NewsMedizinPränataler Vitamin-D-Mangel könnte Schizophrenie-Risiko erhöhen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Pränataler Vitamin-D-Mangel könnte Schizophrenie-Risiko erhöhen

Freitag, 7. Dezember 2018

/highwaystarz, stockadobecom

Brisbane – Neugeborene mit den niedrigsten Vitamin-D-Konzentrationen erkrankten in einer Fall-Kontroll-Studie aus Dänemark als junge Erwachsene häufiger an einer Schizophrenie. Nach den in Scientific Reports (2018; 8: 17692) vorgestellten Ergebnissen könnte eine Substitution von Vitamin D in der Schwangerschaft die Kinder vor späteren Psychosen schützen.

Die Schizophrenie gehört zu den mysteriösen psychiatrischen Erkrankungen, deren Ursache unbekannt ist. Sie könnte buchstäblich im Dunklen liegen, denn epidemiolo­gische Untersuchungen zeigen, dass die Erkrankung in höheren Breitengraden häufiger auftritt und Kinder, die im Winter oder Frühling geboren wurden, häufiger erkranken. Auch eine Assoziation mit einem Leben in Großstädten oder das häufigere Auftreten bei Migranten (vor allem solchen mit dunklerer Hautfarbe) deutet auf einen Lichtmangel als Risikofaktor hin, der über einen Vitamin-D-Mangel die Erkrankung auslösen könnte.

Anzeige

Die Tatsache, dass in Dänemark seit 1981 getrocknete Blutproben von Neugeborenen archiviert werden und sich die Personen in anderen Registern identifizieren lassen, ermöglichte es einem Team um John McGrath von der Universität von Queensland in Brisbane, den Zusammenhang zwischen einem Vitamin-D-Mangel während der Geburt mit einer späteren Diagnose einer Schizophrenie zu prüfen.

Die Forscher ließen die Konzentration von 25-Hydroxyvitamin D (25 OHD) von 1.301 Neugeborenen, die später an einer Schizophrenie erkrankt waren, bestimmen und mit 25 OHD-Werten einer gleich großen Kontrollgruppe vergleichen, die nicht an einer Schizophrenie erkrankt war.

Ergebnis: Das Fünftel der Neugeborenen mit den niedrigsten 25 OHD-Werten (weniger als 20,4 nmol/l) erkrankte später signifikant häufiger an einer Schizophrenie. McGrath ermittelt eine relative Inzidenzrate von 1,44 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,12 bis 1,85. Für die anderen Quintile war keine signifikante Assoziation nachweisbar. Ein pränataler Vitamin-D-Mangel könnte demnach das Erkrankungsrisiko um 44 % erhöhen.

In einer früheren, kleineren Analyse der dänischen Biobank hatten die Forscher ebenfalls niedrige OHD-Werte von Neugeborenen mit einem Anstieg der Erkrankungen in Verbindung gebracht. Damals war jedoch eine U-förmige Kurve herausgekommen, nach der auch erhöhte Vitamin-D-Spiegel das Risiko erhöhen könnten. Letzteres bestätigte sich jetzt nicht.

Die Studie passt zu derzeitigen pathogenetischen Konzepten, nach denen die Schizophrenie eine Entwicklungsstörung des Gehirns ist, deren Beginn in der Fetalperiode oder im ersten Lebensjahr vermutet wird, der Zeit des größten Hirnwachstums.

Ein Zusammenhang zwischen einem pränatalen Vitamin-D-Mangel und der Schizo­phrenie ist laut McGrath biologisch plausibel, da es im Gehirn Rezeptoren für das Vitamin gibt, und zwar in den Regionen mit vielen dopaminergen Neuronen, die an der Pathogenese der Erkrankung beteiligt sein könnten.

Da die Kinder vor der Geburt das Vitamin D nur über den Kreislauf der Mutter erhalten, könnte eine Substitution in der Schwangerschaft eine spätere Erkrankung verhindern. Beweisen ließe sich dies nur in einer klinischen Studie. Sie müsste wegen der Selten­heit der Erkrankung jedoch an einer großen Teilnehmerzahl durchgeführt werden und die Kinder bis ins junge Erwachsenenalter beobachten, was ein extrem hoher Aufwand wäre. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #752363
psychbrwg
am Sonntag, 13. Januar 2019, 11:51

Kausalität oder Korrelation?

Wurde untersucht, inwieweit psycho-/soziale Faktoren eine Rolle spielen, die als Ursache für 25-OHD infrage kämen? (Schlechtere/ unübersichtlich Ernährung aufgrund Geldmangels, psycho-sozialer Faktoren, etc.? Vermutlich nein, muss aber, um Aussagen über Kausalität treffen zu können, berücksichtigt werden.
LNS

Nachrichten zum Thema

2. April 2019
Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) hat eine neue S3-Leitlinie Schizophrenie herausgegeben. Sie enthält in 162
S3-Leitlinie Schizophrenie umfasst viele neue Elemente
5. Februar 2019
Boston – US-Forscher haben ein Verfahren entwickelt, mit dem die übermäßige Beschneidung der Synapsen („Pruning“) in der Pubertät, die als Ursache der Schizophrenie diskutiert wird, im Labor
Schizophrenie: Wie ein Aknemittel das übermäßige „Pruning“ der Neuronen verhindern könnte
21. Januar 2019
Shanghai – Eine Genmutation, die offenbar das Wachstum einer bestimmten Hirnregion von Teenagern beeinflusst, könnte nach einer Studie in JAMA Psychiatry (2019; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2018.4126)
Schizophrenie-Gen beeinflusst Hirnwachstum
26. Juni 2018
Toronto – Patienten mit einer Psychose-Spektrum-Störung haben ein deutlich erhöhtes Suizidrisiko. In der kanadischen Provinz Ontario entfielen laut einer Studie in Schizophrenia Research (2018; doi:
Psychosen für jeden zehnten Suizid verantwortlich
30. Mai 2018
Baltimore – Die Entwicklung der Schizophrenie wird sowohl von Genen als auch von Umweltfaktoren beeinflusst. Beide Faktoren wirken sich einer Studie in Nature Medicine (2018; doi:
Schizophrenie: Plazenta könnte Verbindung von Genen und Umwelt erklären
12. Februar 2018
Los Angeles – Postmortale Untersuchungen an Patienten mit Autismus, Schizophrenie, bipolarer Störung, Depression und Alkoholabhängigkeit zeigen, dass in den Nervenzellen des Cortex vielfach die
Studie findet überraschende Gemeinsamkeiten in Genaktivität bei fünf häufigen psychiatrischen Erkrankungen
7. Dezember 2017
London – Die verbreitete Ansicht, dass Schizophrenien und andere Psychosen in allen Ländern gleich häufig auftreten, ist offenbar nicht korrekt. Eine Studie in JAMA Psychiatry (2017; doi:
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER