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Wie Ärzte die Urteilsfähigkeit ihrer Patienten abklären können

Freitag, 4. Januar 2019

/Rostislav Sedlacek, stockadobecom

Bern – Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) bietet in einem Leitfaden Ärzten und anderem Gesundheitspersonal medizin-ethische Richtlinien an, um die Urteilsfähigkeit von Patienten festzustellen. Sie haben empfehlenden Charakter und können laut SAMW eine Diskussionsgrundlage sein.

„Urteilsfähigkeit ist eine Grundvoraussetzung, damit Patienten in eine medizinische Behandlung einwilligen können. Die Entscheidung, ob jemand urteilsfähig ist oder nicht, hat somit weitreichende Auswirkungen“, schreibt die SAMW. Grundsätzlich gingen Ärzte in der medizinischen Praxis von Urteilsfähigkeit aus. Bestünden jedoch begründete Zweifel, sei eine Evaluation angezeigt. Gesundheitsfachpersonen fühlten sich aber oft unsicher, wenn sie die Urteilsfähigkeit abklären müssten.

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„Eine solche Evaluation ist ein höchst sensibler Vorgang. Einer Person die Entschei­dungsbefugnis über persönliche Belange wie die Einwilligung in eine medizinische Behandlung abzusprechen, ist ein schwerwiegender Eingriff, der massive Aus­wirkungen auf das Selbstverständnis der Person, auf die Beziehung zwischen Patienten und Behandlungs­team sowie auf das weitere Beziehungsgefüge der Patienten haben kann“, schreiben die Autoren des Leitfadens.

Aus ethischer Perspektive lasse sich ein solcher Eingriff nur rechtfertigen, wenn die Voraussetzungen für selbstbestimmtes Handeln nicht gegeben seien und der Betreffende vor möglichen negativen Konsequenzen seiner Entscheidungen geschützt werden solle.

Urteilsunfähigkeit werde Patienten laut SAMW nur im Hinblick auf eine spezifische Entscheidung und zu einem definierten Zeitpunkt zugeschrieben. Diese spezifische Zuschreibung dürfe nicht als dauerhaft gegeben angesehen werden, sondern sie sei erneut zu evaluieren, wenn es Hinweise darauf gebe, dass sich der Zustand der Patienten verändert habe, stellen die Autoren klar.

Bei der Evaluation der Urteilsfähigkeit seien Wertepluralismus, unterschiedliche kulturelle Kontexte und unkonventionelles Denken zu respektieren. „Es ist nicht zulässig, dem Patienten Urteilsunfähigkeit zuzuschreiben, nur weil er einen Entscheid fällt, der den Empfehlungen und der Sichtweise der beurteilenden Person nicht entspricht“, mahnen die Autoren. Sie erinnern zudem daran, dass nicht nur die Urteilsfähigkeit der Patienten, sondern auch das Urteilsvermögen der Evaluierenden eingeschränkt sein könne.

Die Autoren umschreiben das Vorgehen zur Evaluation im Allgemeinen und in einzelnen Handlungsfeldern, nämlich in der Hausarztmedizin, der Pädiatrie, der Notfall- und Intensivmedizin und in der Palliativversorgung. Der Richtlinientext stand vom 11. Juni bis zum 11. September 2018 in der Schweiz öffentlich zur Diskussion (Konsultationsfassung). Der SAMW-Senat hat die definitive Fassung an seiner Sitzung vom 29. November 2018 zur Veröffentlichung verabschiedet. © hil/aerzteblatt.de

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