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Medizin

Vorurteile über Migration und Gesundheit werden zur Basis von fremdenfeindlicher Politik

Montag, 10. Dezember 2018

Migranten in einer Notunterkunft in Tijuana, Mexiko, an der US-amerikanischen Grenze. /dpa

London – Mythen über Migration und Gesundheit ermöglichen Regierungen in vielen Ländern der Welt eine fremdenfeindliche und restriktive Politik – einschließlich der Inhaftierung von Migranten an den Grenzen der USA und der Verweigerung der Behandlung von Migranten im britischen National Health Service.

Der Schutz der öffentlichen Gesundheit und Kosteneinsparungen werden dabei häufig als Gründe vorgeschoben, um den Zugang von Migranten zur Gesundheitsversorgung einzuschränken oder ihnen den Zugang zur Versorgung verweigern. Das berichten Autoren einer Kommission für Migration und Gesundheit der Fachzeitschrift Lancet (2018; doi: 10.1016/S0140-6736(18)32114-7).

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Die Kommission hat in einem eines zweijährigen Projekt unter der Leitung von 20 Experten aus 13 Ländern. Sie haben internationale Datenbank durchsucht und dabei nach eigenen Angaben viele Auffassung zu den Folgen von Migration als Vorurteile entlarvt. Der Bericht wurde am Samstag auf der Regierungskonferenz der Vereinten Nationen zur Annahme des „Globalen Paktes für sichere, geordnete und regelmäßige Migration“ in Marrakesch vorgestellt.

Öffentliche Gesundheit und sozialer Zusammenhalt

„Den Anspruch von Migranten auf Gesundheitsversorgung in Frage zu stellen unterstützt Praktiken der Ausgrenzung, die der Gesundheit des Einzelnen, unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft schaden“, sagte der Vorsitzende der Kommission, Ibrahim Abubakar.

Wie die Welt das Thema Migration angehe, werde die öffentliche Gesundheit und den sozialen Zusammenhalt für die nächsten Jahrzehnte bestimmen. Die „bescheidenen Investitionen, die erforderlich sind, um das Recht der Migranten auf Gesundheit zu schützen und sicherzustellen“, hätten auch Vorteile für die lokale Bevölkerung, betonte er.

Zunächst untersuchte die Kommission die These, die internationale Migration habe enorm zugenommen. „In den letzten vier Jahrzehnten hat sich der Anteil der Weltbevölkerung, der als internationaler Migrant gilt, kaum verändert – von 2,9 % im Jahr 1990 auf 3,4 % im Jahr 2017 weltweit“, erläutern sie. Die meisten internationalen Migranten seien Arbeitsmigranten (rund 65 %) – und ein geringerer Anteil seien Flüchtlinge und Asylbewerber.

In einkommensstarken Ländern sei der Anteil der internationalen Migranten zwar tatsächlich stärker gestiegen als in einkommens­schwachen Ländern, aber die meisten Migranten in den Industriestaaten seien Studierende, die für ihre Ausbildung bezahlten, oder Arbeitsmigranten, die Nettozahler der Wirtschaft seien. Flüchtlinge machten in Ländern mit niedrigem Einkommen einen größeren Anteil an der Gesamtbevölkerung aus als Länder mit hohem Einkommen (0,7 % gegenüber 0,2 %). 

Laut der Kommission ist eine häufige These, Migranten seien eine Belastung für die Gesundheitsdienste. „Migranten machen in vielen Ländern mit hohem Einkommen einen erheblichen Teil der Arbeitskräfte im Gesundheitswesen aus. Anstatt eine Last zu sein, stärken Migranten eher die Dienstleistungen, indem sie medizinische Versorgung anbieten, Kinder unterrichten, ältere Menschen betreuen und unterbesetzte Dienst­leistungen unterstützen“, berichten sie. Im Vereinigten Königreich erhielten beispiels­weise 37 % der Ärzte ihre medizinische Qualifikation in einem anderen Land. 

Kein systematischer Zusammenhang zwischen Migration und Import von Infektions­krankheiten

„Sind Migranten Krankheitsträger, die ein Risiko für die ansässige Bevölkerung darstellen?“, fragt die Lancet-Kommission weiter. Das Stereotyp von Migranten als Krankheitsträger sei eines der verbreitetsten und schädlichsten. „Es gibt jedoch keinen systematischen Zusammenhang zwischen Migration und Import von Infektions­krankheiten, und die Ergebnisse zeigen, dass das Risiko einer Übertragung von wandernden Populationen auf Wirtspopulationen im Allgemeinen gering ist“, berichten sie.

Studien über Tuberkulose deuteten darauf hin, dass das Übertragungsrisiko in Migrantenhaushalten und -gemeinschaften erhöht sei, nicht aber in den Gastpopulationen. Die Ausbreitung resistenter Krankheitserreger – nicht nur für Tuberkulose – werde vor allem durch internationale Reisen, Tourismus und die Bewegung von Tieren und nicht durch Migration verursacht. „Um Krankheitsausbrüche zu verhindern, sind starke öffentliche Gesundheitssysteme erforderlich, unabhängig davon, ob sie mit Migration verbunden sind oder nicht“, stellen die Experten klar. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #749369
Ambush
am Dienstag, 11. Dezember 2018, 09:22

No countries , no borders , no welfare

Bei dem Thema um Migration geht es nur ganz am Rand über Infektionskrankheiten und Gesundheit, und es geht auch nur ganz am Rand um spinnerte Verschwörungstheorien ..es geht dabei um die Ablehnung von Globalismus und von Neoliberalismus. Wer zu viel auf die Interessen von schwarzafrikanischen Analphabeten schaut, aber fast alle anderen damit vernachlässigt, der muss sich über Gelbwesten nicht wundern... http://www.spiegel.de/plus/uno-migrationspakt-ein-progressiv-moralischer-geist-der-keinen-widerspruch-duldet-a-00000000-0002-0001-0000-000161087454
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