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Medizin

Frühe Inhalationstherapie mit hypertoner Kochsalzlösung bei Mukoviszidose sinnvoll

Mittwoch, 12. Dezember 2018

/Mediteraneo, stockadobecom

Heidelberg – Babys mit einer Mukoviszidose profitieren von einer sehr früh einsetzenden Inhalationstherapie mit hypertoner Kochsalzlösung. Ihre Lungenfunktion verbessert sich und sie legen im Lauf eines Jahres mehr an Gewicht zu als Patienten, die eine isotone Salzlösung inhalieren. Das berichten Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Lungenforschung unter Federführung des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine (2018; doi: 10.1164/rccm.201807-1203OC).

„Die Studie belegt erstmals den Nutzen einer präventiven Therapie, die noch vor den ersten Symptomen im Säuglingsalter ansetzt“, sagte Marcus Mall, der die Studie am Universitätsklinikum Heidelberg geleitet hat. Die Untersuchung habe auch gezeigt, dass sich die Messung der Lungenbelüftung und die Magnetresonanztomografie sehr gut eigneten, um mit geringer Belastung für die Kinder Therapieeffekte zu überprüfen, sagte Mall, der mittlerweile die Leitung der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie mit Intensivmedizin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin übernommen hat.

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Für die Studie wurden 42 Babys in den ersten 3 Lebensmonaten zufällig einer Therapie- und einer Kontrollgruppe zugeteilt und ihre Lungenbelüftung sowie Wachstum und Gewichtsentwicklung ein Jahr lang verfolgt. Die Kinder der Therapiegruppe inhalierten 2-mal täglich eine hypertone Kochsalzlösung, deren Salzgehalt über dem des Lungensekrets liegt und die dazu beiträgt, die Lungen­oberfläche und den Schleim in den Atemwegen besser zu befeuchten. Die Babys der Kontrollgruppe inhalierten eine isotone – in ihrer Konzentration dem Lungensekret entsprechende – Kochsalzlösung.

Die Lungenfunktion der Kinder wurde mittels Messung der Lungenbelüftung (Lung Clearance Index, LCI) erfasst. Dabei wird die Anzahl der Atemzüge ermittelt, die nötig sind, bis die gesamte Luft in der Lunge einmal ausgetauscht ist. „Diese Messung zeigt sehr empfindlich an, ob sich Atemluft in der Lunge staut, weil beispielsweise Schleimpfropfen oder Entzündungen die Luftzirkulation behindern“, erklärte Erstautorin Mirjam Stahl, Kinder-Lungenspezialistin am Mukoviszidosezentrum und Zentrum für Translationale Lungenforschung (TLRC) am Universitätsklinikum Heidelberg. Zusätzlich wurden bei allen Kindern MRT-Untersuchungen der Lunge durchgeführt, um Veränderungen und Entzündungsherde aufzuspüren.

Nach einem Jahr entwickelte sich die Lungenbelüftung bei den Babys der Therapie­gruppe deutlich besser als bei der Vergleichsgruppe, sie waren durchschnittlich 500 Gramm schwerer und 1,5 Zentimeter größer. Ursache für die gute Gewichtsentwicklung sehen die Studienärzte im insgesamt besseren Gesundheitszustand der Kinder.

„Diese Inhalationstherapie empfiehlt sich als eine einfache und gut verträgliche Maßnahme, um frühe Lungenveränderungen bei Mukoviszidose abzumildern oder hinauszuzögern. Sie verschafft den betroffenen Kindern deutlich verbesserte Startbedingungen fürs Leben“, so Stahl.   

Die Studie ist ein Projekt des Zentrums für Translationale Lungenforschung (TLRC) Heidelberg sowie des Mukoviszidose-Zentrums am Universitätsklinikum Heidelberg und wurde im Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und von der Dietmar Hopp Stiftung gefördert. © hil/aerzteblatt.de

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