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Wissenschaftler warnen vor Zurückbleiben Deutschlands in der Genommedizin

Donnerstag, 13. Dezember 2018

/Thomas, stock.adobe.com

Berlin – Die „TMF – Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung“ hat davor gewarnt, dass Deutschland bei der Genommedizin „massiv den Anschluss“ verliert. „Zwar ist die Genomforschung bei uns durch einige Leuchtturmeinrichtungen sehr gut aufgestellt, aber sie findet nicht den Weg in die breite Anwendung der Patientenversorgung“, sagte der TMF-Vorstandsvorsitzende Michael Krawczak anlässlich eines TMF-Workshops mit rund 100 Genomics-Experten gestern in Berlin.

Die Genomik ermöglicht es bekanntlich mittlerweile, nicht nur einzelne Gene zu analysieren, sondern das vollständige Genom beziehungsweise alle aktiven Gene in den Blick zu nehmen. Dies ist für die Diagnostik, Prävention und Behandlung von Erkrankungen im Sinne einer personalisierten Medizin unabdingbar. Durch die Sequenzierung des gesamten Genoms können medikamentöse Therapien gezielt auf die genetische Beschaffenheit des Tumors zugeschnitten werden. So eröffnen sich spezifischere und effizientere Behandlungsoptionen für die betroffenen Patienten.

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Die TMF weist darauf hin, dass es in vielen Ländern große Initiativen gebe, um die Genomik in die medizinische Versorgung zu integrieren. In England existiere zum Beispiel seit 2012 das „Genomics England Project“, in dem knapp 100.000 Genome vorwiegend aus den Bereichen Krebs und seltene Erkrankungen sequenziert wurden. Die USA hätten mit einem Programm namens „All of Us“ und Frankreich mit „France Médecine Genomique 2025“ ähnliche Programme aufgesetzt. In Deutschland gebe es aber derzeit keine vergleichbaren Initiativen.

„In Deutschland gibt es einige Spitzeneinrichtungen, die die klinische Sequenzierung zum Beispiel in der Krebsmedizin oder bei der Versorgung von Patienten mit seltenen Erkrankungen unterstützen. Aber das reicht längst nicht aus. Wir brauchen eine genomische Medizin, die bei den Patienten in der Versorgung ankommt und dabei im Schulterschluss mit der Forschung agiert“, forderte Krawczak.

Dazu fehle aber im Augenblick eine nationale übergreifende Strategie, die die Genommedizin auf eine breite Basis stelle. „Die deutsche Wissenschaft verliert derzeit massiv den Anschluss in der Genommedizin“, konstatierte auch Jürgen Eils von der Uniklinik Heidelberg auf dem Workshop in Berlin. © hil/aerzteblatt.de

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