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Politik

Kabinett in Rheinland-Pfalz verabschiedet Landarztquote

Dienstag, 11. Dezember 2018

/dpa

Mainz – Die geplante Landarztquote für Medizinstudierende in Rheinland-Pfalz als Rezept gegen den Ärztemangel rückt näher. Das Landeskabinett beschloss heute in Mainz den Entwurf des Landarztgesetzes. Damit sollen bis zu zehn Prozent aller Medizinstudienplätze an Bewerber gehen, die sich später zehn Jahre als Hausarzt in einem Gebiet mit aktueller oder drohender Unterversorgung verpflichten.

Derzeit wären ein Zehntel der Studienanfänger der Universitätsmedizin Mainz rund 20 Plätze. Der Landtag muss dem Gesetz noch zustimmen, die Ampelkoalition aus SPD, FDP und Grünen hatte sich allerdings bereits grundsätzlich dafür ausgesprochen.

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„Die Landarztquote ermöglicht so auch Bewerberinnen und Bewerbern ohne Spitzenabitur den Zugang zu einem Medizinstudienplatz“, sagte Ge­sund­heits­mi­nis­terin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD). Gepaart mit anderen Maßnahmen trete man damit dem Problem des befürchteten Landarztmangels konsequent entgegen.

Der zunehmende Mangel vor allem auf dem Land betrifft Hausärzte, aber nach Ansicht der Lan­des­ärz­te­kam­mer bald auch Fachärzte. Der Grund liegt im Bevölkerungs­schwund, aber auch in der Altersstruktur der Ärzte. Landesweit fehlen nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung zwischen Westerwald und Eifel bis 2022 rund 1.600 von zuletzt insgesamt 2.700 Hausärzten. Die Quote ist kein kurzfristiges Instrument – sie greift wegen des Studiums erst nach mehreren Jahren.

Die Lan­des­ärz­te­kam­mer lehnt eine Landarztquote allerdings ab, wie sie heute klarstellte. „Ich glaube, dass man einen 19- oder 20-jährigen Studenten nicht für den Rest seines Lebens darauf festlegen kann, dass er Landarzt wird“, sagte Ärztekammer­präsident Günther Matheis. Oft entwickle sich während des Studiums der Wunsch, ein anderes Fachgebiet zu wählen. Er warnte auch vor der Gefahr einer Zwei-Klassen-Gesellschaft, wenn sich Studenten herauskauften, die das Geld dazu hätten. Wer die Verpflichtungen nicht erfüllt, dem drohen bis zu 250.000 Euro Strafe. Eine Härtefallregelung ist geplant.

Die Landesregierung plant als Mittel gegen Ärztemangel auch, die Zahl der Medizin­studierenden zu erhöhen. Die Zulassung wird laut Wissenschaftsministerium neu geregelt. Zehn Prozent aller Studienplätze in Deutschland sollen künftig an Bewerber unabhängig von den Abiturnoten vergeben werden. Rheinland-Pfalz will dafür ein spezielles neunmonatiges Praktikum einführen, bei dem zum Beispiel Empathie, Motivation und Erfahrung stärker ins Gewicht fallen sollen. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #88767
fjmvw
am Mittwoch, 12. Dezember 2018, 12:15

Heute das Problem, die Lösung frühestens in 12 Jahren

Berücksichtigt man, dass sich der (Haus-)Ärztemangel bis 2030 weiter verschärfen wird, läuft es auf eine einfache Erkenntnis hinaus:

Die Politik hat ein deutliches Absinken (Größenordnung: 50%) des hausärztlichen Versorgungsniveaus bereits akzeptiert. Denn alles, was man derzeit, verhindert den Absturz bei den Hausärzten nicht. Helfen würde nur eine einzige Maßnahme: Angemessene Bezahlung der Niedergelassenen.
LNS

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