. Zeitraum eine Zahl von 25 134 Masern-Fällen.

Die Zahl der Todesfälle bekommt man über eine andere Quelle: www.gbe-bund.de
Dort kommt man bei einer kurzen Recherche über Masern und Todesfälle zu einer interaktiven Statistik der masernassoziierten Todesfälle.
Man muss diese Tabelle mehrfach abfragen (für 2001 bis 2016, Daten für 2017 und 2018 sind noch nicht vorhanden) jedes Jahr einzeln, man muss nach unterschiedlichen ICD-Diagnosen abfragen (B05 steht für Masern und A81.1 steht für SSPE). Man kann zusätzlich die Nationalität abfragen (alle oder nur deutsche Staatsbürger).
Falls ich mich nicht verrechnet habe, ergeben sich folgende Todeszahlen für diesen Gesamtzeitraum:
Masern (B05) 23, davon 21 deutsch; SSPE (A81.1) 59, davon 45 deutsch. Bei der Gesamtsumme kommt man auf 82 bzw. 66 wenn man nur deutsche Staatbürger zählt. Bei der Abfrage der Meldezahlen kann man nach Geschlecht und Alter unterscheiden, nicht aber nach Nationalität. Letztendlich ist es irrelevant, die aktuelle Letalität für Masern in Deutschland liegt mit Berücksichtigung der Ausländer knapp über 3/1000 Meldefälle und ohne Berücksichtigung der Ausländer zwischen zwei und drei. Diese Zahlen könne jederzeit nachgeprüft werden und sind deutlich höher als die Risikobewertung von Dr. Rabe.

Nur am Rande, auffällig ist eine Diskrepanz zwischen den Todeszahlen aus den infektiologischen Jahrbüchern des RKI und der amtlichen Statistik der Todesfälle. Die infektiologischen Jahrbücher weisen für diesen Zeitraum (2001-2016) gerade einmal vier Todesfälle auf. Dies hat mehrere Ursachen: Erstens fehlen die SSPE-Fälle. Zweitens fehlen in den älteren Ausgaben (vor 2005) die klinischen Angaben und somit die Zahlen zur Sterblichkeit. Ein unbedarfter Leser würde dies als Null Fälle werten. Aber auch so stehen für den Zeitraum 2005-2016 vier Fälle aus den Jahrbüchern gegen fünfzehn Fälle aus der Todesfallstatistik (B05, ohne SSPE). Wenn das RKI an verschiedenen Stellen andeutet, dass es in Deutschland eine Untererfassung der (direkt an das Gesundheitsamt gemeldeten) Masern-Todesfälle gibt, dann wird dies hier deutlich. Bei der Diskrepanz zwischen Meldezahlen und ICD-Kodierungen aus der Todesfallstatistik sollte man folgendes beachten: Die Erkrankung ist meldepflichtig nach §6 IfSG (Labornachweise nach §7 IfSG). In Deutschland ist davon auszugehen, dass die meisten Todesfälle durch Masern im Krankenhaus passieren. Aufgrund der DRG-Relevanz einer korrekten Kodierung dürfte die Qualität dieser Daten sehr hoch sein. Ob dagegen jeder Krankenhausarzt daran denkt, bei einem Todesfall durch Masern (die Krankheit ist ja bereits gemeldet) eine zusätzliche ZWEITMELDUNG über den Todesfall durchzuführen, daran habe ich meine Zweifel. Ob die Gesundheitsämter personell dazu in der Lage sind, bei jeder Masern-Meldung z.B. zwei Monate später den Ausgang der Krankheit zu kontrollieren, daran habe ich ebenfalls Zweifel.

Gleichzeitig zeigen die aktuellen Zahlen, dass der Anteil der SSPE in Deutschland an der Gesamtletalität bereits bei etwa 2/3 liegt. Die Masernsterblichkeit in Deutschland wird somit zunehmend durch die SSPE bestimmt und ist durch therapeutische Maßnahmen nicht beeinflussbar. Hier hilft nur die Verbesserung der Herdenimmunität und der Immunität der Kleinkinder. Ein interessanter Beitrag zum Thema SSPE findet sich hier:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/55190/SSPE-Risiko-von-toedlicher-Masernkomplikation-haeufig

Zum Thema SSPE geistert übrigens in den Foren eine kleine Anfrage des Bundestages:
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/003/1900320.pdf
Für Irritationen sorgt hierbei die Tabelle über die Fälle an SSPE im Zeitraum 2007 – 2015. Die Gesamtzahl von 280 ist irrsinnig hoch, auch verwundert es wie die Quelle (Krankenhausdiagnosestatistik des statistischen Bundesamtes) zu diesen Zahlen kommt. Wahrscheinlich handelt es sich hier um die Abrechnungsdiagnosen der Behandlungsfälle in den Krankenhäusern und nicht um die Sterbefälle. Wenn man auf jeden Sterbefall ca. zehn vorherige Kranken­haus­auf­enthalte rechnet, dann wird alles wieder plausibel.


Die zweite wichtige Frage ist die der Wirksamkeit der Masern-Impfung.

Auf der Seite von Dr. Rabe wird ein Masernausbruch unter geimpften israelischen Soldaten zum Anlass genommen, die Wirksamkeit der Impfung in Frage zu stellen, einerseits was die Schutzwirkung für die Impflinge betrifft, andererseits wegen der Gefahren durch „vaccine-modified measles“:
http://www.impf-info.de/die-impfungen/masern/249-masern-trotz-impfung-die-unterschätzte-gefahr.html

Wenn man sich die Originalquelle durchliest, sieht das Alles schon etwas anders aus:
https://www.cdc.gov/mmwr/volumes/67/wr/pdfs/mm6742a4-H.pdf
Der Primärpatient ist zwar dreimal geimpft, allerdings sieht auch der Impfkalender der STIKO drei Impfungen vor, wenn die erste Impfung sehr früh erfolgt ist. Zusätzlich gab es zum Primärpatienten acht weitere Übertragungen, und dies bei einer Kohortengröße von ca. 1400 Personen (1392 Kontakte dieser 9 Patienten). Alle Betroffenen hatten lediglich eine leichte Symptomatik, zwei Patienten waren hospitalisiert, nicht wegen der Schwere der Symptomatik, sondern wegen der Isolierung und zur Diagnosesicherung.

Die Hospitalisierungsrate unterscheidet sich damit deutlich von der Rate bei nichtimmunen Personen:
„Die relative Häufigkeit einer Hospitalisierung variierte nach Alter. So wurden im Berichtsjahr 48% der in den ersten beiden Lebensjahren erkrankten Kinder (97 von 202) sowie 26 % der an den Masern Erkrankten im Alter von 2 bis 19 Jahren (98 von 381) hospitalisiert. Von Erkrankten, die 20 Jahre oder älter waren, betrug dieser Anteil rund 52% (181 von 346).“
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2018/Ausgaben/33_18.pdf

Offensichtlich sind bei dem o.g. Ausbruch die Infektketten sehr schnell zusammen gebrochen: „Absence of tertiary cases in this outbreak is consistent with the lower risk for transmission reported in other cases of measles in vaccinated persons, possibly owing to their milder symptoms, including lack of or reduced cough..“
In einer geimpften Population ist ein derartiger Ausbruch zwar ein interessantes Phänomen, aufgefallen ist er aber nur durch die besondere Situation der Kohortierung vieler Wehrpflichtiger auf engem Raum, ohne diese Kohortierung wäre dieser Ausbruch wahrscheinlich nie als solcher erkannt worden.

Dies waren nur zwei Beispiele für den Umgang von Dr. Rabe mit den Fakten zur Letalität und zur Wirksamkeit der Impfung. Von Bedeutung sind nicht nur die Argumente, die er bringt, sondern auch die Argumente, die er bewusst weglässt. Warum sich Dr. Rabe bei der Frage der Sterblichkeit auf die rumänischen Zahlen fixiert, obwohl diese innerhalb der EU die schlechteste Datenqualität aufweisen und auf die verfügbaren deutschen Daten verzichtet, diese Frage kann er wohl nur selbst beantworten. Von einer Seite mit dem Namen Impf-Info würde ich persönlich deutlich mehr Ausgewogenheit erwarten. Da diese Seite sich ausgesprochener Beliebtheit unter den hier aktiven Impfskeptikern erfreut, habe ich bewusst zahlreiche Quellen angegeben, damit Impfskeptiker auch die Zahlen und Argumente nachvollziehen können, welche auf dieser Internetseite bewusst unterschlagen werden.

PS: Auf seiner Seite gibt Dr. Rabe eine Erklärung zu seinen Interessenskonflikten ab. Interessant ist dabei seine Mitgliedschaft im DZVhÄ (dem Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte). Ob diese Mitgliedschaft einen Einfluss auf seine Objektivität und Sachkompetenz zum Thema Impfen hat, diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten.
Avatar #759489
MITDENKER
am Dienstag, 29. Januar 2019, 15:19

Sinnlose Diskussion?

Offenbar ist eine Diskussion mit S. REX sinnlos, denn natürlich wird in epidemiol. Kreisen über die Sterblichkeit diskutiert. Oder sagt da ein Professor oder Doktor eine Zahl u. die anderen nicken?
Also halten wir fest: Eine Diskussion ist natürlich sinnvoll, S. Rex - der bei div. Reizthemen inflationäre Texte postet - kann sich ausnahmsweise ja mal raushalten, wenn er genervt ist.
Zurück zu der Zahl "1 Toter pro 1000" Masernfälle. Dr. Rabe zitiert hier unverdächtige Quellen u. führt aus:
"Legt man die von der Europäischen Seuchenbehörde ECDC für Europa veröffentlichten, offiziellen Zahlen der letzten Jahre zu Grunde, ergibt sich folgendes Bild:

In den Jahren 2010 bis 2013 wurden in Europa etwa 86.000 Masernfälle gemeldet (und die gehen nicht überwiegend zu Lasten der gescholtenen „impfmüden“ Deutschen), dabei gab es 39 Fälle von Hirnentzündung (Enzephalitis) und 33 Todesfälle. Mehr als die Hälfte dieser Todesfälle betrafen Roma in Bulgarien und Rumänien und ob deren Lebenssituation auch bezüglich der medizinischen Versorgung repräsentativ für europäische Verhältnisse ist, darf in Frage gestellt werden. Selbst wenn man diese Fälle jedoch berücksichtigt ergibt sich eine Sterblichkeit der Masern von etwa 1 : 2600, ohne diese osteuropäische Epidemie von 1 : 4500. (Die genauen Quellen der hier angegebenen Zahlen kann man hier nachlesen)

Berücksichtigt man darüber hinaus, dass das Robert Koch Institut (RKI) selber der WHO gegenüber davon ausgeht, dass weniger als die Hälfte der Masernfälle (nicht: der Todesfälle) erfasst werden (Quelle hier) , wird deutlich, dass die tatsächlichen Werte mindestens noch einmal um den Faktor 0,5 korrigiert werden müssen. Damit ergibt sich eine Letalität von etwa 1 : 10.000, ein Wert, der sich interessanterweise bis 2010 auch auf der offiziellen Internetseite des RKI fand und der von dem von der SZ publizierten doch nicht unerheblich abweicht..."

Zu den 1749 Masernfällen in NRW: Laut RKI ein Underreporting von 100%, also 1750 mal 2 = ca. 3500 Masernfälle. Davon 3 mit Enzephalitis. Hmm, Enzephalitis hat viele Ursachen, um nur einige aufzuzählen: Ca. 10 versch. Viren, Bakterien, Autoimmunprozesse, Pilze etc. Aber selbst man das Masernvirus als Causa für den Tod betrachtet, sind wir nicht bei 1 von 1000. Früher ging das RKI u. die Fachwelt von 1 von 10.000 aus, also ist die neue Zahl entweder (absichtlich u. bewusst) falsch oder das RKI hat Jahrzehntelang falsch gerechnet oder die mediz. Versorgung hat sich in jüngster Zeit massive verschlechtert, sodass man leichter an Masern stirbt. Wer's glaubt wird selig (und von S. Rex heilig gesprochen, alle kritisch denkenden sind Polemiker und Unwissenschaftler).
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Montag, 28. Januar 2019, 00:07

Was eine Geige alles nicht kann

1. Wenn eine Geige von einem Anfänger benutzt wird, macht sie keine Musik, sondern nur Krach.
2. Man kann mit einer Geige keine Musik aufnehmen.
3. Man kann mit einer Geige keinen Nagel in die Wand schlagen
4. Man kann mit einer Geige kein Wechselgeld verwalten
5. Man kann mit einer Geige nicht die Bühne beleuchten
6. Man kann mit einer Geige nicht unter Wasser spielen...

Bei all den offensichtlichen Unzulänglichkeiten sollte die Geige längst aus dem Orchesterbetrieb eliminiert werden. Das klingt überzogen? Etwa auf diesem geistigen Niveau bewegt sich die Argumentation der Impfskeptiker. Erst werden völlig überzogene Forderungen gestellt (siehe den Kommentar von kapka zu diesem Artikel), dann werden altbekannte technische Limitierungen als vermeintlicher Skandal aufgebauscht und dann wird triumphierend das Konzept der Impfungen in Frage gestellt. Hier ein paar aktuelle Beispiele zur Argumentationsweise und zu den Umgangsformen von Impfskeptikern:

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/100331/Grossbritannien-Forscher-stirbt-nach-Gelbfieberimpfung
Der Beitrag von Pater Rolf Lingen zeugt nicht gerade von Respekt mit dem Betroffenen. Der Beitrag von lisbe zitiert eine interessante Arbeit, zeugt aber vom absoluten Unverständnis der Materie: Der Nachweis von Mikropartikeln in Impfstoffen ist ein Hinweis auf Defizite im Produktionsprozess und ist ein Baustein bei der zukünftigen Verbesserung der Impfstoffe. Dieser Nachweis erfolgte aber NACH der Validierung und Freigabe der Impfstoffe und hat deshalb NULL Einfluss auf die Risikobewertung. Daraus die Forderung nach einem sofortigen Impf-Stopp abzuleiten ist absolut unangemessen.

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/100521/Lauterbach-will-Impfpflicht-fuer-Masern-neu-debattieren
Der Kommentar von Geue möchte weis machen, bei aktuell sinkenden Fallzahlen wäre das Problem der Masern halb so schlimm. Das Gegenteil ist der Fall. Bei eingeschleppten Masern sollten im Folgejahr die Fallzahlen sich wieder dem Nullpunkt nähern. Dieser bestenfalls moderate Abfall der Zahlen zeigt, wir haben eine anhaltende lokale Viruszirkulation. Das bedeutet, wir werden uns zukünftig auf wellenförmig schwankende Infektionszahlen einstellen müssen, vom Ziel der Eradikation der Masern ist Deutschland weiter entfernt als je zuvor. Für mich ist dieser Fakt absolut kein Grund zur Freude.

Die beiden Kommentar von Geue bei diesem Artikel stellen die Langzeitwirkung der Masernimpfung in Frage. Nun, keine Impfung wirkt zu 100%. Selbst wenn einzelne Durchbruchsinfektionen bei regerecht geimpften Personen berichtet werden, so verlaufen diese Erkrankungen deutlich milder als bei ungeimpften Personen. Ergänzend stellt sich die Frage, ob es ein generelles Problem der Masernimpfung ist oder nur bestimmte Impfschemata oder bestimmte Impfstoffchargen betrifft. Auch finde ich es irritierend, dass sich ein Impfskeptiker darüber echauffiert, wenn es dadurch zu einer zusätzlichen Viruszirkulation kommt. Die Impfskeptiker sollten sich doch freuen über die zusätzlichen, „natürlichen“ Infektionen, die angeblich so harmlos sind. Das Einzige, was sich in dieser Situation ändert, ist die Risikobewertung für die vorsätzlich nicht geimpften Personen, siehe auch meine vorherigen Bemerkungen zum „Impf-Parasitismus“. Ich habe in meinem Berufsleben mittlerweile genügend Masernbefunde validiert, um aus eigener Erfahrung sagen zu können, dass ein Antikörperabfall bei Erwachsenen als Einzelfall auftreten mag, aber keineswegs ein Massenphänomen darstellt. Bei den bisherigen Masernausbrüchen in Deutschland spielen jedenfalls Durchbruchsinfektionen bei regelrecht geimpften Personen eine absolut untergeordnete Rolle, die entscheidenden Überträger sind nicht oder unvollständig geimpfte Personen. Ob z.B. eine dritte Masernimpfung nötig ist, die Entscheidung überlasse ich denen, die sich bisher intensiver mit der Problematik beschäftigt haben als ich. Im Impfkalender steht bisher nur eine Indikation für eine dreifache MMR-Impfung: “Bei Erstimpfung im Alter von 6 – 8 Monaten sollen eine 2. und 3. MMR/V*-Impfung im Alter von 11 – 14 und 15 – 23 Monaten erfolgen.“ Für die Risikobewertung der Masernimpfung kann ich folgende Quellen von den RKI-Seiten nur empfehlen.
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/M/Masern/BGBL_09_2013_Effektivitaet.pdf
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2010/Ausgaben/32_10.pdf

Was die Frage der Sterblichkeit durch Masern betrifft, 1 von 1000 ist eine Näherung, in meinen Augen aber eine durchaus belastbare Näherung, wie die Zahlen aus dem epidemiologischen Bulletin zeigen:
„Insgesamt sterben etwa 1 bis 3/1.000 Erkrankte an den Masern.“
„ Im Verlauf eines ausgedehnten Masernausbruchs im Jahr 2006 wurden aus Nordrhein-Westfalen 1.749 Fälle übermittelt. ... Drei Patienten entwickelten eine Enzephalitis, zwei von ihnen starben (im Alter von 2 Monaten bzw. 2 Jahren). Eine 19-jährige Patientin überlebte die Enzephalitis.“
Ein anderes Beispiel:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/89318/WHO-beklagt-35-Maserntote-in-Europa
Bei den Masern ist die Sterblichkeit sehr stark abhängig von den äußeren Bedingungen. Unter optimalen Bedingungen beträgt die Sterblichkeit etwa eins zu tausend. Dies entspricht auch in etwa dem aktuellen Ausbruch mit 35 Toten bei etwa 21000 Fällen. Ganz anders ist es in vorindustriellen Gesellschaften, unter ungünstigen Bedingungen liegt die Sterblichkeit bei 3-6%:
http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs286/en/
„In populations with high levels of malnutrition, particularly vitamin A deficiency, and a lack of adequate health care, about 3–6%, of measles cases result in death, and in displaced groups, up to 30% of cases result in death.“

Das heißt, die Zahl 1 von 1000 ist alles Andere als Panikmache, das ist die Realität. Und selbst wenn es in dem Einen oder Anderen Ausbruch zu etwas anderen Zahlen kommt, so hat dies keinerlei Einfluss auf die Gefährlichkeit der Masern. Auf der Seite www.impf-info.de wird die subjektive Meinung einer Einzelperson dargestellt. Die dort vorgetragene Argumentation ist interessant, aber nicht zwingend. Besonders auffällig ist die Fokussierung auf einzelne Ereignisse. Wenn sich Dr. Rabe, der Betreiber dieser Seite, dazu berufen fühlt, als Mahner aufzutreten, so ist dies sein gutes Recht. Die Darstellung von Einzelereignissen, die aus statistischer Sicht als Ausreißer gewertet werden müssen, ist riskant. In diesem Fall ist eine Fachbewertung notwendig, ob der Ausreißer einfach nur ein Zufallsprodukt ist oder der Vorbote eines neuen Trends. Diese Auseinandersetzung mit der Fachliteratur erfolgt sehr subjektiv und einseitig. Die Wissenschaft beginnt immer mit dem eigenen Standpunkt, sollte sich dann aber bei der Suche nach einer objektiven Wahrheit über den subjektiven Standpunkt erheben. Eine derartige objektive Auseinandersetzung mit der vorhanden Fachliteratur fehlt auf den Seiten von Dr. Rabe. Aus mikrobiologischer Sicht ist die Webseite www.impf-info.de sowohl inhaltlich als auch didaktisch unterhalb des Facharztstandards. Der Name der Seite suggeriert eine Objektivität, die in der Form der Darstellung nicht gegeben ist. Dr. Rabe, der Betreiber dieser Seite ist ein Polemiker, kein Aufklärer.

@Geue, woher kommt der überraschende Wunsch nach mehr Sachlichkeit? Bei all den Beiträgen, die Impfskeptiker hier im Forum gepostet haben, konnte ich nicht den Eindruck gewinnen, dass neben all der billigen Polemik und Effekthascherei der Wunsch nach mehr Objektivität und Sachlichkeit irgendeine Bedeutung hätte.

Ich habe kein Problem damit Sachfragen zu diskutieren, aber wenn nicht einmal bei den epidemiologischen Grundlagen wie der Sterblichkeit Übereinkunft herrscht, dann sind weitergehende Diskussionen sinnlos. Um an den Anfang meines Beitrags zurück zu kehren, es ist vielleicht übertrieben die Masernimpfung als Stradivari im Konzert der Schulmedizin zu bewerten, aber sie ist auf jeden Fall ein unverzichtbarer Bestandteil der Schulmedizin.
Avatar #49132
Geue
am Mittwoch, 23. Januar 2019, 14:16

Einer von 1000 stirbt?

Ich plädiere dafür, diese Diskussion mal zu versachlichen. "Impfung in den Dreck ziehen" etc. ist ein Duktus, der hier nicht hin gehört. Ich beobachte diese Abwertungen u. diese Emotionalisierung leider sowohl bei den Impfgegnern als auch bei den Impfbefürwortern. Ich glaube nicht, dass dies der Erkenntnis dient. Schließlich ist es wissenschaftlich mehr als legitim zu überlegen, welche Impfung Sinn macht.
Zu einer rationalen u. wissenschaftlichen Betrachtung gehört auch die Vermeidung von Panikmache u. übertriebenen Gruselszenarios, wie z.B. diese Zahl "einer von 1000 stirbt!" Früher gab es dazu ganz andere statistische Zahlen, offenbar wurden die fälschlicherweise "nach oben korrigiert". Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Infos, Realitätsbezüge u. Beleg(e) dazu hier:
http://www.impf-info.de/64-kontakt/183-sz-u-a-hochansteckende-masern-hysterie.html
Der Autor ist übrigens Dr. Rabe, der selbst auch impft u. sich bei diesem Thema unglaublich gut auskennt, Respekt. Von daher ist er kein "selbsternannter Impfskeptiker"; es dürfte auf der Hand liegen, dass der polemische Titel IMPFSKEPTIKER eher fremdernannt verliehen wird (zumeist von SELBSTERNANNTEN UNDIFFERENZERTEN IMPF-FANATIKERN, um auch mal etwas zugespitzt zu formulieren) :-)
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Dienstag, 22. Januar 2019, 23:12

Abhängigkeiten bei der Masernimpfung

Auch wenn fanatische Impfgegner diese Impfung in den Dreck zu ziehen versuchen, Tatsache ist, auch in einem entwickelten Gesundheitssystem fordern Masern regelmäßig Todesopfer, im Durchschnitt stirbt einer von eintausend Erkrankten. Diese Leben können durch die Impfung gerettet werden. Deshalb wird auch zukünftig ein Großteil der Bevölkerung die eigenen Kinder impfen lassen. Damit werden die Masern zwar nicht eliminiert, aber zumindest die eigenen Kinder geschützt.

Der Masernimpfstoff ist ein abgeschwächter Lebendimpfstoff. Bei der Masernimpfung muss ein Interessenskonflikt abgewogen werden. Den größten Nutzen von der Impfung haben die Kleinkinder, das Risiko einer SSPE als Komplikation einer „natürlichen“ Infektion ist im frühen Kleinkindalter am höchsten. Diese Komplikation ist immer tödlich, ich habe in meiner beruflichen Laufbahn einen derartigen Fall miterlebt und es ist frustrierend als Zuschauer ohnmächtig daneben stehen zu müssen. Wenn wir aber möglichst früh impfen, um die am meisten gefährdete Personengruppe zu schützen, dann zahlen wir dafür einen Preis. Bei einem Impfschema mit zwei Impfungen steigt bei einer frühen Erstimpfung das Risiko einer nachlassenden Immunität im Erwachsenenalter. Bei diesen Personen können Durchbruchsinfektionen auftreten, die zwar klinisch deutlich blander verlaufen, aber die Viruszirkulation weiter unterhalten können. Wenn es dagegen eine gute Herdenimmunität gibt, wäre es sinnvoll die Masern-Impfung später durchzuführen, bei einem reiferen Immunsystem bestehen bessere Aussichten auf eine langanhaltende Immunität. Nicht umsonst gibt es in Deutschland zwei unterschiedliche Impfempfehlungen zur Masernimpfung. Das RKI empfiehlt die Impfung im 11-14 und 15-23 Lebensmonat, in Sachsen wird dagegen die Impfung ab dem 13. und 46. Lebensmonat empfohlen.

Es gibt hier kein pauschales Richtig oder Falsch, das Impfschema des RKI ist schlechter für die Langzeitimmunität, aber es ist notwendig, um in Regionen mit einer schlechten Impfrate die am meisten gefährdete Personengruppe zu schützen. Man könnte das Problem durch eine dritte Impfung im frühen Erwachsenenalter lösen (bei Frauen im Idealfall kurz vor Beginn der Familienplanung). Dies würde aber logistische Probleme verursachen und man hätte regional unterschiedliche Impfschemata als Kommunikationsproblem.

Die Risikobewertung für die Vor- und Nachteile einer Impfung muss natürlich jeder für sich selbst durchführen. Die Entscheidung hat Konsequenzen für die eigene Gesundheit und im Fall der Ablehnung einer Impfung auch Konsequenzen für die Gesundheit Anderer. Und dies im doppelten Sinne, sowohl durch die Möglichkeit selbst als Überträger anderen zu schaden, aber auch weil eine ungenügende Herdenimmunität die STIKO zwingt, ein suboptimales Impfschema zu empfehlen.

Das Zusammenspiel von Immunologie und Infektionskrankheiten ist nun einmal etwas komplizierter als das Schubladendenken einiger selbsternannter Impfskeptiker, nicht umsonst gibt es den Facharzt für Mikrobiologie und für Internisten die Zusatzbezeichnung Infektiologie. Und wenn im Forum jemand meint, dass bei aktuell sinkenden Fallzahlen bei Masern wohl alles nicht so schlimm wäre und dabei das eigentliche Problem übersieht, dass wir mittlerweile eine anhaltende endemische Viruszirkulation haben, dann kann ich derartige Personen als Gesprächspartner nicht wirklich ernst nehmen. Und wenn zusätzlich diese Impfskeptiker in ihrer Argumentation nur ihre persönlichen Risiken einbeziehen und die Risiken für ihre Mitmenschen außer Acht lassen, dann empfinde ich dies als zutiefst unehrlich und deshalb bleibe ich auch bei meiner Bezeichnung Impf-Parasitismus für diese Verhaltensweise. Und in meinem tiefsten Inneren wünsche ich mir manchmal, jede Impfung würde 10 Euro private Zuzahlung kosten und jeder könnte nach eigenem Gutdünken entscheiden. Dann hätten wir wieder in wenigen Jahren die großen Ausbrüche, und dann wäre das Gejammer groß, aber dann wüsste endlich wieder jeder, welchen Nutzen uns die Impfungen bringen. Manchmal sind alle guten Argumente vergebens, manchmal lernen die Menschen nur durch eigene schmerzhafte Erfahrung, das zeigt die Diskussion um die Impfungen genau wie die Diskussion um den Brexit.
Avatar #49132
Geue
am Dienstag, 22. Januar 2019, 21:07

"IMPF-PARASITISMUS"

@STAPH. REX: Oje, oje, die moralische Keule wider besseren Wissens der Epidemiologie. Man kann TROTZ IMPFUNG den Erreger natürlich weiter geben, man lese z.B. hier nach:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/56706/Pertussis-Uebertragung-trotz-erfolgreicher-Impfung-moeglich

und:

https://www.praxisvita.de/ansteckend-trotz-impfung-10924.html
Von daher: Müder u. nicht sachgerechter Versuch impfkritische Zeitgenossen als Sozialschädlinge hinzustellen. Bevor man auf andere einhackt, sollte man - selbstkritisch - erst mal schauen, ob der Schlag nicht nach hinten los geht.
Avatar #96230
HPBoehm
am Montag, 21. Januar 2019, 17:22

Impfungen sind Arzneimittel - es gibt gute und schlechte

Bei den Impfungen kochen die Emotionen hoch - ein Zeichen, dass wenige harte Fakten vorliegen?
Es gibt verschiedene Impfpläne in verschiedenen Industrieländern. Nicht jeder, der HPV- Rota- oder Hepatitis-B-Impfung für verzichtbar hält, ist ein IMPFGEGNER, der FALSCHINFORMTIONEN verbreitet.
Avatar #49132
Geue
am Montag, 21. Januar 2019, 15:06

AUGENWISCHEREI

Es ist unrealistische Augenwischerei, dass durch noch mehr Impfungen das Masernvirus "ausgerottet" werden kann. Näheres kann man bei folgenden bestens informierten Doktore nachlesen, deshalb spare ich mir die Zitiererei:
http://impf-info.de/die-impfungen/masern.html
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Donnerstag, 27. Dezember 2018, 00:17

Absolut sichere Impfstoffe

gibt es nicht. Genau so wenig wie nebenwirkungsfreie Medikamente. Nur wo es keine Wirkung gibt, da gibt es auch keine Nebenwirkung. Wer nach absolut sicheren Impfstoffen ruft, hat das Prinzip der Impfung nicht verstanden. Die Konservierungsmittel sind erforderlich für die Haltbarkeit der Impfstoffe, die üblichen Sterilisationsverfahren würden die Impfstoffe zerstören. Bevor hier allerdings Ängste geschürt werden, wäre es vielleicht einfach mal sinnvoll zu schauen, welche Dosis dieser Konservierungsmittel ein Mensch durch die Impfungen aufnimmt, welche Lebenszeitexposition aus anderen Quellen zu erwarten ist und wo die wissenschaftlich belegten Toxizitätsgrenzen sind.

Auch die ewig gleichen Diskussionen zu den Wirkverstärkern sind langsam ermüdend. Lebendimpfstoffe kommen ohne Wirkverstärker aus, bei den meisten Totimpfstoffen werden Wirkverstärker eingesetzt. Die Impfstoffe, die wir jetzt benutzen, sind vielleicht nicht perfekt, aber sie stehen zur Verfügung. Und all die Krankheiten, die wir mit diesen Impfstoffen bekämpfen, die sind auch schon längst da und die warten nicht bis wir irgendwann den perfekten Impfstoff präsentieren.

Aus meiner Sicht ist in diesem Kontext die entscheidende Frage, ist die Impfentscheidung eine reine Privatsache oder nicht? Es ist ein schon moralisches Dilemma: viele Menschen werden durch Impfungen geschützt, einige Wenige erleiden Schaden. Derzeit kann niemand für den Einzelfall vorhersagen, zu welcher der beiden Gruppen man gehört. Man kann aber sehr wohl auf einer statistischen Ebene vorhersagen, dass in Bezug auf eine Population der Nutzen den Schaden DEUTLICH überwiegt. Genau diese Abwägungen sind die Kernaufgabe der STIKO. Und es ist sehr interessant sich die Protokolle der STIKO durchzulesen. Z.B. kann man dort auch nachlesen dass bei der Influenza die STIKO schon sehr früh den Vierfachimpfstoff empfohlen hat und das Debakel Anfang 2018 mit dem Dreifachimpfstoff ist allein auf den Geiz der GKV zurückzuführen:
https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Protokolle/protokolle_node.html

Diese Abwägungen der STIKO führten z.B. auch dazu, dass bestimmte Impfungen eben nicht mehr empfohlen werden wie z.B. die Pockenimpfung oder die BCG-Impfung.

Bei der Frage, ob die Impfentscheidung eine reine Privatsache ist, sollte eines bedacht werden. Die Impf-SKEPSIS hat eine hässliche Kehrseite, und das ist der Impf-PARASITISMUS. Nur weil so viele Menschen sich regelmäßig impfen lassen, nur deshalb sind diese Krankheiten selten geworden. Nur deshalb fehlt die praktische Anschauung über die Gefahren dieser Krankheiten. Sobald größere Gruppen an Impfskeptikern die Impfung verweigern, dann werden die großen Seuchen zurück kehren. Ich persönlich habe Masern, Mumps und Röteln durchgemacht, weil in meiner Kindheit die Impfung noch nicht zur Verfügung stand. Wenn ich die Wahl hätte, diese Krankheitserfahrungen oder zwei kleine Piekser, die Entscheidung wäre eindeutig.

Infektionskrankheiten benötigen nun einmal empfängliche Wirte. Und jeder dieser Wirte spielt eine Doppelrolle. Erst ist der Wirt das OPFER, denn er erleidet Schaden durch die Infektion. Danach wird der Wirt aber zum TÄTER, denn er überträgt die Krankheit auf andere Personen. Wenn jemand betrunken Auto fährt und dabei einen Passanten verletzt, dann ist dies eine fahrlässige Körperverletzung. Wie ist es juristisch zu werten, wenn sich jemand einer Impfung verweigert, später erkrankt und dann eine andere Person infiziert und diese andere Person an den Folgen dieser Krankheit stirbt? Ist dies wirklich nur ein schicksalshaftes Ereignis? Ich kann deshalb allen Impfskeptikern nur einen Rat geben, fragt Eure Eltern und Großeltern, wie es damals war, als Kinder noch an Masern, Diphtherie und anderen Krankheiten gestorben sind.
Avatar #755495
kapka
am Montag, 24. Dezember 2018, 18:52

Vertrauen schafft man mit sicheren Impfstoffen ...

Liebe EU-Kommission, Vertrauen ins Impfen könnte man ganz einfach schaffen - mit sicheren Impfstoffen! Schafft einfach die hoch gefährlichen Zusatzstoffe ab (Thiomersal = Quecksilber, Squalen, Aluminium als Wirkverstärker, usw usw) und entwickelt endlich unschädliche Konservierungsstoffe. Ach ja und wenn es für die Wirksamkeit einer Imfpung tatsächlich Wirkverstärker braucht, stimmt an dem ganzen Impfkonzept etwas nicht. Die Schäden durch all diese Zusatzstoffe sind nun mehr als wissenschaftlich belegt und nicht mehr zu leugnen. Die Verharmlosungskampagnen der letzten Jahre könnt ihr Euch sparen.
Wer ist schon so blöd und lässt sich diese ganzen Zusatzstoffe unter Umgehung aller Ebenen des Immunsystems direkt mit unmittelbarem Kontakt zu den Blutgefäßen spritzen? Das ist wider die Natur. Deshalb vertrauen Menschen Impfungen immer weniger !
Im Netz werden in den aller meisten Fällen übrigens keine Falschinformationen verbreitet, sondern endlich die Wahrheit über die Wirkungen all dieser Zusatzstoffe unters Volk gebracht, damit sich jeder Mensch frei entscheiden kann, was er oder sie tut.
LNS

Nachrichten zum Thema

18. April 2019
Dresden – In Sachsen sollen im kommenden Herbst ausreichend Influenzaimpfstoffdosen für die Versorgung der Bevölkerung zur Verfügung stehen. Das haben sich das Sächsische Ge­sund­heits­mi­nis­terium, der
Neue Rahmenbedingungen sollen Versorgung mit Influenza-Impfstoff sichern
17. April 2019
Bonn – Die Grünen haben sich für die Einführung eines digitalen Impfpasses ausgesprochen. Vor allem bei den Erwachsenen zwischen 30 und 50 Jahren sei die Zahl der Geimpften zu gering, sagte die
Grüne wollen digitalen Impfpass
17. April 2019
Berlin – Die Pläne des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), dass Apotheker die Bevölkerung künftig gegen Influenza impfen dürfen sollen, sorgen bei Ärzten weiter für erhebliche Bedenken. Die
Weiterhin Kritik der Ärzte an möglicher Grippeimpfung in Apotheken
16. April 2019
Mainz – In Rheinland-Pfalz müssen sich Mitarbeiter in Gesundheitsberufen künftig verpflichtend impfen lassen. Noch in diesem Jahr solle eine Novellierung der Hygieneordnung Arbeitgeber in die Pflicht
Rheinland-Pfalz will Impfpflicht in Gesundheitsberufen einführen
16. April 2019
Berlin – Der Impfexperte des Robert-Koch-Instituts (RKI), Ole Wichmann, hält eine Pflicht zur Impfung gegen Masern nicht für sinnvoll. Bei Masern gebe es vor allem Impflücken bei Jugendlichen und
RKI-Impfexperte bezweifelt Sinnhaftigkeit von Masernimpfpflicht
15. April 2019
Berlin – Die Pläne für eine Masernimpfpflicht in Deutschland für Kitas und Schulen werden konkreter. Anfang Mai will Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ters Jens Spahn (CDU) einen entsprechenden Vorschlag
Bundesregierung will Impfpflicht für Masern einführen
11. April 2019
Edinburgh – Die routinemäßige Impfung von Mädchen im Alter von 12 oder 13 Jahren gegen humane Papillomaviren (HPV) in Schottland hat zu einer deutlichen Verringerung von Erkrankungen des
LNS
NEWSLETTER