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Medizin

Gene beeinflussen körperliche Aktivität und Schlafdauer

Montag, 10. Dezember 2018

/Evgeni Schemberger, stockadobecom

Oxford – Eine Analyse der UK Biobank ergab, dass 14 Genvarianten die körperliche Aktivität und Schlafdauer beeinflussen. Die in Nature Communications (2018; doi: 10.1038/s41467-018-07743-4) vorgestellten Daten belegen außerdem, dass Bewegungsmangel eine Ursache für den Bluthochdruck ist.

Insgesamt 101.307 Briten haben über eine Woche Tag und Nacht ein Armband mit einem Akzelerometer getragen, der ihre Bewegungen aufgezeichnet hat. Um die körperliche Aktivität besser beurteilen zu können, haben 200 Teilnehmer für 2 Tage eine kleine Kamera getragen, die alle 20 Sekunden ein Foto machte.

Ein Team um Aiden Doherty vom Big Data Institute der Universität Oxford hat die Bewegungsdaten mit den Genanalysen der UK-Biobank verglichen, die die Blutproben von 91.105 Teilnehmern auf etwa 92 Millionen Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP) hin untersucht hat.

Ergebnis: Insgesamt 14 SNP waren mit dem Ausmaß der körperlichen Bewegung und der Schlafdauer assoziiert. Zusammen erklärten sie allerdings nur 0,06 % der Unterschiede in der körperlichen Aktivität und 0,39 % der Schlafdauer. Dieses Resultat ist relativ enttäuschend, zumal keine der SNP sich in der Nähe von Genen befand, die den Einfluss auf die Bewegung oder Schlafdauer plausibel erklärten.

Die Assoziation zwischen Bewegungsmangel mit bestimmten SNP ermöglichte es den Forschern jedoch, die Hypothese zu überprüfen, ob der Bewegungsmangel ein Risikofaktor für einen Bluthochdruck ist. Nicht, dass zu dieser Frage noch keine epidemiologischen Studien durchgeführt worden wären. Es gibt eine Vielzahl von Publikationen. Sie kamen in der Mehrheit zu dem Ergebnis, dass Menschen mit Bewegungsmangel häufiger einen zu hohen Blutdruck haben. Epidemiologische Studien können dies jedoch nicht abschließend beweisen.

Die Assoziation des Bewegungsmangels mit bestimmten SNP ermöglichte Doherty jedoch die Durchführung einer Mendelschen Randomisierung. Dabei stehen die SNP stellvertretend für den Bewegungsmangel. Und da Gene bei der Geburt zufällig verteilt werden und nicht durch Umweltfaktoren beeinflusst werden, liefert eine Mendelsche Randomisierung stichhaltige Argumente für eine Kausalität.

Tatsächlich war eine vermehrte körperliche Bewegung mit einem niedrigen Body-Mass-Index (BMI) und einem niedrigen diastolischen Blutdruck assoziiert. Teilnehmer, die sich viel bewegten, hatten ein zu 16 % niedrigeres Risiko auf eine arterielle Hypertonie (Odds Ratio pro Standardabweichung 0,84). Für Adipositas und Bewegungsmangel wurde eine bidirektionale Beziehung gefunden: Menschen werden dick, weil sie sich zu wenig bewegen und sie bewegen sich zu wenig, weil sie zu dick sind.

Wer sich viel bewegt und häufiger Sport treibt, kann nach den Ergebnissen der Studie Übergewicht verhindern und den Blutdruck niedrig halten. © rme/aerzteblatt.de

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