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Ärzteschaft

Lan­des­ärz­te­kam­mer Rheinland-Pfalz warnt vor Mangel an Fachärzten auf dem Land

Montag, 10. Dezember 2018

/dpa

Mainz – Der Ärztemangel in ländlichen Regionen in Rheinland-Pfalz betrifft nach Ansicht der Lan­des­ärz­te­kam­mer Rheinland-Pfalz in den kommenden Jahren nicht nur Hausärzte, sondern auch Fachärzte. „Die fachärztliche Grundversorgung ist noch nicht so im Fokus. Der Mangel wird aber auch dort kommen, zum Beispiel bei Augen- oder HNO-Ärzten“, sagte der Präsident der Landesärzte­kammer, Günther Matheis, in Mainz.

Es gebe zu wenige Ärzte. „Und bei den jüngeren Kollegen darf man nicht mehr das Modell 24 Stunden – sieben Tage voraussetzen. Da ist mehr Teilzeit gewünscht. Die ländlichen Regionen sind auch nicht so attraktiv.“ Der Mangel an Hausärzten ist nach seinen Angaben bereits absehbar. „Wir wissen aus unseren Statistiken, dass die Hälfte der praktizierenden Allgemeinmediziner über 55 Jahre alt ist, und ein Drittel ist weit über 60“, sagte Matheis. Das Problem werde sich in den nächsten Jahren noch verschärfen.

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Im vergangenen Jahr waren 21.468 Ärzte bei der Lan­des­ärz­te­kam­mer Rheinland-Pfalz registriert. Die Zahl ist zwar um 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gewachsen, deckt aber nach Einschätzung der Kammer nicht den künftigen Bedarf ab.

Der Lan­des­ärz­te­kam­merpräsident fordert von der Landesregierung, mehr Studienplätze für Humanmedizin. „In Zukunft wird die ‚Alleinunterhaltungspraxis’ tot sein. Das möchte niemand mehr machen“, sagte Matheis. „Wir brauchen zehn bis zwölf Prozent mehr Plätze. Dafür kann die Landesregierung sorgen.“

Die Zahl der Medizinstudienplätze soll nach Angaben der Landesregierung steigen – ab dem Wintersemester 2020/2021 um rund 20 pro Jahr. Die Pläne sind aus Sicht von Matheis zwar ein guter Schritt, aber nicht ausreichend.

Eine Landarztquote mit einem Studienplatz als Anreiz für Studenten, die sich für die Arbeit als Landarzt verpflichten, lehnt Matheis ab. „Ich bin ein strikter Gegner der Landarztquote, weil ich glaube, dass man einen 19- oder 20-jährigen Studenten nicht für den Rest seines Lebens darauf festlegen kann, dass er jetzt Landarzt wird“, sagte er.

Die Landesregierung will als Rezept gegen Ärztemangel auf dem Land bis spätestens 2021 eine Landarztquote einführen. Bis zu zehn Prozent der Medizinstudienplätze sollen vorab für diejenigen reserviert werden, die sich bis zu zehn Jahre als Landarzt in Gebieten mit einem Mangel verpflichten.

Ein Zehntel der Studienanfänger der Universitätsmedizin Mainz wären derzeit rund 20. Wer die Verpflichtung nicht einhält, soll nach den Plänen bis zu 250.000 Euro Strafe zahlen – es soll auch eine Härtefallregelung geben. Dazu kommt die geplante Aufstockung der Studienplätze. Nach Ansicht der CDU-Opposition fällt der Ausbau der Plätze zu gering aus. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #88767
fjmvw
am Dienstag, 11. Dezember 2018, 08:17

Wow, der LÄK-Präsident kennt bestimmt auch die Lottozahlen von 2019 :-)

Zitat Präsident LÄK Rheinland-Pfalz:
"In Zukunft wird die "Alleinunterhaltungspraxis" tot sein. Das möchte niemand mehr machen"
Wow, der Mann hat hellseherische Fähigkeiten. Er weiß, dass sich über 100.000 Niedergelassene auf keinen Fall für eine Einzelpraxis entscheiden. Ich bin beeindruckt.

Wir haben allerkleinste Imbisse von wenigen qm bis hin zu riesigen Mensen mit tausenden qm.
Wir haben Kleinstfahrzeuge bis hin zu riesigen Schlitten.
Wir haben höchstspezialisierte (und sehr teure) Lebensmittelgeschäfte bis hin zu gewaltigen (und preisgünstigsten) Einkaufshallen.
Wir haben Einkaufspassagen, die sich überall gleichen, und wir haben individuelles Angebot im Einzelhandel.
Wir haben den Kiosk um die Ecke und den Internethandel.
Wir kaufen regional Agrarprodukte und Artikel aus China.

Warum diese große Bandbreite? Weil es die Konsumenten nachfragen!

Bezüglich der Arztpraxen traue ich mir nur eine Prognose zu:
Es wird künftig eine große Bandbreite an Praxen geben. Von der Einzelpraxis, die vielleicht noch „im eigenen Haus“ liegt, über Praxisgemeinschaften und Gemeinschaftspraxen mit einer überschaubaren Anzahl an Ärzten bis hin zu „Medizinfabriken“, wo man Ärzte und Patienten durchnummerieren könnte, weil es kaum noch eine länger andauernde persönliche Arzt-Patienten-Beziehung gibt.

Es wird ausschließlich „auf dem Markt“ entschieden, welches Angebot sich bei den speziellen Rahmenbedingungen vor Ort etabliert. Vieles wird parallel nebeneinander existieren.

Einzelpraxen kann man nur dann kategorisch ausschließen, wenn man ein quasi-staatliches Gesundheitswesen mit entsprechenden Regelungen installiert.
Aber solange Ärzte frei entscheiden können, wird es auch Einzelpraxen geben.
LNS

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